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Doofe Witzchen und grosse Parolen: Europas Rechtspopulisten treffen sich in Koblenz

21.01.17, 15:53 21.01.17, 16:05


Ein Selfie für alle Fälle in Koblenz. Bild: Michael Probst/AP/KEYSTONE

«Merkel muss weg» rufen sie bei Pegida. Beim Treffen der Rechtspopulisten in Koblenz ertönt der gleiche Slogan. Rückenwind gibt den Teilnehmern der grenzüberschreitenden Wahlkampfveranstaltung der Sieg von Donald Trump.

Es beginnt pompös. Blaue Lichtblitze zucken über die Bühne der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle, während die Spitzenpolitiker der europäischen Rechtspopulisten zu Klassik-Pop-Klängen an den Stuhlreihen vorbei schreiten. Ganz vorne: die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und die AfD-Vorsitzende Frauke Petry.

Frauke Petry. Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Der Kongress der EU-Parlamentsfraktion «Europa der Nationen und der Freiheit» (ENF) ist ein Treffen voller Symbolik. Wer ist drinnen, wer ist draussen? Einige Journalisten waren explizit ausgeladen worden. In der Halle klopfen sich die Rechtsausleger gegenseitig auf die Schultern. Draussen rufen 5000 Demonstranten und Politiker der etablierten Parteien ihre Wut über das Treffen am Deutschen Eck in die kalte Winterluft, radikale Linke ebenso wie Kirchenvertreter und CDU-Lokalpolitiker.

Dem FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky gefällt, wie das Drinnen und Draussen verteilt ist, dass die Demonstranten und mit ihnen protestierenden Politiker zwischen den Absperrgittern der Polizei stehen, während er oben auf der Bühne eine Rede hält. Der Österreicher geniesst den Moment. Er reisst Witzchen, sagt, es sei «ein schönes Bild» diese Menschen «hinter Gittern» zu sehen. Und: «Ich bin aus Tierschutzgründen gegen die Käfighaltung.» Gelächter.

Gütesiegel Populismus

So funktioniert wohl das, was Politologen «Populismus» nennen. Der Begriff ist für einige der Teilnehmer dieses Kongresses kein Schimpfwort, sondern ein Gütesiegel.

Geert Wilders. Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Der Wahlsieg des US-Präsidenten Donald Trump hat den europäischen Rechtspopulisten Mut gemacht. Er beflügelt sie geradezu. «Gestern ein neues Amerika, heute ein neues Koblenz und morgen ein neues Europa», jubelt der Niederländer Geert Wilders.

Die Organisatoren haben die Nationalflaggen der EU-Mitgliedstaaten in dem bläulich beleuchteten Saal aufgehängt. Die britische Flagge ist auch dabei. Und auch das schweizerische weisse Kreuz auf rotem Grund. Fast könnte man meinen, dies hier sei eine ganz normale europäische Veranstaltung. Wenn nur nicht die eine Flagge fehlen würde, die blaue mit den gelben Sternen.

Le Pen wird vom Moderator der Veranstaltung, einem AfD-Mann, als «Frau mit dem schönsten Lächeln Frankreichs» angekündigt. Le Pen und Petry: FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky nennt sie «unsere beiden Powerfrauen». Jeden, der sich mit beiden anlegen will, warnt er in bester Macho-Rhetorik, dass «mit uns nicht gut Kirschen essen ist».

Keine Stammtisch-Parolen

Petry, die dieses Jahr ihr fünftes Kind erwartet, ist die letzte Rednerin, die vor der Mittagspause die Bühne betritt. Sie zitiert Friedrich Nietzsche, verzichtet auf Stammtisch-Parolen und gibt sich betont seriös.

Die Botschaft, die sie mitgebracht hat, ist dennoch brisant. Petry, die in der DDR geboren ist, zeichnet das Bild eines Staates, der hinter seiner liberalen Fassade versucht, die Bürger mit hinterhältigen Strategien aus der Verhaltensforschung umzuerziehen.

Petrys Ehemann, der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell, ist der erste Redner bei dieser Veranstaltung. Er bezeichnet Israel als Vorbild für Europa, «in der Form, wie man mit dem Islam umgeht». Warum er das tut? Vor Beginn des ENF-Kongresses hatten Holocaust-Überlebende mit Blick auf die von ihm organisierte Veranstaltung vor einer Rückkehr des Faschismus gewarnt. (sda/dpa)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • seventhinkingsteps 22.01.2017 02:54
    Highlight Ist die AfD nicht viel zu wirtschaftsliberal für eine Front National? Die FN will doch Banken verstaatlichen und Strafzölle einführen. Die AfD will, dass Firmen keine Sozialleistungen mehr bezahlen müssen.
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  • Don Alejandro 21.01.2017 22:28
    Highlight Hatten wir vor 80 Jahren alles schon einmal.
    36 35 Melden
  • Fischra 21.01.2017 22:08
    Highlight Egal welcher dieser rechtgerichteten nationalkonservativen auch immer Predigt wie wichtig die eigene Insel ist und wie stark man diese gegen irgendwelche Eliten verteidigen muss, sie wiedersprechen sich ja immer selbst indem sie selbst die Elite einer gewissen Gruppe darstellen und die grosse Frage ist auch, warum treffen sich die Nationenübergreiffend. Wollen sie jetzt ihre Nation oder plant man schon das braune Grossreich?
    30 35 Melden
  • Hans Jürg 21.01.2017 20:43
    Highlight Haben Wilders und LePen den selben Coiffeur?
    Man sollte meinen, mit den grosszügigen Spenden Russlands sollten die sich einen Profi leisten können...
    29 46 Melden
  • Maria B. 21.01.2017 20:02
    Highlight Was man auch immer für diese politischen Ideen empfinden mag, liegen sie durchaus im Rahmen gängiger Demokratie. Sollen die jeweilen Wahlen entscheiden, in welche Richtungen die Mehrheit dieser Völker gehen will.

    Was mir aber etwas negativ einfährt, sind die (bewussten?) Überzeichnungen oder Untertreibungen in der Berichterstattung. Aus dem Artikel geht z.B. hervor, dass "manche Journalisten ausgeschlossenen waren" und dass 5000 Gegendemonstranten vor Ort waren, während sowohl die TV-news des ZDF wie auch vom SF von 300 Journalisten und "einigen hundert Demonstranten" berichteten.

    Naja ;-)
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    • bimchen 22.01.2017 05:17
      Highlight hey maria schaetzle, einen plan hast du wohl nicht wirklich oder;)?! sorry aber dieses treffen der braunen vollspassties zeigt doch wohl sehr wie schlecht es um die EU und ihre werte steht. und hallo! die politische ideen wie du sie nennst sind alle rechtspopulistisch und naiv und leider auch sehr gefaehrlich fuer eine zukunft der EU, welches auch auswirkungen fuer die schweiz haben wird.
      11 20 Melden
    • Maria B. 22.01.2017 11:02
      Highlight Auf sexistische Sprüche pflege ich im Allgemeinen nicht zu antworten, aber wenn sie ausgerechnet aus einer Ecke kommen, die einerseits den Populismus kritisiert, andererseits eine zunehmend überhand nehmende Abneigung mancher europäischer Bevölkerungskreise gegen die zentralistische und vom Zerfall bedrohte EU bestätigt, dann muss sich das Schätzle wohl zumindest dazu aufraffen, diese Tendenz zu bestätigen :-)!

      Ob gefährlich oder nicht: es wird sich so oder so in den kommenden Jahren in Europa gar manches politisch verschieben und wie gefährlich das wird, wird sich weisen.

      Ich mags erwarten!
      15 7 Melden
  • Felix Walter S. 21.01.2017 19:40
    Highlight Nanu, internationales Nationalistentreffen? Ziemlich widersprüchlich!
    52 39 Melden
  • Der Beukelark 21.01.2017 17:53
    Highlight Ok, und was wurde an dem Kongress jetzt gesagt und besprochen? Die Informationen aus dem Artikel sind ziemlicher Nonsens. Frau Petri erwartet ihr fünftes Kind und Le Pen wurde als Frau mit dem schönsten Lächeln angekündigt. Schön und gut. Aber was haben sie vorgetragen? Auch wenn es braune Sauce sein mag, so würde mich der Inhalt doch mehr interessieren.
    63 35 Melden
  • Darkside 21.01.2017 17:19
    Highlight Erbärmliche Gestalten.
    66 81 Melden
    • Lumpirr01 21.01.2017 20:19
      Highlight Posting mit erbärmlichem Informationsinhalt
      65 38 Melden
    • Darkside 21.01.2017 22:42
      Highlight Die Information steht im Artikel. Das hier ist eine Meinungsäusserung...
      23 17 Melden
  • Moelal 21.01.2017 16:37
    Highlight Die Kotzköpfe haben sich getroffen. Please Europe stay great. Und lass Dich nicht mit den Braunen ein
    99 94 Melden
  • tinu32 21.01.2017 16:16
    Highlight Immerhin kennen wir jetzt Frau Le Pens Fingerabdrücke...✌
    http://wat.is/kfEyLBAA6Qh:0dRC
    30 46 Melden

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