In welchen Ländern es Strassenhunde am besten haben – und in welchen am schlechtesten
Wer schon einmal Urlaub in Spanien, Griechenland oder der Türkei gemacht hat, kennt sie: die zahlreichen besitzerlosen Hunde und Katzen, die durch die Gassen streunen oder vor dem Ferienhaus um Fressen betteln. Eine aktuelle Untersuchung von Human Word of Animals zeigt, in welchen Urlaubsländern es den Tieren wirklich schlecht geht und wo sie gut aufgehoben sind.
Im Fokus der Untersuchung stand unter anderem der Umgang der Bevölkerung mit den Tieren. Denn nicht selten werden die besitzerlosen Hunde und Katzen vergiftet, erschossen, eingefangen oder lebenslang in mangelhaften Unterkünften eingesperrt.
Die 5 schlechtesten Länder für Strassenhunde
Türkei
Seitdem ein neues Gesetz 2024 in Kraft getreten ist, geht es Hunden in der Türkei wesentlich schlechter als zuvor. Denn dieses Gesetz schreibt vor, dass vier Millionen Strassenhunde des Landes entfernt und in Tierheime untergebracht werden sollen. Doch hier wartet für die meisten nicht etwa ein Happy End – sondern der Tod. Laut Human World of Animals werden die meisten Tiere in den Tierheimen eingeschläfert.
Marokko
Ähnlich kritisch sieht es auch in Marroko aus. Im Vorfeld der Fussballweltmeisterschaft 2030 sollen Strassenhunde, wenn möglich, aus dem Stadtbild verschwinden. Dafür finden Tötungsaktionen statt. Laut der Tierschutzorganisation habe das Land wiederholt auf grausame, kurzfristige Tötungen zurückgegriffen, um vor Sportereignissen die Strassen zu «säubern».
Ägypten
Auch in Ägypten finden regelmässig Aktionen statt, mit denen kommunale Behörden die Strassen von Hunden «frei räumen». Das geschieht, indem sie die Tiere vergiften oder erschiessen. Ziel ist es, die Strassen frei von tollwütigen Tieren zu bekommen. Einen Lichtblick gibt es jedoch auch: So hat die Regierung einer 180-tägigen Kampagne zugestimmt, in der zahlreiche Tiere bis 2030 kastriert werden sollen.
Pakistan
In diesem Land ist Tollwut ebenfalls ein grosses Thema. Um sie zu bekämpfen, setzt das Land auf Massentötungen mit Gift.
China
China ist das Land mit dem weltweit grössten Hundefleischhandel. Pro Jahr werden etwa zehn Millionen Hunde von der Strasse gestohlen, um für den menschlichen Verzehr erschlagen zu werden.
5 bessere Länder für Strassenhunde
Indien
In Indien hat sich die Situation für Strassenhunde in den vergangenen Jahren verbessert. Viele Kommunen setzen inzwischen auf sogenannte «Fangen-Kastrieren-Freilassen»-Programme. Dabei werden die Tiere gefangen, kastriert und zusätzlich geimpft. Allerdings ist diese Entwicklung nicht unumstritten. Es wird geprüft, ob dieser Ansatz künftig eingeschränkt werden soll. Kritiker befürchten, dass stattdessen wieder vermehrt auf Massenunterbringung unter schlechten Bedingungen gesetzt werden könnte.
Mexiko
Seit einer Verfassungsreform im Jahr 2024 ist der Schutz von Tieren als grundlegender Wert in Mexiko verankert. Dadurch kann die Regierung strengere Gesetze erlassen. Darüber hinaus wird Tierschutzunterricht landesweit in Schulen eingeführt. Zwar gibt es weiterhin Fälle von Vernachlässigung, allerdings kümmern sich viele Menschen um Strassenhunde. Zudem gibt es Impf- und Kastrationsprogramme für die besitzerlosen Hunde.
Niederlande
Die Niederlande haben es als erstes Land geschafft, die Zahl der Strassenhunde auf nahezu null zu reduzieren. Möglich wurde das durch eine langfristig angelegte Strategie. Dazu gehören eine verpflichtende Registrierung und Mikrochip-Kennzeichnung, strenge Gesetze mit hohen Strafen für das Aussetzen von Tieren sowie umfassende Kastrationsprogramme. Auch die Förderung von Adoptionen und Abgaben auf den Kauf von Hunden hat dazu beigetragen, dass Tierheime kaum ausgelastet sind.
Bhutan
Bhutan ist buddhistisch geprägt, weshalb der respektvolle Umgang mit Tieren eine grosse Rolle spielt. In dem Land wurde ein Programm ins Leben gerufen, bei dem Strassenhunde eingefangen, kastriert, geimpft und anschliessend wieder freigelassen werden. Nach Angaben der Organisation sind inzwischen nahezu alle frei lebenden Hunde entsprechend versorgt. Auch Haustiere werden zunehmend registriert und gekennzeichnet.
Thailand
Zwar gibt es in Thailand viele frei lebende Hunde. Diesen geht es jedoch vergleichsweise gut. Massentötungen werden weitgehend vermieden. Stattdessen kümmern sich vielerorts Anwohner um die Tiere. In buddhistischen Tempeln finden viele Hunde Schutz und Nahrung. Gleichzeitig investieren Behörden und Organisationen in Impf- und Kastrationsprogramme.
Kastration und Impfung stehen im Fokus
Die Untersuchung stammt von der Tierschutzorganisation Humane World for Animals, die nach eigenen Angaben weltweit Programme zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Strassen- und Haustieren unterstützt. Im Fokus stehen dabei unter anderem Kastrations- und Impfprogramme sowie der Ausbau tierärztlicher Versorgung, insbesondere in strukturschwachen Regionen.
Eine Vertreterin der Organisation betont, dass die Situation von Strassenhunden stark von kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. In vielen Ländern würden frei lebende Tiere von Teilen der Bevölkerung versorgt oder stünden sogar in einem losen Besitzverhältnis.
Gleichzeitig zeigt die Auswertung: Länder, die auf das Töten zur Eindämmung der Population verzichten und stattdessen auf Kastration, Impfung und anschliessendes Freilassen setzen, erzielen langfristig stabilere Ergebnisse. Dieses Vorgehen gilt laut der Organisation als wirksamere und zugleich tierfreundlichere Strategie im Umgang mit Strassenhunden.
Verwendete Quellen:
- Human Word of Animals, PM liegt der Redaktion vor

