«Sexistisch und fettphob»: Französisches Bahnunternehmen bringt «Eleganz-Leitfaden» heraus
Das Bahnunternehmen SNCF betreibt beinahe den kompletten Schienenverkehr in Frankreich und Monaco. Dazu gehört auch der Hochgeschwindigkeitszug TGV. Damit ihre Mitarbeitenden die «Élégance à la Française», die französische Eleganz, vorleben, brachte die Gesellschaft ein Bekleidungs-Etikett heraus – und setzte sich damit heftig in die Nesseln.
In der 40-seitigen Broschüre waren etwa Tipps zum Verschlanken der Silhouette zu lesen. Wie der Sender BFMTV berichtet, sollte eine Frau mit einer dreieckigen Körperform enge Röcke und voluminöse Taschen an den Hüften vermeiden. Stattdessen sollte sie ein helles oder farbiges Oberteil, eine strukturierte Jacke, Schulterpolster oder einen breiten Kragen tragen.
Ein Mann mit H-förmiger Figur sollte «zu gerade oder zu sackartig geschnittene Sakkos sowie weite Hemden» vermeiden und stattdessen «ein tailliertes, aber nicht enges Hemd mit einem strukturierten Kragen» wählen.
Ebenfalls gab es in der Broschüre für Frauen Schminktipps und für Männer Angaben, wie sie ihren Bart zu tragen hätten. So steht zum Beispiel: «Vermeiden Sie sehr intensiven schwarzen Lidschatten, der den Blick hart wirken lässt.»
Laut dem Spiegel gibt es im Arbeitsvertrag des SNCF zwar für einige Mitarbeitende eine Vorschrift zum Tragen einer Uniform, aber nicht für das Anpassen ihres Aussehens.
«Eine Schande»
Die Reaktionen auf den Leitfaden kamen prompt und waren alles andere als positiv. Die Gewerkschaft Sud-Rail bezeichnete den Ratgeber als «eine Schande» und forderte die «sofortige Rücknahme» der Broschüre. So sei das Einteilen von Menschen in verschiedene Körpertypen, die «korrigiert» werden müssten, «sexistisch und fettphob». Also diskriminierend gegenüber übergewichtigen Personen. Schminktipps seien zudem etwas, was man aus den Sechzigerjahren kennen würde und nichts mehr in der heutigen Zeit zu suchen hätte.
🛑 A quelques jours du #8mars, la direction #SNCF diffuse un guide formulant, entre autres, des injonctions directes à l’égard des femmes.
— SUD-Rail Fédération ⏚ (@Fede_SUD_Rail) March 11, 2026
🛑 SUDRail exige le retrait immédiat de ce guide Élégance #TGV Le corps des travailleurs•ses n’est pas à la disposition de l’entreprise. pic.twitter.com/2zYqGTGc4v
Auf die Anklage von Sud-Rail reagierte der SNCF-Fernverkehrschef Alain Krakovitch prompt. Der 56-Jährige liess den Leitfaden sofort zurückziehen und schrieb auf X: «Der Leitfaden war völlig überflüssig. Er entspricht weder unseren Werten noch unseren Methoden gegenüber unseren Mitarbeitern.»
Le « guide élégance TGV INOUI » n’avait aucune raison d’être. J’ai immédiatement demandé sa dépublication !
— Alain Krakovitch (@alainkrakovitch) March 11, 2026
Ce ne sont ni nos valeurs ni nos méthodes vis à vis de nos agents. L’enquête interne doit permettre que ça ne puisse pas se reproduire.
Eine interne Untersuchung solle nun sicherstellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole. So soll die Broschüre ohne Genehmigung verbreitet worden sein. (sav)
