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Schweden feiert weiter: So reagieren die Länder Europas auf die Corona-Epidemie

24.03.2020, 09:5617.11.2020, 14:37

Der Coronavirus trifft ganz Europa, aber nicht alle Länder reagieren gleich. In Italien und Spanien gilt eine Ausgangssperre, andernorts finden weiterhin Fussballspiele statt. Eine Übersicht.

>> Liveticker national: Die News aus der Schweiz

>> Liveticker international: Die globalen News

Deutschland: 27'289 Infizierte, 115 Tote

Ein Radfahrer in Düsseldorf.
Ein Radfahrer in Düsseldorf.Bild: AP

Deutschland hat die Massnahmen im Kampf gegen das Virus noch einmal drastisch verschärft: Im gesamten Land gilt seit Montag ein Kontaktverbot. Treffen von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit sind verboten. Ausgenommen davon sind Familien und Menschen, die im gleichen Haushalt leben. Verstösse gegen das Verbot werden mit Bussen sanktioniert. Wer das Haus verlässt, muss stets seinen Personalausweis mit sich führen.

Auf eine Ausgangssperre will Deutschland vorderhand aber verzichten. Nach wie vor darf man das Haus oder die Wohnung für Einkäufe oder wichtige Erledigungen, auch für Sport und Bewegung, verlassen. Inzwischen wurden landesweit auch sämtliche Restaurants und Gaststätten geschlossen. Noch in der vorigen Woche durften die Gastrobetriebe bis 18 Uhr geöffnet haben. Am Montag einigte sich das Bundeskabinett ausserdem auf ein beispielloses Hilfspaket in Höhe von 750 Milliarden Euro. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich seit Sonntagabend in zweiwöchiger Quarantäne befindet, da sich ihr behandelnder Arzt mit dem Corona-Virus infiziert hatte, nahm an der Kabinetts-Sitzung via Video-Schaltung teil. Die Bundesregierung will mit dem Hilfspaket Familien, Mieter, Selbstständige und Unternehmern in der Krise helfen. (crb/ch media)

Spanien: 33'089 Infizierte, 2206 Tote

Eine fast leere U-Bahn in Barcelona.
Eine fast leere U-Bahn in Barcelona.Bild: EPA

Die Zahl der Infektionen und Todesfälle in Spanien steigt weiter steil an. Zwölf Prozent aller Erkrankten sind medizinische Fachkräfte, die darüber klagen, dass sie ohne ausreichende Schutzkleidung gegen das Virus kämpfen müssen. Nur zum Lebensmittelkauf oder zum Erreichen des Arbeitsplatzes dürfen die Menschen noch aus dem Haus. Die Ausgangssperre gilt mindestens bis Ostern. Bei weiterer Zuspitzung der Lage wird die Schliessung aller nicht existenziellen Produktions- und Arbeitsstätten erwogen, so wie es Italien bereits verfügte. (ze/ch media)

Grossbritannien: 5683 Infizierte, 289 Tote

Geschlossen: London Bridge Station.
Geschlossen: London Bridge Station.Bild: EPA

Die britische Regierung hat am Montagabend weitreichende Ausgangsbeschränkungen beschlossen. Premierminister Boris Johnson wies seine Landsleute an, das Haus nur noch so wenig wie möglich zu verlassen. «Von heute Abend an muss ich dem britischen Volk eine einfache Anordnung geben: Sie müssen zuhause bleiben», sagte Johnson. Alle Läden, mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Apotheken, werden mit sofortiger Wirkung geschlossen.

Sportliche Aktivitäten sind nur noch einmal am Tag und nur gemeinsam mit Mitgliedern desselben Haushalts erlaubt. Ansonsten dürfe das Haus nur noch für den Einkauf wesentlicher Dinge wie Lebensmittel und Medikamente und für den Weg zur Arbeit verlassen werden, sagte Johnson. Versammlungen von mehr als zwei Personen seien nicht mehr erlaubt und würden von der Polizei aufgelöst. (sda)

Frankreich: 16'689 Infizierte, 674 Tote

Kaum Menschen vor der Sacre Coeur in Paris.
Kaum Menschen vor der Sacre Coeur in Paris.Bild: EPA

Mit dem Frühling spriessen auch die religiösen Feste – doch Paris will sie wegen der Corona-Pandemie nicht zulassen. Im einst tiefkatholischen Frankreich dürfte das Osterwochenende des 12. April erstmals seit Jahrhunderten ohne die üblichen Prozessionen, Messen und Feiern stattfinden. Betroffen sind auch der islamische Fastenmonat Ramadan und das jüdische Pessachfest. In Frankreich darf derzeit nur das Haus oder die Wohnung verlassen, wer Lebensmittel einkauft, anderen hilft, zur Arbeit fährt oder alleine Sport treibt. (brä/fho/ch media)

Italien: 59'138 Infizierte, 5476 Tote

Ein abgesperrter Spielplatz in Rom.
Ein abgesperrter Spielplatz in Rom.Bild: EPA

Italien hat die Quarantäne-Massnahmen gestern Montag noch einmal verschärft. Die Wohnung darf nur noch «in extremen Notfällen» oder zum Arbeiten verlassen werden. Alle Betriebe, die keine in der derzeitigen Situation notwendigen Güter und Dienstleistungen anbieten, sind geschlossen. Geöffnet bleiben Supermärkte, Lebensmittelläden und Apotheken sowie Banken, die Post und Zeitungshändler. Für grosse Trauer sorgt der Tod weiterer Ärzte im besonders notleidenden Norden, der von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen wurde. (dsr/ch media)

Österreich: 4057 Infizierte, 21 Tote

Leere Hallen am Flughafen in Wien.
Leere Hallen am Flughafen in Wien.Bild: AP

Bundeskanzler Sebastian Kurz hat in der Corona-Krise vergleichsweise früh die Initiative ergriffen. Verstärkte Einreisekontrollen gibt es in Österreich schon länger. Im Land selbst herrscht zwar keine komplette Ausgangssperre, wer aus dem Haus will, braucht aber einen triftigen Grund. Spaziergänge bleiben erlaubt, allerdings «ausschliesslich alleine» oder «mit den Personen, mit denen er in der Wohnung gemeinsam zusammenlebt», erklärte Kurz am Sonntag. Und der Weg zur Arbeit oder zum Lebensmitteleinkauf. Bei Verstössen drohen Bussgelder. (fho/ch media)

Ungarn: 167 Infizierte, 7 Tote

Soldaten patroullieren in Gyor.
Soldaten patroullieren in Gyor. Bild: EPA

Es herrscht Einreisestopp, Veranstaltungen sind verboten. Das Besondere an der Situation in Ungarn: Regierungschef Viktor Orbán will die Corona-Krise nutzen, um sich Notstandsrechte auf unbestimmte Zeit zu sichern. So hat er ein Gesetzespaket auf den Weg bringen lassen, das ihn praktisch auf unbestimmte Zeit per Dekret an existierenden Gesetzen vorbei regieren lässt. Diese Woche stimmt das Parlament darüber ab. Und die Chancen, dass Orbán damit durchkommt, sind gut: Seine Partei hat die notwendige Zweidrittelmehrheit. (sts/fho/ch media)

Griechenland: 624 Infizierte, 17 Tote

Kein Social Distancing bei den Tauben in Athen.
Kein Social Distancing bei den Tauben in Athen. Bild: EPA

Wer nach Griechenland einreist, muss zwei Wochen in Quarantäne. Bei Missachtung droht eine Geldbusse. Der Umgang mit Flüchtlingen bleibt derweil unklar. Experten befürchten ohnehin, dass eine Infektion in einem der Lager etwa auf der Insel Lesbos fatale Folgen haben könnte. Im ganzen Land bleiben die Schulen geschlossen, Restaurants, Bars und Clubs ebenso. Offen bleiben Tankstellen, Supermärkte, Apotheken und Banken. Gottesdienste gibt es auf absehbare Zeit in Griechenland keine, auch religiöse Hochzeiten dürfen nicht gefeiert werden. (fho/ch media)

Schweden: 2046 Infizierte, 25 Tote

Entspannte Leute in einem Aussenrestaurant in Stockholm.
Entspannte Leute in einem Aussenrestaurant in Stockholm.Bild: EPA

Während sich der Rest Europas abschottet, Geschäfte dichtmacht und Ausgangsbeschränkungen erlässt, geht in Schweden die Party weiter: Die Skigebiete sind voll, genau wie die Bars und Restaurants in der Hauptstadt Stockholm. Touristen können weiter einreisen, Schulen bleiben geöffnet, Veranstaltungen bis 500 Teilnehmer sind nach wie vor erlaubt. Zwar appelliert Ministerpräsident Stefan Löfven an seine Landsleute, etwa nicht notwendige Reisen zu unterlassen. Von expliziten Verboten hält die schwedische Regierung jedoch Abstand. (fho/ch media)

Dänemark: 1450 Infizierte, 24 Tote

Wenig Verkehr auf der Oesterbrogade in Kopenhagen.
Wenig Verkehr auf der Oesterbrogade in Kopenhagen.Bild: AP

Dänemark verlängert all seine Massnahmen bis einschliesslich Ostern. Alle ergriffenen Initiativen gelten nun vorerst bis zum 13. April, dem Ostermontag. In Dänemark sind unter anderem Schulen, Kindergärten, Restaurants, Cafés, Theater sowie weitere Freizeiteinrichtungen wie Fitnessstudios geschlossen worden. Es gilt ein Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen. In Supermärkten und im öffentlichen Nahverkehr werden die Dänen intensiv angemahnt, Abstand zu halten. Seit dem 14. März sind auch die Grenzen für Touristen dicht. (sda)

Weissrussland: 81 Infizierte, 0 Tote (offiziell)

In Minsk wird fleissig weiter Fussball gespielt.
In Minsk wird fleissig weiter Fussball gespielt.Bild: AP

Ausgangssperren und Reiseverbote gegen Corona? Nicht bei Alexander Lukaschenko. Weissrusslands Machthaber empfiehlt seinen Landsleuten stattdessen, sich mit Alkohol und Saunagängen abzuhärten. Sogar Fussball schauen ist in Minsk noch möglich: Während sämtliche Ligen Europas pausieren, hat Weissrussland die neue Saison eingeläutet – mit Zuschauern. Von denen kommen zwar wenig, aber immerhin. Europas letzter Diktator hält Corona für eine Psychose: «Die zivilisierte Welt ist verrückt geworden», meint Lukaschenko. (fho/ch media)

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Grippe und Covid-19 im Vergleich

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Grippe und Covid-19 im Vergleich
quelle: epa / alex plavevski
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