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Cannabis hat laut Studie kaum Nutzen bei psychischen Leiden

Cannabis hat laut Studie kaum Nutzen bei psychischen Leiden

Medizinisch eingesetztes Cannabis boomt – soll einer Überblicksstudie zufolge aber keinen belegbaren Nutzen bei Depressionen oder Angststörungen haben.
17.03.2026, 05:3517.03.2026, 05:35

Auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen konnte in der im Fachjournal «The Lancet Psychiatry» veröffentlichten Studie zufolge kein erwiesener Nutzen festgestellt werden, wie ein Forschungsteam von der Universität Sydney schreibt. Eine Expertin hat Zweifel an den Aussagen.

epa12507365 An exhibitor displays cannabis buds at the Asia International Hemp Expo and Forum 2025 in Bangkok, Thailand, 06 November 2025. The Asia International Hemp Expo and Forum is a trade exhibit ...
Hilft bei Schmerzen, aber nicht unbedingt bei psychischen Leide: Hanfwürfel bei einer Messe in Bangkok.Bild: keystone

Die Forschenden ziehen ihr Fazit, nachdem sie systematisch Daten und Befunde aus 54 internationalen klinischen Studien mit insgesamt 2477 Patienten ausgewertet haben, die aus dem Zeitraum von 1980 bis 2025 stammen. Nach eigenen Angaben hat das Team damit die bisher grösste Meta-Analyse dieser Art zu dem Thema durchgeführt.

Möglicherweise leichte Effekte bei Autismus oder Tourette

Einen gewissen Nutzen könnten medizinische Cannabisprodukte bei Autismus, Schlaflosigkeit oder dem Tourette-Syndrom haben, schreibt das Team. «Aber die generelle Qualität der Befunde für diese Krankheiten ist niedrig», betont der federführende Autor Jack Wilson.

«Ohne hochwertige medizinische Unterstützung oder begleitende Therapie ist der Einsatz von medizinischem Cannabis in diesen Fällen selten gerechtfertigt.»

Vielmehr bestehe das Risiko, dass aufgrund der Anwendung von Cannabinoiden wirksamere Therapien verzögert oder unerwünschte Nebenwirkungen ausgelöst werden könnten. «Der routinemässige Konsum von medizinischem Cannabis könnte mehr schaden als nützen», fasst Wilson zusammen.

Bessere Wirkung bei Schmerzen oder Epilepsie

Bei nicht-psychischen Leiden sieht es anders aus: Zur Linderung von Anfällen bei einigen Formen der Epilepsie, zur Verringerung von Spastiken bei Multipler Sklerose oder zur Behandlung einiger Arten von Schmerzen sei durchaus ein Nutzen von medizinischem Cannabis nachweisbar, so die Autoren.

Die nicht an der Studie beteiligte Expertin für Cannabis in der Medizin, Kirsten Müller-Vahl von der Medizinischen Hochschule Hannover, sieht Schwächen bei der Studie. So hätten etwa die Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) teils «sehr unterschiedliche und zum Teil sogar gegensätzliche Wirkungen» bei Psychosen oder Angststörungen, würden aber in der Analyse pauschal gemeinsam bewertet.

Bei einzelner Betrachtung gebe es sehr wohl Hinweise darauf, dass CBD eine Wirksamkeit bei sozialen Angststörungen habe und Hinweise, dass THC – alleine oder in Kombination mit CBD – Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen mindere, so Müller-Vahl.

«Eine weitere Schwäche der Übersicht ist die Vermischung verschiedener Angststörungen. So erfolgte eine gemeinsame Auswertung für die generalisierte Angststörung und die soziale Angststörung», sagte die Expertin der Deutschen Presse-Agentur. Sie halte die in der Studie ausgesprochen «Warnung vor dem Einsatz von Cannabis-basierten Medikamenten für unbegründet».

In der Schweiz wurde das Verbot von Cannabis zu medizinischen Zwecken im August 2022 aufgehoben. (sda/dpa)

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71 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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bcZcity
17.03.2026 07:05registriert November 2016
Meine Frau leidet wegen physischer Probleme an mid- bis starken Schmerzen. Dank einem medizinischem THC Produkt geht es ihr viel besser und sie muss weniger starke Schmerzmittel nehmen, die auf Dauer abhängig machen können. KK bezahlt das THC Produkt NICHT!

Ich selber konsumiere ab und zu etwas CBD oder THC haltige Kräuter. Hilft mir gegen Stress und ich schlafe viel besser. Dafür trinke ich weniger Alkohol als andere.

Und wenn man bedenkt was die Hanffaser noch alles hergeben würde (Kleidung, Verpackungen, Baustoffe), dann müsste man dieses schnell wachsende "Unkraut" zwingend fördern.
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Trafolda
17.03.2026 07:08registriert November 2025
Aus diesem Grund: Trinkt alle mehr Alkohol, weil da ist der psychische Nutzen extrem viel höher - na dann prost!
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Felix Tschapajew
17.03.2026 07:31registriert November 2020
"oder begleitende Therapie ist der Einsatz von medizinischem Cannabis in diesen Fällen selten gerechtfertigt."

Wie furchtbar banal - dass sie von einer Therapie begleitet werden sollten, gilt halt auch für anerkannte und in der Psychiatrie eingesetzte Psychopharmaka.
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