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Elon Musk bezeichnet Schweizer Philosophen als «diabolisches Arschloch»

Elon Musk bezeichnet Schweizer Philosophen als «diabolisches Arschloch»

Jean-Jacques Rousseaus Menschenbild prägte die Moderne. Für Elon Musk ist jedoch genau darin der Ursprung einer ideologischen Fehlentwicklung des Westens zu finden.
17.05.2026, 07:4717.05.2026, 08:37
Simon Maurer / ch media

Elon Musk macht einen Genfer Philosophen für den Wokeismus verantwortlich. In einer hitzigen Auseinandersetzung über französische Denker beschimpfte der Tesla-Chef Jean-Jacques Rousseau als «diabolisches Arschloch».

Elon Musk, speaks during a panel discussion during the 56th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, January 22, 2026. The meeting under the topic "A Spir ...
Der Tesla-Chef mag die Schweiz, aber offenbar nicht den berühmtesten Schweizer Philosophen.Bild: keystone

Grund für die Entgleisung ist eine aufgeheizte Debatte um französische Philosophen, die am Samstag auf X stattfand und über 34 Millionen Menschen erreichte. Ein in der Tech-Branche arbeitender Franzose entschuldigte sich nämlich im Namen seines Heimatlandes für all die üblen Philosophen aus Frankreich, welche «die ideologische Waffe geschmiedet haben, die heute den Westen lähmt». Gemeint ist der Wokeismus.

Rousseau soll die amerikanischen Unis verdorben haben

In seinem Beitrag behauptete der Mann, Philosophen wie Michel Foucault, Jacques Derrida oder Gilles Deleuze hätten mit ihren Theorien ab den 1960er-Jahren traditionelle Vorstellungen von Wahrheit, Autorität und Identität systematisch infrage gestellt. Später seien diese Ideen an amerikanischen Eliteuniversitäten aufgegriffen und mit Debatten über Rassismus, Geschlecht und Macht verbunden worden.

So seien laut dem Autor zentrale Konzepte der heutigen Woke-Bewegung entstanden – etwa die Vorstellung, dass gesellschaftliche Normen vor allem Ausdruck von Machtverhältnissen seien oder Identitäten sozial konstruiert würden. Die französischen Denker hätten damit, so die These, ungewollt das ideologische Fundament für eine Kultur gelegt, die westliche Werte zunehmend dekonstruiere.

Diese Argumentation schien den Milliardär Elon Musk zu überzeugen, er interagierte mehrmals mit dem bis dahin unbekannten Franzosen, der seine Kritik später noch einmal zuspitzte. Jean-Jacques Rousseau sei nämlich «Gift für den französischen Geist». Musk antwortete mit der obengenannten Beleidigung.

Screenshot Elon Musk X Jean-Jacques Rousseau
Bild: screenshot x

Musk findet Misstrauen gegen Institutionen schlecht

Die beiden Männer stören sich besonders an der bekanntesten These Rousseaus. Diese besagt, dass der Mensch «gut» geboren werde, und erst durch die Einflüsse der Gesellschaft «verdirbt». Musk und der französische Tech-Philosoph glauben dagegen, dass der Mensch «triebhaft geboren wird, ambivalent und fähig zum Besten und Schlimmsten». Die gesellschaftlichen Institutionen würden keine engelhafte Natur unterdrücken, sondern nur die gut und schlecht angelegte Natur des Menschen kanalisieren.

Es sei deshalb falsch, ständiges Misstrauen gegenüber gesellschaftlichen Autoritäten und Hierarchien zu pflegen. Denn ohne gesellschaftliche Einschränkungen und traditionelle Werte würde der Mensch seinen schlimmsten Instinkten ausgeliefert sein – und womöglich alles vernichten. Weil die neueren französischen Philosophen einfach nur Rousseaus Thesen zugespitzt hätten, habe der Schweizer Philosoph auch die schlimmste Erbsünde zu verantworten. Garniert wurde die Ausführung mit einem von künstlicher Intelligenz bearbeiteten Bild, in dem Rousseau zwei Teufelshörner auf den Kopf gesetzt wurden.

Rousseau in der Schweiz wohl beliebter als Elon Musk

Hierzulande dürfte vor allem der Vorwurf der Bösartigkeit und die scharfe Rhetorik – unabhängig von der auch von renommierten Philosophen vertretenen Kritik an gewissen amerikanischen Rousseau-Interpretationen – kaum gut ankommen. Auf der Website der Auslandschweizer-Organisation wird Rousseau als «genialer Vordenker» bezeichnet, dessen Ideen Demokratie, Freiheit und Menschenrechte bis heute geprägt hätten. In Genf erinnert mitten in der Rhone die Île Rousseau mit einer grossen Statue an den Philosophen, zudem wurden ihm zum 300. Geburtstag im Jahr 2012 zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen gewidmet.

Jean-Jacques Rousseau (1712-1775), Genfer Autor und Philosoph, in einer undatierten Zeichnung von T. Sudre. (KEYSTONE/Str)
Jean-Jacques Rousseau gilt als einer der wichtigsten Denker der Epoche der Aufklärung.Bild: KEYSTONE

Im Schweizer Bildungswesen wirkt Rousseaus Einfluss bis heute nach. Der Zürcher Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi, dessen Ideen die moderne Volksschule entscheidend prägten, berief sich ausdrücklich auf Rousseaus Erziehungsphilosophie. Vorstellungen wie kindgerechter Unterricht oder Lernen durch Erfahrung gehören heute zum Schweizer Schulalltag.

Auch sonst dürfte die Philosophie Rousseaus zumindest in der Schweiz heute beliebter sein als jene, welche aus dem Silicon Valley verbreitet werden. Schliesslich sind die Schweizerinnen und Schweizer grundsätzlich kritisch gegenüber Institutionen und Autoritäten – und damit gerade gegenüber jenem technologischen Machtanspruch, wie ihn Elon Musk verkörpert. (aargauerzeitung.ch)

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68 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Vegan-Pacman
17.05.2026 08:16registriert Juni 2025
Rousseau war ein Kind seiner Zeit, das die damaligen Missstände und die absolutistischen Herrschaften von Staat, Klerus unf Adel kritisierte, die 90 % der Bevölkerung verarmen liess. Seine Thesen machten unsere heutige Mittelstandsgesellschaft erst möglich. Und genau dies passt Musk und seinen Tech-Neofeudalisten nicht in den Kram. Er will die absolute Macht, er will die Verarmung und Verblödung von 90% der Gesellschaft.
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Kupetzky
17.05.2026 08:19registriert Dezember 2014
Mir tun Musks Kinder leid.
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Clatos
17.05.2026 08:20registriert November 2024
Dieser verkappte Nationalstolz auf grosse Persönlichkeiten ist im Grunde kleingeistig. Wer seinen Stolz aus der blossen Zugehörigkeit zu einer Nation schöpft, bleibt geistig an der Oberfläche – denn die Leistung gehört der Person, nicht dem Land. Kant war gross, weil er dachte wie kaum jemand vor ihm, nicht weil er Deutscher war.
Schopenhauer brachte es auf den Punkt: Je weniger jemand an sich selbst stolz sein kann, desto mehr greift er auf das Kollektiv zurück. Nationalstolz wäre demnach weniger ein Zeichen von Stärke als von innerer Leere.
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