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USA wollen Grönland – Miller: «Niemand wird uns herausfordern»

Video: watson/lucas zollinger

Die USA wollen sich Grönland holen – Miller: «Niemand wird uns herausfordern»

In einem bemerkenswerten Interview spricht Trump-Berater Miller einem europäischen Verbündeten das Territorium ab. Er lässt keinen Zweifel daran, dass sich die USA Grönland holen wollen.
06.01.2026, 06:2806.01.2026, 10:51
Ein Artikel von
t-online

Stephen Miller, Vize-Stabschef im Weissen Haus, ist bekannt für seine scharfe Rhetorik. Er gilt als einer der Chefideologen und Scharfmacher in der Trump-Regierung. Der britische «Guardian» nannte ihn mit Blick auf seine Rhetorik mal einen «Brandstifter aus Überzeugung». Nun legte Miller im Streit um die Arktisinsel Grönland nach.

Video: watson/lucas zollinger

Die autonom regierte, aber zu Dänemark gehörende Insel solle Teil der Vereinigten Staaten von Amerika werden, sagte Miller am Montag im US-Fernsehsender CNN. Die USA sind die bestimmende Macht in der NATO«, fuhr er fort, «es ist doch wohl klar, dass Grönland also Teil der Vereinigten Staaten sein sollte». CNN-Moderator Jake Tapper schaute etwas zerknirscht, als Miller sprach. Der Nachrichten-Veteran konnte wohl kaum glauben, was der Trump-Mann da gerade sagte. Aber er hatte es gesagt. Ebenso wie Donald Trump es bereits mehrfach in den vergangenen Monaten gesagt hatte: Die USA wollen Grönland haben. Unbedingt.

Tapper wiederholte die Frage, die er Miller zu Anfang des Interviews schon einmal gestellt hatte: «Können Sie also ausschliessen, dass die USA sich Grönland mit Gewalt nehmen wird?». Miller lachte. Er wolle Tapper nicht die Schlagzeile geben, auf die der Journalist es offenbar abgesehen habe, sagte der MAGA-Ideologe. Nur so viel könne er sagen:

«Die Vereinigten Staaten sollten Grönland bekommen. Und es ist ja völlig ausgeschlossen, dass man das im Kontext militärischer Gewalt diskutiert, wie sie es hier unterstellen».

Dann folgte der entscheidende Nachsatz:

«Niemand wird die USA militärisch herausfordern, wenn es um die Zukunft Grönlands geht.»

Mit anderen Worten: Die Grossmacht USA ist nach Millers Verständnis unantastbar. Was zunächst wie ein Dementi geklungen hatte, wurde nun zu einer handfesten Drohung.

Grönland: Annexion per Dekret?

Den europäischen Verbündeten der USA dürfte das Miller-Interview tiefe Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Denn dessen Grönland-Ansage bedeutet praktisch nichts anderes als eine mögliche Annexion der Insel per Dekret aus dem Weissen Haus. Den Präzedenzfall dafür hatte die Trump-Regierung erst vor wenigen Tagen geschaffen: Mit dem handstreichartigen Sturz des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro demonstrierte die US-Regierung, dass sie jederzeit in der Lage ist, ein Regime zu stürzen und einen Staat unter seine Kontrolle zu bringen.

White House deputy chief of staff Stephen Miller speaks during a roundtable on criminal cartels with President Donald Trump in the State Dining Room of the White House, Thursday, Oct. 23, 2025, in Was ...
Stephen Miller droht Dänemark und Grönland offen.Bild: keystone

Dabei macht es für die MAGA-Republikaner offenbar keinen Unterschied, ob es sich um ein linksautoritäres Regime in Südamerika handelt oder um ein demokratisch regiertes Land wie Grönland. Schon kurz nach der militärischen Intervention in Venezuela, die mit der Gefangennahme und Entführung Maduros endete, hatte Millers Frau für einige Empörung gesorgt, als sie bei X eine Landkarte Grönlands in den Farben der amerikanischen Flagge postete. Dazu schrieb sie das Wort «Soon» (zu Deutsch: Bald).

In Dänemark und dem Rest Europas war das bereits als eine Drohung verstanden worden, dass die USA als Nächstes wohl auch das dänische Territorium übernehmen könnten. Grönland wird zwar seit 1979 formal selbstständig regiert, gehört aber offiziell zur Reichsgemeinschaft Dänemark. Wirtschaftlich und aussenpolitisch ist Grönland trotz der politischen Selbstverwaltung von Dänemark nach wie vor stark abhängig. Bestrebungen, Teil der USA zu werden, gibt es in Grönland nicht. Im Gegenteil.

Dänemark zu Trump: «Absolut absurd»

«Das reicht jetzt», erklärte der grönländische Regierungschef Jens Frederik Nielsen in der Nacht zum Montag. Er verwahrte sich gegenüber den aggressiven Signalen, die bereits am Sonntag aus Washington, D.C. gekommen waren. «Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein», hatte Präsident Donald Trump an Bord der Air Force One Reportern gesagt. In einem Telefoninterview mit dem US-Magazin «The Atlantic» legte er später nach: «Wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung.»

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen wurde ebenfalls deutlich. Sie warnte, mit einem Angriff auf einen NATO-Partner würden die USA das Ende des Militärbündnisses besiegeln. Sie rief die USA auf, ihre «Drohungen gegen einen historischen Verbündeten» einzustellen. Es sei «absolut absurd zu sagen, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über Grönland übernehmen sollten».

Wie gross die Sorgen in Dänemark tatsächlich sind, zeigte ein weiteres Interview, das Frederiksen am Montag dem dänischen Sender TV2 gab. Darin warnte sie erneut vor den Folgen eines möglichen US-Angriffs auf Grönland. Sollte sich die Trump-Administration zu einer solchen Attacke entscheiden, «dann ist alles vorbei». Dies betreffe die Nato und damit auch die Sicherheitsarchitektur nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Regierung tue «alles, was möglich ist, damit dies nicht geschieht», so Frederiksen.

Miller: «Welches Recht hat Dänemark eigentlich?»

Auch aus anderen EU-Staaten kamen entsprechende Reaktionen. «Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden» und «Gebiete dürfen nicht zwangsweise annektiert werden», sagte der deutsche Vizeregierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Ähnlich äusserte sich ein Sprecher des französischen Aussenministeriums. «Grönland gehört den Grönländern und den Dänen, und sie allein entscheiden darüber», fügte er hinzu.

Das sieht Trump-Berater Stephen Miller offenbar anders. Er stellte in dem CNN-Interview den rechtlichen Anspruch Dänemarks auf Grönland infrage. «Die USA sollten diejenige Nation sein, die Grönland als notwendigen Teil unserer Sicherheitsarchitektur besitzt», sagte der 40-jährige Politikberater und ehemalige Redenschreiber von Trump. Er betonte, das sei die formale Position der zweiten Trump-Regierung, seitdem diese im Amt sei. «Welches Recht hat Dänemark eigentlich, Grönland zu kontrollieren? Auf welcher Basis erheben sie Anspruch auf das grönländische Territorium? Was ist eigentlich die Grundlage dafür, dass sie Grönland als dänische Kolonie betrachten?».

Miller sagte das als einer der obersten Vertreter einer Grossmacht, die jüngst erst den Iran bombardiert hat, die in Venezuela einmarschiert ist und in der Vergangenheit zahlreiche überseeische Territorien im Zuge der Monroe-Doktrin annektiert hat. Die aussenpolitische Doktrin geht auf den früheren US-Präsidenten James Monroe (im Amt von 1817 bis 1825) zurück. Demnach duldeten die USA in der damals neu geschaffenen Weltordnung keinen Einfluss europäischer Mächte mehr, auch zielte Monroes Politik darauf ab, den gesamten amerikanischen Doppelkontinent geopolitisch zu dominieren, also Nord- und Südamerika unter Kontrolle zu bringen.

Trump und die «Donroe-Doktrin»

Die Anleihen an die Doktrin, die die zweite Trump-Regierung nimmt, sind offensichtlich. Sie unterstützt offen die rechtspopulistischen Regime in Süd- und Mittelamerika und drohte bereits den verbliebenen linksgerichteten Regierungen und Regimen in Kolumbien, Kuba und auch Mexiko. Das Ganze ist Teil der neuen nationalen Sicherheitsstrategie der US-Administration. Diese sieht die Ausweitung ihres geopolitischen Einflusses in der gesamten westlichen Hemisphäre vor. Die nationalen Sicherheitsinteressen der USA werden demnach global durchgesetzt – und verteidigt. Trump nannte den aggressiven Kurs seiner Aussenpolitik «Donroe-Doktrin».

Die Wortneuschöpfung geht auf einen Journalisten der «New York Post» zurück. Trump gefiel die Formulierung so gut, dass er sie in seine Rhetorik übernahm, vereint sie doch seinen Vornamen (Donald) und sein historisches Vorbild in Sachen «America first»-Agenda (Monroe). Die «Donroe-Doktrin» besagt unter anderem, dass alle Aktivitäten von Akteuren jenseits der US-amerikanischen Einflusssphäre, die den eigenen Interessen zuwiderlaufen, als bösartig betrachtet werden sollten.

Ins Visier geraten kann also im Grunde jeder; ob das Regierungen sind, die sich quasi vor der Haustür befinden, wie Venezuela, oder China, Iran und Russland. Und vielleicht bald auch Grönland? Trump machte am Sonntag an Bord der Präsidentenmaschine noch eine vielsagende Andeutung:

«Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen.»

(t-online/con)

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433 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sebastianus
06.01.2026 06:48registriert Dezember 2023
Da gibt’s nichts zu verhandeln. Die EU muss endlich aus ihrer Letargie erwachen und selbständig werden.
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bcZcity
06.01.2026 06:49registriert November 2016
Ich hoffe das fällt diesen Faschisten alles noch irgendwie auf die Füsse, auch wenn es Jahre dauert. Und ich hoffe auch dass in Europa ein Umdenken stattfindet was die USA angeht, auch wenn es Jahre dauert bis man sich gelöst hat.

Ich habe persönliche meine Konsequenzen schon vor einem Jahr gezogen. Keinen Urlaub mehr in den USA. Wenn möglich US Produkte und Software meiden und überall wo ich Einfluss nehmen kann, wird dies auch durchgesetzt, privat und geschäftlich.

Ich hoffe dass Firmen oder immerhin staatliche Institutionen auch umdenken wo möglich, auch wenn die Umsetzung Zeit braucht.
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ELMatador
06.01.2026 06:44registriert Februar 2020
Als Zeichen müssten jetzt alle europäischen Länder eine Gruppe Soldaten nach Grönland schicken, um zu zeigen, dass wir geschlossen hinter Dänemark stehen und dass Grönland nichts ist, was Trump einfach ungestraft nach dem Motto «grab ’em by the p***» behandeln kann.

Ich bin mir sicher, dass sich Länder wie Kanada, Australien Neuseeland oder Japan ebenfalls beteiligen würden.
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