DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
So sah es am 1. April in der schwedischen Hauptstadt Stockholm aus.
So sah es am 1. April in der schwedischen Hauptstadt Stockholm aus.Bild: EPA

Schwedens Sonderweg gerät unter Druck: Tausende Tote befürchtet – Notrecht-Plan in Arbeit

Schwedens Sonderweg beim Coronavirus kommt unter Druck: Die Regierung befürchtet tausende Tote und schmiedet Notrecht-Pläne.
04.04.2020, 10:4204.04.2020, 12:04

Schweden ist in den letzten Tagen weltweit aufgefallen, weil es als eines der wenigen europäischen Länder sich gegen den allgemeinen Trend gewehrt hatte, trotz positiv getesteter Coronavirus-Fälle das öffentliche Leben und die Wirtschaft stillzulegen. Das skandinavische Land setzte stattdessen auf einen «Sonderweg»: Jeder und jede solle die Hygieneempfehlungen befolgen und Abstand halten.

Langsam kommt aber auch bei der schwedischen Regierung um Ministerpräsident Stefan Löfven die Erkenntnis an, dass diese laschen Massnahmen fatale Folgen haben könnten. In einem Interview mit der Zeitung «Dagens Nyheter» sagt der Sozialdemokrat, dass man mit «tausenden Toten» rechnen müsse.

Regierung schmiedet Notrecht-Pläne

Im Interview blieb Löfven beim Appell, das Volk solle doch diszipliniert bleiben, Hygieneempfehlungen befolgen und ältere Personen nicht mehr besuchen. Offenbar glaubt aber selbst die Regierung nicht, dass der freizügigere Umgang mit der Pandemie ausreichen wird.

Die Boulevard-Zeitung «Expressen» berichtete am Freitagabend von Plänen, mit denen die Regierung ähnlich wie der Schweizer Bundesrat per Notrecht am Parlament vorbei Massnahmen ergreifen kann. Möglich seien damit Versammlungsverbote, Schliessung von Einkaufszentren, Clubs, Fitnessstudios und Einschränkungen des öffentlichen Verkehrs.

Streit um Notrecht-Plan beginnt

Das Vorhaben der Regierung kam im schwedischen Parlament nicht überall gut an. Die konservativen «Moderaten» im Reichstag kritisierten, dass damit «erhebliche Macht vom Reichstag auf die Regierung verlagert wird». Sie fordern ein Vetorecht, weil es um das «Funktionieren der Demokratie» gehe.

Mit dem Streit über die Notrecht-Pläne dürften die politischen Fragen rund um das Coronavirus neue Dynamik bekommen. Kritik am laschen Umgang mit der Pandemie-Gefahr wurde bislang im eher staatsgläubigen Schweden kaum oder erst spät geäussert. Stattdessen holten sich die schwedischen Medien mehrfach den Stockholmer Korrespondenten des deutschen Fernsehsenders ARD ans Mikrofon, der zum berühmten Zweifler des Sonderwegs wurde.

Schweden sprechen vom «Sturm»

Zahlen zeigen, dass Schwedens Regierung mit ihrem Plan tatsächlich das öffentliche Leben lahm legen konnte, ohne auf schärfere staatliche Massnahmen setzten zu müssen. Die Infektionskurve flachte aber nicht ab, sondern steigt tendenziell weiter an.

Die schwedischen Medien sprechen seither immer mehr vom «Sturm», der auf das skandinavische Land zieht, wo bislang über 6000 Personen infiziert wurden und 333 Menschen mit Covid-19 gestorben sind.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Coronavirus in Spanien in 20 Bildern

1 / 22
Coronavirus in Spanien in 20 Bildern
quelle: epa / javier etxezarreta
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wie Walliser Spargelbauern mit dem Coronavirus umgehen

Video: srf

Abonniere unseren Newsletter

47 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Füürtüfäli
04.04.2020 11:12registriert März 2019
TV -Interview mit Stefan Löfven:

"Man könne nicht alles regulieren und verbieten." und "Schweden setzt gegen Corona auf den Hausverstand"

Das gerade aus schwedischen Munde zu hören klingt fast schon skurril. Der "Hausverstand" scheitert an allen Aufgaben die komplexer als Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung sind.
24949
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gigi,Gigi
04.04.2020 11:19registriert Januar 2015
Eher staatsgläubig ist eine Untertreibung. Die Mehrheit der Schweden folgt wie eine Herde Schafe - nein, nicht dem Schäfer - sondern ganz einfach dem Nachbar und der wieder dem Nachbar und so weiter. Hauptsache alle gleich und niemand wird anders behandelt.
22353
Melden
Zum Kommentar
avatar
insert_brain_here
04.04.2020 17:53registriert Oktober 2019
Europäer: Ok, wir haben nicht alle perfekt reagiert, aber immerhin hats von uns keiner so verbockt wie die Amerikaner

Schweden: Hold my beer!
14518
Melden
Zum Kommentar
47
Und plötzlich verschwindet die Razoni spurlos: Wie das Getreide aus der Ukraine gelangt
Die Ukraine kann wieder Getreide auf dem Seeweg exportieren. Nach einigen kommerziellen Schiffen hat nun das erste Getreideschiff des UN-Welthungerprogramms abgelegt – nachdem sich zuvor ein Kornfrachter in Luft aufgelöst hatte.

Die wogenden Weizenfelder der Ukraine sind das Symbol des Landes. Nach populärer Interpretation zeigen die Farben der ukrainischen Nationalflagge das typische Landschaftsbild: Ein gelbes, reifes Kornfeld, über dem der blaue Himmel strahlt.

Zur Story