Hätte auch schief gehen können – Medien wussten vorgängig vom Maduro-Einsatz
Die «Washington Post» und die «New York Times» wussten bereits vor der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro von einem anstehenden geheimen Grosseinsatz des US-Militärs. Beide Medienhäuser verzichteten aber darauf, darüber zu berichten – zum Schutz der involvierten US-Truppen. Dies berichtet Semafor.com.
Das Newsportal beruft sich dabei auf «zwei Personen, welche vom Informationsverlauf zwischen der Regierung und den Medienhäusern Kenntnis haben». Semafor wurde 2022 vom ehemaligen CEO der Bloomberg Mediengruppe und einem Buzzfeed News-Chefredaktor gegründet und gilt als seriöse Quelle.
US-Angriff auf Venezuela
Wie und warum die beiden Traditionsblätter bereits vorgängig zu den höchst brisanten und vertraulichen Informationen kamen, beschreibt Semafor nicht. Bekannt ist: Das Parlament war im Vorfeld nicht informiert worden. Im Gegenteil. Bei einem vertraulichen Briefing vor Weihnachten negierten Aussenminister Rubio und Kriegsminister Hegseth noch einen Einsatz mit Truppen auf venezolanischem Boden: «Wir wurden in die Irre geführt», sagte Ami Bera gegenüber Fox News. Der Demokrat Bera sitzt im Sonderausschuss für Geheimdienste des Repräsentantenhauses.
«Das ist einfach nicht die Art von Mission, die man vorgängig ankündet – weil das den Erfolg gefährdet», erklärte Marco Rubio bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Trump. Dieser fügte den Erklärungen des Aussenministers süffisant an: «Der Kongress hat die Tendenz, Informationen weiterzugeben».
Entsprechend unwahrscheinlich ist es, dass die Regierung die «Washington Post» und die «New York Times» vor dem Überraschungscoup informierte.
Wahrscheinlicher als eine bewusste Kommunikationsstrategie ist ein Leak oder ein erneutes Versagen bei den Sicherheitsvorkehrungen. Ein solches leistete sich die US-Regierung vor den Bombardements von Huthi-Stellungen in Jemen. Damals wurde ein Journalist in den Signal-Chat eingeladen, in dem sicherheitsrelevante Details besprochen wurden. Sollten die Informationen auf anderem Weg in die prestigeträchtigen Redaktionen gefunden haben – über ein Leak –, dann spricht das ebenfalls nicht für die Regierung. Die undichte Stelle wäre in dem Fall im engsten Regierungszirkel oder gar im Militär zu suchen.
Dass Medienhäuser brisante Geschichten zurückhalten, um die eigenen Soldaten oder eine Regierungsmission nicht zu gefährden, kommt immer wieder vor – etwa letzten August, als die USA und Russland Gefangene austauschten und die «New York Times» davon Wind kriegte. Auch da zog die NYT einen möglichen Primeur zurück.
