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Interne Mails zeigen: Deutsche Polizei spielte Anschlagsrisiko durch Amri herunter



Zehn Monate vor dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag hat das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) Hinweise auf die Gefährlichkeit des späteren Attentäters Anis Amri heruntergespielt.

Das geht aus einem internen E-Mail-Wechsel zwischen BKA-Beamten aus dem Februar 2016 hervor, den die Nachrichtenagentur DPA einsehen konnte. «Es ist wirklich insgesamt eine Frechheit und hochgradig unprofessionell wie NRW hier agiert», schrieb ein BKA-Beamter am 24. Februar 2016 an vier Kollegen.

Der Grund für seine Verärgerung: Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) des westdeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen hatten Amri als «Gefährder» eingestuft und drangen auf eine intensive Überwachung des tunesischen Islamisten.

Der Verfasser der E-Mail sollte noch im Laufe des Donnerstags im Untersuchungsausschuss des deutschen Parlaments zu dem Anschlag als Zeuge befragt werden.

Nach Angaben eines Ermittlers aus Nordrhein-Westfalen hatte er während einer Besprechung beim Generalbundesanwalt am 23. Februar 2016 die Glaubwürdigkeit eines LKA-V-Mannes aus der Islamistenszene in Zweifel gezogen. Dieser Informant hatte zahlreiche Hinweise zu Amri und zu anderen radikalen Islamisten, die heute vor Gericht stehen, geliefert.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagenfahrer erschossen und war mit dessen Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gerast. Insgesamt tötete er zwölf Menschen.

Der Ermittler aus NRW hatte im November erklärt, der BKA-Beamte habe ihm damals am Rande der Besprechung in einem Vier-Augen-Gespräch gesagt, ein Vorgesetzter und das Innenministerium wollten, dass der V-Mann «aus dem Spiel genommen» wird. Diese Darstellung hat das Innenministerium bestritten.

Aus dem E-Mail-Verkehr der BKA-Beamten geht ausserdem hervor, dass sie mit der Arbeitsweise des Landeskriminalamts in Berlin, wo sich Amri zuletzt hauptsächlich aufhielt, nicht einverstanden war. Diese hätten sich in Bezug auf die Observation des tunesischen Islamisten «nicht gerade mit Ruhm bekleckert». (aeg/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Basti Spiesser 12.12.2019 20:20
    Highlight Highlight Ups... werden hier wiedermal Verschwörungstheorien bestätigt.
  • beaetel 12.12.2019 18:30
    Highlight Highlight Es nützt die beste Überwachung nichts, wenn sie nicht erst genommen wird. Aber so ist halt der Mensch. Lässt sich nicht gerne etwas sagen, belehren schon gar nicht und zuhören ist ja sowieso obermühsam ...
  • Kanischti 12.12.2019 17:26
    Highlight Highlight Amri ist beileibe nicht der einzige überführte Terrorist, der zuvor als "Gefährder" auf dem Radar der Behörden war. Nach einem Anschlag reiben wir uns verwundert die Augen und fragen uns, wie solche Dinge dennoch passieren können.
    Offensichtlich nimmt die Politik und die Justiz dieses Risiko, dass bekannte Gefährder zu Tätern werden können, bewusst in Kauf. Anders ist diese Tatenlosigkeit nicht zu erklären.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 12.12.2019 18:02
      Highlight Highlight der justiz und den behörden sind zum teil die hände gebunden, durch gesetze.

      (welche notabane durch die gleichen menschen, welche sich hier rumjammern).
    • MGPC 12.12.2019 18:53
      Highlight Highlight Meine Rede. Alle schreien dann nach mehr Überwachung und sind dann böse wenn es sie selbst trifft. Alles gewollt.
    • Saraina 12.12.2019 22:29
      Highlight Highlight Politische Absicht gewisser Kreise.
  • smoking gun 12.12.2019 16:24
    Highlight Highlight Mir tun die Angehörigen der Opfer leid - die müssen sich echt verarscht vorkommen. Aber an dieser Geschichte erstaunt mich nichts mehr. Da liegt noch einiges im Dunkeln. Hier einige Artikel von Thomas Moser, der sich immer wieder mit dem Thema beschäftigt:

    https://www.heise.de/tp/thema/Anis-Amri#liste
  • Kiro Striked 12.12.2019 15:32
    Highlight Highlight Und nochmehr Öl für das AfD Fürli.

    13 Menschen würden evtl. Noch leben, wenn man die Einstufung von Amri ernst genommen hätte.

    Irgendwie traurig. Radikalismus ist so endlos gefährlich. Aber es sind gerade solche Meldungen, die dem Radikalismus noch mehr Benzin zum Brennen geben. Einer Anderen Form des Radikalismus halt leider. Aber wer kann es den Menschen verübeln, Hier ist halt so viel unentschuldbar falsch gelaufen.
    • lucasm 12.12.2019 15:46
      Highlight Highlight Die Tatsache, dass man sich radikalisierende und gewalttätige Scheinflüchtlinge nicht konsequent wieder ausweist, ist Öl für das Fürli der AFD. Zwar unschön, aber irgendwie auch nachvollziehbar, dass gewisse Leute aufgrund der schlampigen Untätigkeit der Behörden danach AFD wählen.
    • Hausmeister krause 12.12.2019 16:47
      Highlight Highlight Da gibt es noch viel mehr Gründe weshalb die afd auch in zukunft immer mehr stimmen holt. Der "Einzelfall" kann nicht über jahre hinweg funktionieren. In kombination mit der nazikeule empfinde ich das als äusserst gefährlich.
    • Kanischti 12.12.2019 18:36
      Highlight Highlight Ich denke nicht, dass die (zunehmende) Anzahl der AfD Unterstützer ganz hinter deren Parteiprogramm stehen können. Aber offenbar scheint es in DE keine andere Partei zu geben, die sich mit genau solchen Problemen zu beschäftigen wollen/können. Aus Angst, genau wie die AfD behandelt und in die Nazi Ecke gedrängt zu werden?
      Aber solange die sichtbaren Probleme Deutschlands, welche ihnen durch die Einwanderung entstanden sind, nur von der AfD behandelt werden, werden diese weiter zulegen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schlingel 12.12.2019 14:44
    Highlight Highlight Alles leere Anschuldigungen des BKA Beamten gegenüber dem LKA NRW. Warum war der BKA Beamte denn verärgert? Die Erklärung ist leider nicht aufschlussreich. Dieser BKA Beamte müsste für seine fatalen Fehler zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Heini Hemmi 12.12.2019 14:03
    Highlight Highlight Sieht nach einer üblichen Dünkel-Geschichte aus: BKA-Leute liefern miese Arbeit ab, weil es ja schon reicht, dass man sich als besser empfindet.

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