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Afrikanische Union suspendiert Sudan nach Gewalt gegen Proteste



A protester flashes the victory sign in front of burning tires and debris on road 60, near Khartoum's army headquarters, in Khartoum, Sudan, Monday, June 3, 2019. Sudanese protest leaders say at least 13 people have been killed Monday in the military's assault on the sit-in outside the military headquarters in the capital, Khartoum. The protesters have announced they are suspending talks with the military regarding the creation of a transitional government. (AP Photo)

Bild: AP/AP

Nach der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste im Sudan hat die Afrikanische Union (AU) das Land von der Organisation suspendiert. Ab sofort werde die Teilnahme des Sudans von allen AU-Aktivitäten so lange ausgesetzt, bis eine zivil geführte Übergangsregierung eingerichtet sei.

Dies sei der einzige Weg, der den Sudan aus der derzeitigen Krise führen könne, gab die AU am Donnerstag via Twitter bekannt. Die Opposition bekräftige indes ihren Aufruf zu Protesten und zivilem Ungehorsam. Die Revolution sei dem Frieden verpflichtet, hiess es.

Sicherheitskräfte hatten am Montag gewaltsam eine Sitzblockade in der sudanesischen Hauptstadt Khartum aufgelöst, die Wochen angedauert und massgeblich zum Sturz von Präsident Omar al-Baschir beigetragen hatte.

Widersprüchliche Opferzahlen

Zur Zahl der Opfer der Gewalt der vergangenen Tage gibt es unterschiedliche Angaben. Nach Angaben eines Ärzteverbands stieg die Zahl der Toten inzwischen auf mehr als 100, die der Verletzten auf 500. Das sudanesische Gesundheitsministerium bestritt der staatlichen Nachrichtenagentur Suna zufolge am Donnerstag die Zahl der Toten und sagte, es seien nicht mehr als 46 Menschen gestorben.

Sicherheitskräfte in Khartum sowie anderen Städten des Sudans gehen weiter gegen Zivilisten vor, wie das Gewerkschaftsbündnis SPA berichtete. Einige Menschen seien in ihren Häusern von Sicherheitskräften getötet worden, teilte der Ärzteverband mit.

Ärzte haben demnach grosse Schwierigkeiten, die Verletzten zu behandeln, da viele Spitäler entweder nicht zugänglich oder überfüllt sind und es an Ärzten mangelt. In weiten Teilen des Landes waren Internet und Mobilnetze weiterhin eingeschränkt oder abgeschaltet.

Präsident Al-Baschir, der das Land mit harter Hand regiert hatte, war im April nach drei Jahrzehnten an der Macht von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen.

Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Gespräche wurden vor einigen Wochen abgebrochen, da sich beide Seiten nicht einigen konnten, wer in der Regierung das Sagen haben sollte.

Nach der Gewalt vom Montag hatte die Militärführung im Land zunächst die Verhandlungen mit der Opposition beendet und alle Zugeständnisse aufgekündigt. Doch nach massivem internationalen Druck erklärte sich der militärische Übergangsrat dann doch bereit, die Gespräche wiederaufzunehmen. Die Opposition winkte zunächst ab.

Nummer zwei zieht die Fäden

Für die Gewalt sehen viele die berüchtigten Schnellen Einsatztruppen (RSF) in der Verantwortung. Die RSF sind offiziell eine Einheit der Streitkräfte, agieren aber weitgehend autonom. Chef Mohammed Hamdan Daglu (genannt Hemeti) ist die Nummer zwei im Übergangsrat.

Amnesty International kritisierte das Vorgehen der RSF als «mörderische Randale». Netsanet Belay, die Afrika-Leiterin der Organisation, forderte den Uno-Sicherheitsrat und den Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union dazu auf, «sofort zu handeln, um die Täter dieser Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen».

Auch das US-Aussenministerium rief den militärischen Übergangsrat und die RSF «zum Gewaltverzicht und zur erneuten Kontaktaufnahme mit den Freiheitskräften auf». Der Sudan im Nordosten Afrikas mit 41 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt und steckt in einer schweren Wirtschaftskrise, was der grösste Auslöser der Massenproteste war. (sda/afp)

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