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Afghanistan

Krieg zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert in der Nacht

epa12778932 Taliban security check a vehicle at a checkpoint in Kabul, Afghanistan, 26 February 2026. Clashes erupted along the border as Taliban authorities said Afghan forces attacked Pakistani mili ...
In der Nacht kam es bei pakistanischen Angriffen auf Afghanistan zu dutzenden Toten.Bild: keystone

Der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert in der Nacht zum Krieg

27.02.2026, 06:2427.02.2026, 11:22

Nach einer Offensive der afghanischen Taliban hat Pakistans Luftwaffe in der Nacht militärische Einrichtungen im Nachbarland angegriffen. Dabei wurden auch Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul und den Provinzen Kandahar und Paktia bombardiert. Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif spricht nach den jüngsten gegenseitigen Angriffen von einem «offenen Krieg» mit Afghanistan. Das teilte er am Freitag auf X mit.

Afghanistan hatte zuvor pakistanische Stellungen entlang der umstrittenen Grenze angegriffen. Dabei seien 55 pakistanische Soldaten getötet worden, teilte das afghanische Verteidigungsministerium in einer Stellungnahme auf X mit. Pakistanische Stellungen im Grenzgebiet seien eingenommen worden.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen. 133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X mit. Bei Angriffen seien unter anderem Waffenlager, Panzer und Militäranlagen zerstört worden. Die Angaben beider Seiten liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte Afghanistan und Pakistan angesichts der jüngsten gegenseitigen Angriffe zur Deeskalation auf. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischen Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers Stéphane Dujarric.

Konflikt zwischen den Nachbarn flammt wieder auf

Erst am vergangenen Wochenende hatte Pakistan Stellungen in Afghanistan angegriffen. Die UN-Hilfsmission für Afghanistan (UNAMA) teilte im Nachgang mit, 13 Zivilisten seien bei den Luftschlägen ums Leben gekommen, sieben weitere verletzt worden. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid hatte die folgenden Angriffe auf Pakistan als Gegenoffensive bezeichnet.

Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zuletzt massiv verschlechtert. Erst im Herbst war es zu Gefechten gekommen. Laut UN-Angaben starben damals 70 afghanische Zivilisten bei pakistanischen Angriffen. Friedensverhandlungen unter Vermittlung des Golfemirats Katar und der Türkei brachten keine nachhaltige Lösung des Konflikts.

Wa steckt hinter den Gefechten?

Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das.

Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) – weithin als Pakistanische Taliban bekannt – und ein regionaler Ableger des Islamischen Staates (IS) verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700.

Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die Pakistanischen Taliban unterstütze. Die regierenden Taliban bestreiten das.

Pakistan stellt Terrorgruppen, die im Land Anschläge verüben, zudem immer wieder als Stellvertreter seines Erzrivalen Indien dar. Indien wies die Vorwürfe in der Vergangenheit zurück. Es sei «eine alte Gewohnheit Pakistans, seine Nachbarn für seine eigenen internen Misserfolge verantwortlich zu machen», hiess es vom indischen Aussenministerium im Oktober 2025.

Die Nachbarländer teilen sich eine rund 2'400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als «Durand-Linie» bekannten faktischen Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.

Appelle zur Deeskalation

China, das eine Grenze zu beiden Ländern hat, wertet die jüngsten Entwicklungen als Verschärfung des Konflikts und ruft zu raschem Dialog und einer Feuerpause auf. «Als Nachbar und Freund ist China zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts», sagte Aussenamtssprecherin Mao Ning in Peking.

Vermittler aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hatten in der Vergangenheit auf eine Waffenruhe gedrängt. Das pakistanische Aussenministerium schrieb in einer Stellungnahme, Aussenminister Ishaq Dar habe seinen saudi-arabischen Kollegen über die Militäroperationen in der Nacht informiert. Beide hätten sich für Frieden und Stabilität in der Region ausgesprochen, hiess es in einer Mitteilung auf X. Auch mit seinem türkischen Amtskollegen habe Dar gesprochen.

Angesichts der militärischen Konfrontation zwischen Afghanistan und Pakistan hat der Iran seine Nachbarländer zur Deeskalation aufgerufen.

Die Islamische Republik sei «zu jeder Art von Unterstützung bereit, um den Dialog zu erleichtern», schrieb Aussenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X. «Im gesegneten Monat Ramadan, dem Monat der Selbstbeherrschung und der Stärkung der Solidarität in der islamischen Welt» sei es wichtig, dass die Nachbarländer ihre Differenzen «im Rahmen guter Nachbarschaft» beilegen, schrieb der Minister.

Die iranische Regierung unterhält enge Kontakte zu Pakistan. Das Verhältnis zu den Taliban gilt als angespannt, aber pragmatisch. Offiziell anerkannt hat Teheran die Islamisten nach deren Machtübernahme im Sommer 2021 nicht.

So reagiert Pakistan

Pakistans Luftangriffe in der Nacht folgten auf eine Offensive der afghanischen Seite am Abend. Bei dem afghanischen Angriff seien 55 pakistanische Soldaten getötet worden, teilte das afghanische Verteidigungsministerium in einer Stellungnahme auf X mit. Pakistanische Stellungen im Grenzgebiet seien eingenommen worden.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen. 133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X mit.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen. 133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X mit.

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57 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Eiche
27.02.2026 06:56registriert März 2023
Ist das einer der acht Kriege, die Trump beendet hat?
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Butschina
27.02.2026 07:30registriert August 2015
Ich bin unsicher, ob ich mich richtig erinnere, aber waren nach 09/11 und vor dem Abzug der westlichen Truppen, nicht, viele Taliban und Al Kaida in Pakistan untergekommen?
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Alice36
27.02.2026 07:42registriert Juni 2017
Sofort Trump einschalten, der kann dann Zölle erheben und noch einen Krieg beenden. Vielleicht klapst dann auchmit dem Nobelpteis🤪
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