Hongkong
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Kurzer Prozess

Hongkonger bauen Bambus-Barrikaden – Polizei kommt mit Motorsägen

Es ist eine Art Katz- und Mausspiel, das sich die Demonstranten und die Polizei in Hongkong lieferten. Am Montag begannen die Einsatzkräfte damit, Protest-Barrikaden zu entfernen. Doch die Protestler reagierten schnell und bauten neue auf: diesmal mit Beton, Plastikfolien und Bambus.

Wie die lokalen Medien berichten, haben sich nun am Dienstagmorgen Polizisten mit Motorsägen an den Bambusbarrikaden zu schaffen gemacht. Und sie scheinen die Oberhand zu gewinnen: Wie die South China Morning Post berichtet, seien um 10.45 Ortszeit alle Barrikaden im Zentrum Hongkongs entfernt worden.

Nun drohen sie damit, bleibende Demonstranten zu verhaften, wie DPA-Reporterin Joanna Chiu auf Twitter berichtet.

Unterstützt wurden die Studenten beim Barrikadenbau am Montag von Bauarbeitern, die eigens dafür Spenden sammelten. Gerüstebauer Eric Wu hat sich in der Nacht auf Montag der Demokratie-Bewegung angeschlossen. «Es sind harte Zeiten. Auf dem Bau gibt es keine Jobs», sagte er der New York Times.

Police remove a barricade at a protest site in Admiralty near the government headquarters in Hong Kong October 14, 2014. Hong Kong police made fresh attempts on Tuesday to unblock streets that have been occupied for two weeks by pro-democracy protesters, removing more barricades a day after clashes broke out as opponents of the protest movement tried to reclaim roads.  REUTERS/Carlos Barria (CHINA - Tags: CIVIL UNREST POLITICS)

Die Demonstranten können nichts machen, sie sind zahlenmässig unterlegen. Bild: CARLOS BARRIA/REUTERS

Ein symbolisches Bild. Mit den gelben Bändchen geben sich die Pro-Demokratie-Protestler zu erkennen:

Pöbelnde Gegendemonstranten

Die Auseinandersetzungen zwischen den prodemokratischen Demonstranten und Protestgegnern hatten sich zuvor zugespitzt. Vermummte Männer versuchten, Absperrungen an einem wichtigen Lager der Demonstranten in der Innenstadt niederzureissen. Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten.

People remove the metal barricades that protesters set up to block off main roads near the heart of the city's financial district, Hong Kong Monday, Oct. 13, 2014. An angry crowd tried to charge barricades used by pro-democracy protesters to occupy part of downtown Hong Kong as a standoff with authorities dragged into a third week. (AP Photo/Vincent Yu)

Gegendemonstranten versuchten, Barrikaden niederzureissen. Bild: Vincent Yu/AP/KEYSTONE

Einige hätten Mandarin gesprochen und konnten kein Kantonesisch, was darauf hindeuten würde, dass sie nicht aus Hongkong stammen. Auch etwa 200 ältere Unterstützer der Regierung in Peking, die als Erkennungsmerkmal blaue Hemden und Bänder trugen, beteiligten sich an den Ausschreitungen. 

Die Gegner hätten sich auf verschiedene Stellen verteilt, was für eine koordinierte Aktion spreche, sagte ein Demonstrant. Viele Demonstranten sind überzeugt, dass die Pöbler für ihre Aktionen bezahlt werden. Auch die Triaden, die örtliche Mafia, sollen ihre Finger im Spiel haben.

epa04444673 A man with a head injury is given first aid and taken to an ambulance after an attack by an alleged triad following the removal of outer barricades that were set up by pro-democracy protesters within the Occupy Central movement in the Central District of Hong Kong, China, 13 October 2014. A group of men wearing face masks tried to pick fights with protesters and remove barricades in Hong Kong's business district on 13 October, as pro-democracy demonstrations entered their third week. Police separated both sides and cleared a way for opponents to peacefully leave the area. Patience is wearing thin among business owners and workers in Hong Kong, who have lost business during the past few weeks.  EPA/ALEX HOFFORD

Ein Mann wird nach einer mutmasslichen Triaden-Attacke verletzt ins Spital eingeliefert. Bild: ALEX HOFFORD/EPA/KEYSTONE

Drei von ihnen – Männer im Alter von 18 bis 47 – wurden wegen des Vorwurfs des unerlaubten Waffenbesitzes festgenommen. Die Aktivisten befürchten weitere Angriffe auf ihre Lager in den kommenden Tagen. 

50 Sympathisanten in China festgenommen

Auf dem chinesischen Festland berichteten Aktivisten, dass die Polizei dort verstärkt gegen Unterstützer der Protestbewegung in Hongkong vorgehe. Allein in der Hauptstadt Peking sind nach Angaben von Bürgerrechtlern rund 50 Personen festgenommen worden. «Die Festnahmen sind ein Hinweis auf eine neue Festnahmewelle,» sagte die Forscherin Maya Wang von Human Rights Watch aus Hongkong. 

Die Proteste in der heute weitgehend autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion hatten sich an Beschlüssen des Pekinger Volkskongresses entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. 



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