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Blutbad in Ankara +++ Mindestens 100 Tote +++ Tausende demonstrieren gegen Regierung

Blutbad in Ankara +++ Mindestens 100 Tote +++ Tausende demonstrieren gegen Regierung

10.10.2015, 09:5110.10.2015, 21:39
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Bild: TURKEY

Nach dem blutigen Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am Samstagabend tausende Menschen in Istanbul und in anderen Städten des Landes auf die Strasse gegangen. Die rund 10'000 Demonstranten im Zentrum von Istanbul machten Präsident Recep Tayyip Erdogan für den Anschlag auf eine geplante Friedenskundgebung mitverantwortlich, bei dem bis zu 100 Menschen getötet und knapp 200 weitere verletzt worden waren.

Die türkischen Behörden gaben die Zahl der Todesopfer mit 86 an, die Kurdenpartei HDP hingegen mit 97.

Die Polizei begleitete die Proteste in Istanbul mit einem massiven Aufgebot, schritt aber nicht ein. Weitere Demonstrationen fanden nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan in Diyarbakir, Izmir, Batman, Urfa und Van statt.

Nach dem Bombenanschlag ging die Polizei mit Tränengas gegen Teilnehmer der Friedensdemonstration vor.
Nach dem Bombenanschlag ging die Polizei mit Tränengas gegen Teilnehmer der Friedensdemonstration vor.
Bild: Getty Images Europe

Bei der Kundgebung im vorwiegend von Kurden bewohnten Diyarbakir kam es nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Tränengas ein.

So friedlich waren diese Demonstranten, als hinter ihnen eine Bombe hochging (auf dem Video sind KEINE Toten oder Verletzten zu sehen).
YouTube/Al Jazeera Turk

Zu der Friedenskundgebung in Ankara hatte unter anderem die Kurdenpartei HDP aufgerufen. Deren Ko-Chef Selahattin Demirtas äusserte Zweifel, dass die Regierung von dem Attentat überrascht wurde. Laut HDP richtete sich der Anschlag gegen ihre Mitglieder, die Sprengsätze wurden demnach am Aufmarschplatz der HDP-Delegation bei der geplanten Demonstration gezündet.

Bern kondoliert Ankara
Nach den tödlichen Explosionen in Ankara hat die Eidgenossenschaft der Türkei ihr Beileid ausgesprochen. Die Schweiz sei «in Gedanken bei den türkischen Behörden und dem türkischen Volk, insbesondere bei den Opfern und deren Familien».Dies schrieb das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Samstag in einer Mitteilung. (sda)

Die Regierung geht von zwei Selbstmordattentätern aus. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu verdächtigte seinerseits die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und Linksextremisten der DHKP-C, hinter dem Attentat zu stehen. (sda/afp/reu)

Demonstranten versuchen ihre Kollegen von einer Konfrontation mit der Polizei abzuhalten.
Demonstranten versuchen ihre Kollegen von einer Konfrontation mit der Polizei abzuhalten.
Bild: STRINGER/TURKEY/REUTERS

(whr/sda/reu/dpa/afp)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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M2020
10.10.2015 11:04registriert Juni 2015
An einer Friedensdemo... Ist die Welt wirklich so dunkel geworden?
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breeaakdancc
10.10.2015 11:15registriert Mai 2015
Das traurige ist ja, dass die Verletzten von Polizisten mit Tränengas attakiert werden. Noch vor dem Eintreffen der Ambulanzen waren Fahrzeuge von der Polizei vor Ort, die die Sanitäter am weiterfahren verhinderten.
#StaatsterrorIstAuchTerror
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Tropfnase
10.10.2015 12:12registriert Juni 2015
Es könnte ja auch der IS gewesen sein um den türkisch, Kurdischen Konflikt an zu heizen...
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