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Deutscher Pfleger wegen weiterer 85 Patientenmorde verurteilt



epa07130569 Former male nurse Niels Hoegel (L) and his lawyer Ulrike Baumann (R) at the Higher Regional Court of Oldenburg, northern Germany, 30 October 2018. Hoegel is accused of having murdered about 100 patients of hospitals in Delmenhorst and Oldenburg between 1999 and 2005. He is already convicted in six cases. The trial takes place at the Weser-Ems-Halle event center as there are more than 120 joint plaintiffs.  EPA/FOCKE STRANGMANN

Bild: EPA/EPA POOL

Das Landgericht im deutschen Oldenburg hat den Serienmörder und Ex-Krankenpfleger Niels Högel wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Zugleich stellte die Kammer am Donnerstag die besondere Schwere der Schuld fest.

Das schliesst eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie aus. «Herr Högel, das Verfahren und die Taten sprengen jegliche Grenzen und überschreiten jeglichen Rahmen», sagte Richter Sebastian Bührmann zu dem Angeklagten.

Högel war wegen 100 Morden angeklagt. In 15 Fällen sprach ihn das Gericht somit frei. Högel selbst hatte 43 Taten gestanden. Die Mordserie dürfte die grösste der Nachkriegsgeschichte in Deutschland sein.

Mit dem Urteil ging nach rund sieben Monaten ein Prozess zu Ende, der im In- und Ausland viel Beachtung fand. «Ihre Schuld ist unfassbar», sagte Bührmann. Die Hände würden einfach nicht zusammenkommen, so gross sei die Schuld.

Buchhalter des Todes

Zur Veranschaulichung verwies Bührmann auf das Rechtssystem in den USA, wo anders als in Deutschland Einzelstrafen addiert würden. Bei 85 Morden und 15 Jahren wären dies 1275 Jahre, rechnete Bührmann. «Das gibt eine Ahnung von dem, was ich unfassbar nenne.» Högel habe Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr getötet. Jeder einzelne Fall wurde vor Gericht behandelt.

«Ich kam mir vor wie ein Buchhalter des Todes», sagte Bührmann. «Tatsache ist: Manchmal reicht die schlimmste Fantasie nicht aus, um die Wahrheit zu beschreiben.» Der menschliche Verstand müsse da kapitulieren. Es sei nicht gelungen, alle Antworten zu finden.

«Einen Teil des Nebels, der über diesem Verfahren liegt, können wir nicht lichten. Das erfüllt uns selber auch mit einer gewissen Trauer.» Das Urteil sieht auch ein lebenslanges Berufsverbot vor.

Lob gesucht

Högel, der unter anderem wegen zweifachen Mordes an Patienten schon 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, hatte seine Opfer zwischen 2000 und 2005 mit Medikamenten zu Tode gespritzt.

Dabei brachte er in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst in Niedersachsen Patienten mit verschiedenen Substanzen in lebensbedrohliche Lagen, um bei der notwendigen Reanimierung Lob von seinen Kollegen zu bekommen. Viele Patienten überlebten das nicht.

Ein Gutachter hatte dem Ex-Pfleger Schuldfähigkeit attestiert, zugleich aber auffällige Persönlichkeitsstörungen festgestellt. Högel zeige Anzeichen von Störungen, diese seien aber nicht so ausgeprägt wie bei psychisch Kranken. Högel fehle es an Scham, Schuld, Reue und Empathie, hatte der psychiatrische Gutachter Henning Sass Ende April gesagt.

Am Mittwoch hatte sich Högel in seinem letzten Wort bei den Angehörigen seiner Opfer entschuldigt. Er sprach von Reue und Scham. Es sei ihm während des Prozesses klar geworden, wie viel unendliches Leid er durch seine «schrecklichen Taten» verursacht habe.

Die Verteidigung hatte in 55 Fällen auf Mord plädiert, in 14 auf versuchten Mord und in 31 Fällen auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft sah dagegen 97 Morde als erwiesen an. Nur in drei Fällen fehle es an hinreichenden Beweisen. (sda/afp)

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1Kommentar anzeigen

Ein Einzeltäter? Nein, der Mörder von Halle ist nicht allein

Es heisst, der Täter von Halle sei Einzeltäter. Das darf nicht verschleiern, dass er Narrative benutzte, die auch von Rechtspopulisten in Talkshows vorgetragen werden.

Es gehört zur Boshaftigkeit des Terrorismus, dass nicht alle Aufmerksamkeit seinen Opfern gewidmet sein kann. Dass es nicht nur um die geht, die gestorben sind, weil sie im falschen Moment erbärmlichen Menschen voller Hass begegneten. Oder um die Überlebenden, deren psychische Wunden vielleicht nie vernarben werden. Sondern, dass sich ein Teil des öffentlichen Interesses auch auf die Täter richtet, jemanden also wie Stephan B., der vermutlich genau das bezweckte, als er gestern in Halle …

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