Blutbad in Ankara +++ Mindestens 100 Tote +++ Tausende demonstrieren gegen Regierung
Nach dem blutigen Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am Samstagabend tausende Menschen in Istanbul und in anderen Städten des Landes auf die Strasse gegangen. Die rund 10'000 Demonstranten im Zentrum von Istanbul machten Präsident Recep Tayyip Erdogan für den Anschlag auf eine geplante Friedenskundgebung mitverantwortlich, bei dem bis zu 100 Menschen getötet und knapp 200 weitere verletzt worden waren.
Die türkischen Behörden gaben die Zahl der Todesopfer mit 86 an, die Kurdenpartei HDP hingegen mit 97.
Die Polizei begleitete die Proteste in Istanbul mit einem massiven Aufgebot, schritt aber nicht ein. Weitere Demonstrationen fanden nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan in Diyarbakir, Izmir, Batman, Urfa und Van statt.
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Bei der Kundgebung im vorwiegend von Kurden bewohnten Diyarbakir kam es nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Tränengas ein.
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Zu der Friedenskundgebung in Ankara hatte unter anderem die Kurdenpartei HDP aufgerufen. Deren Ko-Chef Selahattin Demirtas äusserte Zweifel, dass die Regierung von dem Attentat überrascht wurde. Laut HDP richtete sich der Anschlag gegen ihre Mitglieder, die Sprengsätze wurden demnach am Aufmarschplatz der HDP-Delegation bei der geplanten Demonstration gezündet.
Die Regierung geht von zwei Selbstmordattentätern aus. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu verdächtigte seinerseits die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und Linksextremisten der DHKP-C, hinter dem Attentat zu stehen. (sda/afp/reu)
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(whr/sda/reu/dpa/afp)
