DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wutbürger in der Verkehrs-Kontrolle: Die Bundesrepublik? Existiert nicht!

03.12.2015, 14:2903.12.2015, 14:30

Eigentlich sollte man meinen, dass es Deutschland gut geht: Die Arbeitslosigkeit ist so tief wie seit 1991 nicht mehr und die Steuer-Einnahmen sprudeln. Doch eine aktuelle Pressemitteilung der Polizei Mainz hinterlässt den Eindruck, dass es unter unseren Nachbarn den einen oder anderen Wutbürger gibt, der mit der Lage der Bundesrepublik so gar nicht zufrieden ist – falls diese denn existiert.

Das schreibt die Polizei in Rheinland-Pfalz im Wortlaut:

Ein auf dem Kopf angebrachtes Nummernschild war gestern der Beginn einer nervenaufreibenden Kontrolle auf der A63 bei Göllheim. Auf Anhaltezeichen reagierte der 54-jährige Pkw-Fahrer nur mit Kopfschütteln. Erst als er zu merken schien, dass es den Beamten aus Gau-Bickelheim mit der Aufforderung stehen zu bleiben sehr Ernst war, folgte er auf den nächsten Parkplatz. Dort wollte er jedoch weder Ausweisdokumente noch Fahrzeugpapiere vorzeigen.

Deutsche Polizisten bei einer Kontrolle (Symbolbild).<br data-editable="remove">
Deutsche Polizisten bei einer Kontrolle (Symbolbild).
Bild: AP

Daraus entwickelte sich eine sehr lange Diskussion, weil der Mann aus Bad Homburg der festen Überzeugung war, dass die Bundesrepublik nicht existent sei und er sich als Reichsbürger verstehe. Folglich müsse er auch nicht die Autorität deutscher Beamte anerkennen. Das Kennzeichen habe er deshalb auf dem Kopf montiert, weil hier alles durch die Alliierten auf den Kopf gestellt worden sei.

Da der 54-Jährige argumentativ nicht zu überzeugen war und sich nur mit einem «deutschen Staatsangehörigen-Ausweis» einer Phantasie-Behörde legitimieren wollte, wurde ihm die Weiterfahrt untersagt. Zähneknirschend rückte er daraufhin seinen Führerschein heraus und montierte die Nummernschilder richtig herum.

Gut, einen renitenten Lenker kann es schon mal geben, aber es sollte nicht die einzige Begegnung der dritten Art für die Polizisten bleiben.

    Deutschland
    AbonnierenAbonnieren

Nur wenige Minuten später wurde die Geduld der Beamten erneut auf die Probe gestellt. Dieses Mal von einem 39-Jährigen aus Pfalzfeld, der auf der A61 bei Bad Kreuznach in eine Verkehrskontrolle geriet. Er gab an, dass er seine Ausweisdokumente und den Führerschein grundsätzlich nicht mitführe. Ausserdem werde die Bedeutung des Personalausweises total überbewertet, denn wie das Wort «Personal» schon klarstelle, sei es nichts weiter als ein Firmenausweis der «Deutschland-GmbH».

Personalausweis? Ich bin doch nicht euer Angestellter! (Symbolbild)<br data-editable="remove">
Personalausweis? Ich bin doch nicht euer Angestellter! (Symbolbild)
Bild: AP

Angaben zu seiner Person verweigerte der Mann, weil er bezweifelte, dass er es mit echten Polizisten zu tun habe, denn Uniformen, Waffen und Streifenwagen könne schliesslich jeder einfach bei einer bekannten Auktionsplattform ersteigern. Über das Kennzeichen des Firmenfahrzeuges ermittelten die Beamten aus Gau-Bickelheim den Arbeitgeber des 39-Jährigen, der dann resignierend die Personalien bekannt gab. Es war nicht das erste Mal – so der Chef – dass er das für seinen Mitarbeiter tun musste.

Die Quittung für die Wutbürger: eine Anzeige wegen Personalien-Verweigerung. Ausserdem wurden die Führerschein-Stellen gebeten, zu eruieren, ob die beiden Herren noch geeignet sind, am Strassenverkehr teilzunehmen.

Das wird bestimmt eine total lockere Überprüfung!

(phi, via BlogRebellen)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Dennis in Deutschland

Tag Zwei: Zu Besuch im Katastrophengebiet Schuld

Deutschland wählt. Doch welche Herausforderungen stehen dem Land bevor? Eine Spurensuche auf dem Weg nach Berlin.

watson-Reporter Dennis Frasch macht sich auf den Weg nach Berlin und berichtet über die Themen, die Deutschland bewegen – aus den Orten, in denen sie sichtbar werden.

Ich bin in Schuld, einem 660-Seelen-Dörfchen, umringt von der Ahr. Zwei Monate nach der Flutkatastrophe in der Region ist das Hochwasser zwar weg, viele Häuser aber auch. Es wird Jahre gehen, bis hier so etwas wie Normalität zurückkehrt.

Übernachten muss ich zwei Dörfchen weiter, in Dümpelfeld. Das Gasthaus hat erst letzten …

Artikel lesen
Link zum Artikel