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Boris Johnson will mit dem sogenannten Binnenmarktgesetz entscheidende Vertragsklauseln zu Nordirland aushebeln, die von Anfang an umstritten waren.
Boris Johnson will mit dem sogenannten Binnenmarktgesetz entscheidende Vertragsklauseln zu Nordirland aushebeln, die von Anfang an umstritten waren.Bild: keystone

Warum der Druck auf Boris Johnson im Brexit-Streit deutlich wächst

13.09.2020, 13:1113.09.2020, 13:47

Im Brexit-Streit wächst der Druck auf den britischen Premierminister Boris Johnson, der mit einem Gesetz das längst gültige EU-Austrittsabkommen wieder aufbohren will. Die früheren Regierungschefs Tony Blair und John Major riefen das Parlament zum Widerstand auf und nannten das Vorhaben schamlos. Auch die EU-Seite ist inzwischen äusserst gereizt. Chefunterhändler Michel Barnier mahnte Johnson am Sonntag, bei den Fakten zu bleiben.

Johnson will mit dem sogenannten Binnenmarktgesetz entscheidende Vertragsklauseln zu Nordirland aushebeln, die von Anfang an umstritten waren. Sie sollen verhindern, dass zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Staat Irland eine feste Grenze entsteht.

Johnsons Vorgänger Blair (Labor) und Major (Konservative) nannten dies in der «Sunday Times» «unverantwortlich, grundsätzlich falsch und in der Praxis gefährlich». Das Gesetz werde den irischen Friedensprozess und die Handelsgespräche mit der EU schädigen. Blair und Major sind seit jeher Gegner der Scheidung Grossbritanniens von der Europäischen Union.

Auch im Parlament regt sich erheblicher Widerstand gegen das Gesetz. Medienberichten zufolge lehnen es etwa 30 konservative Abgeordnete ab – Johnson verfügt allerdings über eine Mehrheit von 80 Stimmen im Unterhaus. Auch aus dem Oberhaus gab es bereits scharfe Kritik.

Mit einem eindringlichen Appell versuchte Johnson, die Kritiker von seinem Brexit-Kurs zu überzeugen – und griff dabei die EU scharf an. «Lasst uns die EU dazu bringen, ihre Drohungen vom Tisch zu nehmen. Lasst uns dieses Gesetz durchbringen, unsere Verhandler unterstützen und unser Land schützen», schrieb er im «Telegraph» (Samstag).

Die EU versuche, einen Teil des Vereinigten Königreichs vom Rest abzutrennen und die wirtschaftliche und territoriale Einheit zu zerstören. Das habe man niemals ernsthaft angenommen, als man den Brexit-Vertrag «in gutem Glauben» mit der EU verhandelt habe, schrieb Johnson.

EU-Unterhändler Barnier konterte am Sonntag auf Twitter. Die Vereinbarungen zu Nordirland seien «keine Bedrohung der Integrität des Vereinigten Königreichs. Wir haben diesen delikaten Kompromiss mit Boris Johnson und seiner Regierung ausgehandelt, um Frieden und Stabilität auf der irischen Insel zu waren. Wir hätten über die Konsequenzen des Brexits nicht klarer sein können.» In einem zweiten Tweet meinte Barnier: «Bei den Fakten zu bleiben, ist essenziell.»

Über das Binnenmarktgesetz wird das Unterhaus ab diesen Montag debattieren. «Das machen wir nicht leichtfertig», sagte Justizminister Robert Buckland dem Nachrichtensender Sky New. Die Regierung sei verantwortungsvoll. «Ich kann unsere Entschlossenheit nur wiederholen, einen Deal zu bekommen.»

Für die EU handelt es sich ganz klar um einen Rechtsbruch. Brüssel forderte London daher auf, bis spätestens Ende September einzulenken. Kritiker befürchten, dass das geplante Gesetz der Todesstoss für den Handelsvertrag sein könnte, der die wirtschaftlichen Beziehungen ab 2021 neu regeln soll. Nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase droht ohne Vertrag ein harter Bruch mit Zöllen und hohen Handelshürden. (sda/dpa)

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Badener
13.09.2020 13:46registriert März 2017
Es ist immer das gleiche. Wenn der Populismus mit der Realität konfrontiert wird, verliert dabei das betrogene Volk.
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FrancoL
13.09.2020 14:01registriert November 2015
BoJ wird nie in seiner populistischen Art etwas von Fakten halten. Das sollte die EU aber auch bestens wissen und ich wundere mich, dass die EU sich da erstaunt zeigt.
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