Trumps «Donroe-Doktrin» und was sie für die Welt bedeutet
Der amerikanische Präsident James Monroe hielt 1823 eine Rede vor dem Kongress, in der er ausführte, dass die USA künftig keine fremde Einmischung mehr in Lateinamerika dulden würden. Damit wollte er die Europäer vor weiteren kolonialistischen Experimenten im US-amerikanischen Hinterhof warnen.
Die Ausführungen des Präsidenten gingen als sogenannte Monroe-Doktrin in die Geschichte ein. Als Donald Trump begann, Mexiko, Panama und andere lateinamerikanische Staaten zu bedrohen, nahm die Boulevardzeitung «New York Post» diesen Begriff auf und wandelte ihn zur «Donroe-Doktrin».
Bei der Pressekonferenz nach der geglückten Militäraktion in Caracas nahm Trump diese satirisch gemeinte Formulierung freudig auf und erklärte seine Vision der Donroe-Doktrin wie folgt: «Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird nie mehr infrage gestellt werden. Das wird nie mehr passieren.»
Die Donroe-Doktrin findet sich auch im inzwischen sattsam bekannten Strategiepapier zur nationalen Sicherheit wieder. So gesehen ist Venezuela wahrscheinlich nur der erste Schritt. Trump will die Dominanz der USA über den gesamten amerikanischen Kontinent ausdehnen.
Zunächst jedoch muss Trump beweisen, dass er in Venezuela Erfolg hat. Das kann mit Fug und Recht bezweifelt werden, sind doch die amerikanischen Experimente mit «regime change» im vergangenen Jahrhundert schmählich gescheitert. Diesmal werde alles anders, versichern Trump und sein Aussenminister Marco Rubio.
Tatsächlich streben die USA in Venezuela offenbar gar keinen «regime change» an. Sie setzten darauf, dass das übrige Kabinett des gestürzten Präsidenten Nicolás Maduro mit ihnen zusammenarbeiten wird. Allen voran Vizepräsidentin Delcy Rodríguez.
Rodríguez gilt als clever und pragmatisch. Sie hat bereits mit der Biden-Regierung Gespräche über eine mögliche Kooperation geführt. Weil sie auch einmal Energieministerin war, kennt sie sich auch im Ölgeschäft bestens aus. Zudem ist ihr Bruder Jorge, ein gelernter Psychiater, ebenfalls ein wichtiger Player in Caracas.
Die Vizepräsidentin muss jedoch eine heikle Gratwanderung absolvieren. Einerseits muss sie die Wünsche des Weissen Hauses erfüllen, andererseits aber auch die wichtigsten Figuren des Maduro-Regimes bei der Stange halten, allen voran Vladimir Padrino Lopez, den Oberbefehlshaber der Armee, und Innenminister Diosdado Cabello.
Das erklärt, weshalb Rodríguez zunächst die amerikanische Intervention scharf verurteilt und die Herausgabe von Maduro verlangt hat. Inzwischen jedoch schlägt sie andere Töne an. «Wir laden die US-Regierung ein, mit uns kooperativ zusammenzuarbeiten und eine gemeinsame Entwicklung innerhalb der internationalen Gesetze anzustreben und die Koexistenz zu stärken», verkündete sie nun in einem Communiqué.
Offenbar sieht der amerikanische Plan vor, dass es Venezuela nicht mehr möglich sein wird, Öl nach eigenem Gusto zu exportieren, sondern nur noch so, wie Washington es befiehlt. Weil ohne Öl-Exporte in der Wirtschaft Venezuelas gar nichts mehr läuft, haben Rodríguez und ihre Mitstreiter gar keine andere Wahl, als zu kooperieren. Demokratische Wahlen sind nicht vorgesehen. Deshalb hat Trump auch María Corina Machado, die Nobelpreisträgerin und Führerin der Opposition, unter den Bus geworfen.
Das Weisse Haus gibt sich sehr zuversichtlich, dass der Plan aufgehen wird. Deshalb nimmt man bereits andere Länder ins Visier. Für Trump ist beispielsweise Gustavo Petro, der Präsident von Kolumbien, ein wandelnder Toter. «Er wird es nicht mehr lange machen», sagte der US-Präsident.
Weil es auf Öl aus Venezuela angewiesen ist und dieses Öl nicht mehr fliesst, wird das Regime Kubas gemäss dem Kalkül Trumps kollabieren. Und sollte Mexiko seine Drogenbosse nicht in den Griff bekommen, «müssen wir dort ebenfalls etwas unternehmen», so Trump.
Die Donroe-Doktrin nimmt somit Gestalt an. In El Salvador ist bereits ein Regime an der Macht, das Trump hörig ist. Im benachbarten Honduras hat soeben ein vom US-Präsidenten unterstützter Kandidat die Wahlen gewonnen. Das Gleiche trifft für Chile zu, und in Argentinien hat Trump mit Javier Milei einen treuen Verbündeten. Deshalb schläft man auch in Kanada und Grönland nicht mehr so gut. Trump zählt die beiden ebenfalls zu seinem Westen.
Was bedeutet die Donroe-Doktrin für den Rest der Welt? Nichts Gutes. Sie bestärkt die These, wonach Trump die Welt mit Wladimir Putin und Xi Jinping aufteilen will. So stellt die «Financial Times» in einem redaktionellen Kommentar fest: «Autoritäre Führer werden sich durch Trumps Verhalten bestärkt fühlen. Das mag simpel tönen, aber es wird China dazu ermutigen, Taiwan zu unterwerfen. Und es gibt keine Zweifel daran, dass es dem Westen künftig schwerer fallen wird, im Globalen Süden für die Unterstützung der Ukraine zu werben.»
In der «New York Times» stellt M. Gessen derweil fest, dass die Entmachtung von Maduro ein Geschenk an die Adresse von Putin sei. Sie schreibt: «Es ist schon lange offensichtlich, dass Trump instinktiv Putins Weltsicht teilt: Macht ist dazu da, die Welt aufzuteilen.»
Den Einwand, Maduro sei doch ein Schützling Moskaus gewesen, wischt sie wie folgt vom Tisch: «Alliierte kommen und gehen. Weltanschauungen und der Wunsch, die Welt nach eigenem Willen zu gestalten, bleiben. Die Welt von Putin ist gerade ein bisschen harmonischer geworden. Nicht, weil – wie Verschwörungstheoretiker vermuten – Putin Trump in der Hand hat, sondern weil zwei Autokraten die Welt durch die gleiche Brille betrachten.»
