König Charles vor dem Kongress: Ein Plädoyer für die westliche Allianz
Der Besuch begann bereits am Montag: Charles und Camilla wurden zunächst informell von den Trumps im Weissen Haus zum Tee empfangen, bevor das Königspaar an einer Gartenparty in der Residenz des britischen Botschafters in Washington teilnahm. Am Dienstag folgte der offizielle Teil.
Zeremonie auf dem Südrasen
Kurz vor 11 Uhr Ortszeit Washington wurden die Royals mit einem zeremoniellen Kanonengruss empfangen. Während die amerikanische Nationalhymne gespielt wurde, legte Melania Trump die Hand aufs Herz und Trump hielt einen Salut, während der König und die Königin mit den Armen an der Seite dastanden. Anschliessend beobachteten alle vier vom Balkon aus einen Überflug militärischer Maschinen.
In seiner Rede auf dem Südrasen würdigte Trump die Beziehung zwischen beiden Ländern. Er erinnerte an das Treffen zwischen Winston Churchill und Franklin Roosevelt, das die Vision für die freie Welt nach dem Zweiten Weltkrieg umriss, und bezeichnete das als Essenz der «besonderen Beziehung» zwischen den USA und Grossbritannien. Auch gedachte er Königin Elizabeth II., die er als «sehr, sehr besondere Frau» bezeichnete, die «auf beiden Seiten des mächtigen Atlantiks sehr vermisst wird».
Treffen im Oval Office
Um kurz vor 12 Uhr Ortszeit Washington betraten König und Präsident gemeinsam das Oval Office. Die Königin und die First Lady nahmen anschliessend getrennt an einem Treffen mit Schülerinnen und Schülern teil. Nach dem bilateralen Gespräch zog Trump ein positives Fazit: Er sagte gegenüber Reportern, er habe ein «wirklich gutes Treffen» mit dem König gehabt.
Rede vor dem Kongress
Am Nachmittag Ortszeit Washington hielt Charles seine Rede vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses – als erst zweiter britischer Monarch überhaupt, nach seiner Mutter Königin Elizabeth II. im Jahr 1991. Der König wurde mehrfach mit stehenden Ovationen empfangen.
Charles eröffnete seine rund 20-minütige Rede mit einem Scherz über die alte britische Tradition, wonach bei der Parlamentseröffnung ein Abgeordneter als «Geisel» im Buckingham Palace zurückgehalten wird – was das Publikum zum Lachen brachte. Er zitierte Trump mit den Worten, die dieser bei seinem Staatsbesuch in Grossbritannien geäussert hatte: Die Bindung zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich sei «unschätzbar und ewig, unersetzlich und unzerstörbar» – was stehende Ovationen auslöste.
Gemeinsame Geschichte, getrennte Wege
Charles betonte die tiefen historischen Wurzeln beider Länder: Die amerikanischen Gründerväter bezeichnete er als «mutige und einfallsreiche Rebellen», die das Erbe der britischen Aufklärung sowie der englischen Rechtstraditionen – von der Magna Carta bis zur Bill of Rights – weitergetragen hätten. Die Magna Carta werde bis heute in mindestens 160 Urteilen des US Supreme Courts zitiert, sagte er.
Gleichzeitig räumte Charles ein, dass beide Nationen nicht immer einer Meinung seien – und verwies auf die Gründung der USA selbst: «Unsere Partnerschaft wurde aus einem Streit geboren, ist aber nicht weniger stark dafür.»
Nato, Ukraine und ein versteckter Seitenhieb
In heikleren Passagen seiner Rede sprach Charles die angespannte Lage zwischen den USA und ihren Verbündeten direkt an. Er verwies darauf, dass die Nato bislang erst ein einziges Mal den Bündnisfall ausgerufen habe – nach den Anschlägen vom 11. September 2001, als die USA angegriffen worden seien. Das Vereinigte Königreich habe damals an der Seite Amerikas gestanden: «Wir standen damals mit euch, und wir stehen jetzt mit euch.»
Charles, der selbst fünf Jahre in der Royal Navy diente, hob ausdrücklich seine Militärzeit hervor – eine bemerkenswerte Geste angesichts der Tatsache, dass Trump die britische Marine zuletzt als «Spielzeug» abgetan hatte.
Für den wohl deutlichsten Moment der Rede sorgte ein Verweis auf die Magna Carta: Als Charles betonte, dass «Exekutivmacht der Kontrolle und dem Gleichgewicht der Kräfte unterliegt», brandete zunächst von der demokratischen Seite des Saals Applaus auf – bevor der gesamte Kongress in stehende Ovationen ausbrach. Trumps Kritiker hatten in den vergangenen Monaten wiederholt «No Kings»-Proteste organisiert.
Ukraine und wirtschaftliche Zusammenarbeit
Charles forderte ausserdem «unbeugsamen Willen» für die Verteidigung der Ukraine und eines gerechten, dauerhaften Friedens. Er betonte, die Herausforderungen der Zeit seien «zu gross für eine Nation allein» und zitierte Premierminister Keir Starmer, wonach die Partnerschaft beider Länder «unverzichtbar» sei. Zum Abschluss verwies Charles auf laufende Verhandlungen über neue Wirtschafts- und Technologieabkommen in den Bereichen KI, Medikamente und Nukleartechnologie.
Besuch unter Spannung
Die Beziehungen zwischen den USA und Grossbritannien sind seit Beginn des Kriegs mit dem Iran belastet: Trump kritisierte Premierminister Starmer dafür, dass London keine wesentliche militärische Unterstützung angeboten hatte. London hofft, dass Trumps Zuneigung zum britischen Königshaus und Charles' diplomatisches Geschick dazu beitragen können, die Spannungen zumindest vorübergehend zu lindern.
Einen weiteren Schatten wirft die Epstein-Affäre: Demokrat Ro Khanna veranstaltete parallel zum Königsbesuch ein Treffen mit Überlebenden des Missbrauchsnetzwerks von Jeffrey Epstein. Deren Familien hatten einen direkten Kontakt mit Charles gefordert – mit Blick auf die Vorwürfe gegen seinen Bruder Prinz Andrew. Charles lehnte ein solches Treffen ab. (mke)
