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«Zu viel Rauch, wir haben Angst»: Bergsteiger flüchten vor Feuer am Kilimandscharo



Drama am höchsten Berg Afrikas: An dem seit Tagen in Flammen stehenden Kilimandscharo hat ein verzweifelter Abstieg der Bergsteiger-Gruppen begonnen. «Hier ist zu viel Rauch, wir haben Angst vor einer Kohlenmonoxid-Vergiftung», berichtete die Bergführerin Debbie Bachmann, die am Donnerstag den Aufstieg mit einer Gruppe von Deutschen, Österreichern und Schweizern abbrach.

In this image made from video, fires burn on Mount Kilimanjaro in Tanzania on Monday, Oct. 12, 2020. Tanzanian authorities say 500 volunteers have been trying to put out a fire on Africa's tallest peak, Mt. Kilimanjaro. (AP Photo)

Lodernde Flammen am Kilimandscharo, hier auf einem Videoscreenshot vom 12. Oktober 2020. Bild: keystone

Auf einem Foto war eine dichte Rauchwolke zu sehen, die den Weg versperrte. Sie habe zunächst die Anweisung der Parkbehörde erhalten, sich mit ihrer Gruppe im 4673 Meter hoch gelegenen Barafu Camp in Sicherheit zu bringen, sei dann aber zum Horombo-Lager hinabgeschickt worden.

Ein Camp mit Bergsteigern aus der Schweiz und anderen Ländern war in der Nacht bereits wegen heranziehender Flammen geräumt werden, wie Tour-Organisatoren der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag sagten. «Ausser meiner Schweizer Gruppe gab es da noch fünf bis sechs andere Gruppen, die um Mitternacht ihre Zelten abbrechen mussten», erklärte der seit 15 Jahren an Afrikas höchstem Gebirgsmassiv lebende deutsche Bergführer Henning Schmidt. Dass Feuer dehne sich immer mehr aus.

Das Mweka-Camp befindet sich an der Baumgrenze und ist beim Abstieg über die diversen Routen das letzte Lager vor dem Verlassen der Gebirgsmassivs. Viele Bergtouristen erreichen es erschöpft vom beschwerlichen Abstieg.

Erst Corona, dann das Feuer

Das Feuer am höchsten Berg Afrikas kommt für Tansania zur Unzeit. Nach der grossen Tourismusflaute durch die weltweiten Corona-Beschränkungen kehrten am Kilimandscharo endlich die ersten Touristen zurück.

dpatopbilder - Weithin sichtbar sind die Rauchwolken eines Feuers auf dem Kilimandscharo. Auf dem Kilimandscharo ist ein Feuer ausgebrochen. Foto: Thomas Becker/dpa

Feuer um den Kilimandscharo. Bild: sda

Deutsche, Schweizer, Briten, Österreicher: Sie machten sich nach teilweise monatelanger Vorbereitung auf den Weg zum Uhuru-Gipfel, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Einmal im Leben auf dem Kilimandscharo den weiten Blick über die Savanne geniessen – auf einem knapp 6000 Meter hohen Massiv. Sie zahlen viel Geld für den Aufstieg in der dünnen Luft, die schon so manchen Bergsteiger das Leben gekostet hat.

Für die örtlichen Helfer und Träger bedeuten die jährlich zehntausende Bergsteigern auch eine Menge Jobs. Doch dann kam das Feuer und zerstörte erst mal alle Hoffnungen. Das flammende Fanal, das der Berg seit Tagen nun weithin sichtbar darstellt, kommt Tansanias Regierung kurz vor den Wahlen am 28. Oktober denkbar ungelegen. Denn die nun schon tagelang lodernden Flammen senden kaum eine positive Botschaft aus.

In this image made from video, rangers and volunteers help to put out fires on Mount Kilimanjaro in Tanzania on Monday, Oct. 12, 2020. Tanzanian authorities say 500 volunteers have been trying to put out a fire on Africa's tallest peak, Mt. Kilimanjaro. (AP Photo)

Ranger versuchen unterstützt von freiwilligen Helfern die Brände zu löschen. Bild: keystone

Zwar stellt Brandbekämpfung in grosser Höhe überall auf der Welt Probleme dar, aber Löschflugzeuge und -helikopter mit spezieller Ausrüstung könnten da schnell Abhilfe leisten. Doch die sind teuer und müssten erst mal aus dem Ausland geholt werden.

Stattdessen verwirren zunehmend widersprüchliche und auch restriktive Informationen der Behörden. Während es auch am Donnerstag noch keine offiziellen Behördenangaben zu Opfern gab, sprachen Ranger bereits inoffiziell von drei Toten und diversen Schwerverletzten. Dabei hatten die Behörden zunächst Bergsteigergruppen den Aufstieg über Alternativrouten genehmigt. Doch am Donnerstag hiess es für viele Touristengruppen nur noch: Rette sich, wer kann. (mlu/aeg/dpa/sda)

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Brennender Zamboni mitten auf dem Eisfeld

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1 Kommentar
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Cpt. Jeppesen
15.10.2020 12:28registriert June 2018
Wälder brennen auf der ganzen Welt wie noch nie zuvor, so viele Stürme über dem Atlantik wie noch nie zuvor. Der Nordpol im September praktisch eisfrei. Die Insektenpopulation zu 70% dezimiert, die Meere leer gefischt.
Ein Jahr nach dem anderen schlägt die Rekorde der Vorjahre in Kapitalgewinn, Energieverbrauch, CO2 Ausstoss und Umweltzerstörung. Und das alles weiter so bis 2050?
Ca. 10% der Weltbevölkerung verbrauchen rund dreiviertel aller Ressourcen der Erde. Wenn diese 10% nicht schnellsten zur Vernunft kommen, brennt in 20 Jahren der ganze Planet.
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Yonnihof

Von Schlafschafen und Aluhüten: Der Tanz mit den Extremen

Wenn man nur noch Extremmeinungen hört, fehlt die Stimme der Mitte.

Einen Text in die Richtung dessen, was ich hier nun zu schreiben versuche, schlug ich schon einmal zu Faden. Damals war Corona noch ausschliesslich ein Bier. Der Grund für jene Kolumne war die Debatte über Extrempole der Modeindustrie. Ein Kleiderhersteller hatte gerade eine Plus Size-Linie herausgegeben und Models für deren Präsentation ausgewählt, die stark übergewichtig waren – und selbstverständlich zerfleischten sich die Leute in den Kommentaren darüber, was gesund und was …

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