DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Interne Mails zeigen: Deutsche Polizei spielte Anschlagsrisiko durch Amri herunter

12.12.2019, 13:4712.12.2019, 17:36
1 / 32
Berlin trauert
quelle: x02197 / hannibal hanschke
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Zehn Monate vor dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag hat das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) Hinweise auf die Gefährlichkeit des späteren Attentäters Anis Amri heruntergespielt.

Das geht aus einem internen E-Mail-Wechsel zwischen BKA-Beamten aus dem Februar 2016 hervor, den die Nachrichtenagentur DPA einsehen konnte. «Es ist wirklich insgesamt eine Frechheit und hochgradig unprofessionell wie NRW hier agiert», schrieb ein BKA-Beamter am 24. Februar 2016 an vier Kollegen.

Der Grund für seine Verärgerung: Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) des westdeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen hatten Amri als «Gefährder» eingestuft und drangen auf eine intensive Überwachung des tunesischen Islamisten.

Der Verfasser der E-Mail sollte noch im Laufe des Donnerstags im Untersuchungsausschuss des deutschen Parlaments zu dem Anschlag als Zeuge befragt werden.

Nach Angaben eines Ermittlers aus Nordrhein-Westfalen hatte er während einer Besprechung beim Generalbundesanwalt am 23. Februar 2016 die Glaubwürdigkeit eines LKA-V-Mannes aus der Islamistenszene in Zweifel gezogen. Dieser Informant hatte zahlreiche Hinweise zu Amri und zu anderen radikalen Islamisten, die heute vor Gericht stehen, geliefert.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagenfahrer erschossen und war mit dessen Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gerast. Insgesamt tötete er zwölf Menschen.

Der Ermittler aus NRW hatte im November erklärt, der BKA-Beamte habe ihm damals am Rande der Besprechung in einem Vier-Augen-Gespräch gesagt, ein Vorgesetzter und das Innenministerium wollten, dass der V-Mann «aus dem Spiel genommen» wird. Diese Darstellung hat das Innenministerium bestritten.

Aus dem E-Mail-Verkehr der BKA-Beamten geht ausserdem hervor, dass sie mit der Arbeitsweise des Landeskriminalamts in Berlin, wo sich Amri zuletzt hauptsächlich aufhielt, nicht einverstanden war. Diese hätten sich in Bezug auf die Observation des tunesischen Islamisten «nicht gerade mit Ruhm bekleckert». (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die Tricks der Terroristen

1 / 11
Die Tricks der Terroristen
quelle: ap / repro:ronald zak
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Trauer in Berlin: Ein Jahr nach dem Terroranschlag

Video: srf

Abonniere unseren Newsletter

11 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11
Donauhafen in der Ukraine: Plötzlich letzte Hoffnung
Der Donauhafen von Reni war bedeutungslos geworden. Doch als Russland das Schwarze Meer blockierte, wurde der Ort strategisch wichtig.

Der Sand, der am Nachmittag in Reni noch von schweren Reifen aufgewirbelt worden war, hat sich am Abend vom Regen zu Boden ringen lassen und klebt jetzt als Matsch unter den Gummischlappen der Trucker. Den Männern scheint das egal zu sein, der Schauer hat immerhin die Luft etwas abgekühlt. Die Lastwagenfahrer sitzen jetzt nacktbäuchig und gelangweilt mit Gewürzgurken und Wodka vor ihren Kühlergrills. «Wir retten hier die Wirtschaft unseres Landes», sagt einer von ihnen.

Zur Story