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Mit Lampen und Äxten: Video zeigt Kunstdiebe beim Jahrhundert-Einbruch in Dresden



Nach dem Jahrhunderteinbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden sucht die Polizei nach den Tätern. Am Montagabend hat sie dazu die Bilder einer Überwachungskamera veröffentlicht. Auf dem Video zu sehen sind zwei Personen, die mit Taschenlampen in das Juwelenzimmer eindringen. Einer der Männer geht auf eine Vitrine zu und schlägt mit einer Axt auf das Sicherheitsglas ein. Die Aufnahme endet, ehe die Täter an die Juwelen gelangen.

Mit dem Grünen Gewölbe in Dresden ist eines der bekanntesten Museen Deutschlands zur Zielscheibe von Einbrechern geworden. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Vermutlich zwei Täter stiegen über ein Fenster in das Residenzschloss mitten in der Dresdner Altstadt ein. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei könnten weitere Täter beteiligt gewesen sein. Eine zehnköpfige Sonderkommission namens «Epaulette» fahndet derzeit mit Hochdruck nach den Tätern.

Die Überwachungskamera im Juwelenzimmer habe zwei Einbrecher gezeigt, sagte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange. Die Täter hätten zuvor ein Gitter durchtrennt und das Fenster eingeschlagen. Anschliessend seien sie zielsicher auf eine Vitrine zugegangen und hätten diese mit einer Axt zertrümmert.

Den Angaben zufolge flüchteten die Täter mit einem Audi A6 vom Tatort. Wenig später wurde ein baugleiches Fahrzeug in einer Tiefgarage im Dresdner Stadtgebiet in Brand gesetzt. Die Ermittler untersuchen derzeit das Fahrzeug und sichern Spuren. Die Autobahn Richtung Polen und Richtung Berlin liegt nur wenige Minuten entfernt. Die Bundespolizei wurde eingeschaltet. Das Sicherheitskonzept des Museums soll zudem überprüft werden.

«Kulturelles Welterbe»

Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, verortet den Wert der geraubten Kunstschätze weit über die Grenzen Sachsens hinaus und spricht von einer Art «kulturellem Welterbe». Es gebe nirgendwo in einer Sammlung in Europa eine Juwelengarnitur, die in dieser Form, dieser Qualität und dieser Quantität erhalten blieb.

In vier Vitrinen waren insgesamt zehn Garnituren ausgestellt, eine Vitrine mit drei Garnituren wurden ausgeraubt. Das Diebesgut sind nach bisherigen Erkenntnissen Diamanten und Brillanten aus dem 18. Jahrhundert. Ihr Wert lässt sich finanziell gar nicht beziffern, hiess es weiter. Betroffen sind möglicherweise Objekte aus den Juwelengarnituren Friedrich August I. (der Starke). Die Ensembles aus Knöpfen, Schnallen, Hutzier, Orden, Achselschleifen oder Stockknöpfen sind mit Brillanten, Diamanten, Rubinen, Smaragden oder Saphiren besetzt.

Der Einbruch wurde am frühen Montagmorgen gemeldet. Um 04.59 Uhr hätten sie vom Sicherheitsdienst die Information bekommen, dass es einen Einbruch gebe, sagte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa. Kurz darauf wurde der erste Streifenwagen alarmiert, wenig später waren demnach alle 16 im Stadtgebiet verfügbaren Einsatzwagen mit der Fahndung beauftragt.

Geprüft wird zudem ein möglicher Zusammenhang mit dem Brand eines Stromverteilers im Bereich der Augustusbrücke am frühen Montagmorgen. Dieser hatte für einen Stromausfall und völlige Dunkelheit gesorgt. Unter anderem seien die Strassenlampen im Bereich des Residenzschlosses ausgefallen.

Voraussichtlich am Mittwoch wieder geöffnet

Nach dem Einbruch kann das Residenzschloss eventuell am Mittwoch wieder geöffnet werden. Nach dem Einbruch blieb das Residenzschloss am Montag für Besucher geschlossen. Ein Schild am Eingang in deutscher und englischer Sprache wies darauf hin, dass das Museum aus «organisatorischen Gründen» geschlossen bleibe.

Sachsens Regierungschef zeigte sich entsetzt: «Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!», sagte Michael Kretschmer (CDU). «Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den ‎Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden», betonte Kretschmer. «Man kann die ‎Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen ohne das Grüne Gewölbe und ‎die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.»

Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) liess die Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen. Heute wird sie in zwei Abteilungen präsentiert. Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt - der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung «Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe». (sar/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Andre Buchheim 25.11.2019 21:20
    Highlight Highlight So wirklich verstehen kann ichs nicht. Das Grüne Gewölbe ist voll mit Kunst und historischen Schätzen, was ist da mit einer funktionierenden Alarmanlage? Zumal, wenn ich mich recht entsinne ist die vollständige Gebäudesanierung noch gar nicht so lange her?
    Als Historiker blutet mir das Herz...

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