«Geisteskrank»: Supercar-Spotting in der Schweiz
Bei einem casual Spaziergang durch Zürich kann es einem bald mal passieren, dass man eine hübsche Alfa Giulia Sprint erspäht …
... und dann merkt: OMG, OMG WAS IST DENN DAS DA HINTEN??
Was das ist? Nun, ein extrem seltener Aston Martin DB4 Superleggera von 1960, in perfektem Zustand und mindestens eine halbe Million wert, wenn nicht sogar mehr.
Steht einfach so rum in Zürich. Crazy, nicht?
(Und nochmals dahinter so ein moderner Aston Martin DBS oder so, aber das interessierte mich gar nicht mehr.)
Mir war gar nicht bewusst, dass die Tätigkeit, der ich da beiläufig nachging, eine eigene Bezeichnung hat: Carspotting.
@ladinitv 😂 Nur Spaß Freunde, liebs doch selbst 🤞🏼 @Buu.MK2 🏁🖤 #carspotting #zurich ♬ Originalton - Ja Ne Is klar
It's a thing, offenbar. Es ist wohl analog zu Trainspotting – das Hobby, das darin besteht, an einem bestimmten Wegpunkt vorbeifahrende Züge anhand des Fahrplans zu identifizieren –, aber mit Autos und ohne Fahrpläne. Böse Zungen würden es vielleicht Autogaffen nennen.
In seiner einfachsten Form bedeutet Carspotting, ein Foto von einem interessanten Auto zu machen, auf das man zufällig gestossen ist, und es dann auf Social Media zu posten (siehe meine obige Begegnung mit dem DB4). Eine Stufe darüber liegt das Betreiben eines Instagram-Accounts, der sich ausschliesslich diesem Thema widmet. Und auf der nächsten Stufe gibt es jene Gattung Menschen, die tatsächlich Reisen an bestimmte Locations unternehmen in der Erwartung, dort eine höhere als übliche Dichte an exotischen Autos zu entdecken. Monaco, zum Beispiel. Oder Beverly Hills. Oder … die Schweiz.

Wenn man länger in der Schweiz lebt, vergisst man im Alltag oft, wie crazy rich die Schweizer sind im Vergleich zu … na, fast allen anderen. Dies äussert sich auf diverse Arten. Kommen ausländische Besucher in die Schweiz, ist vor allem ein Thema allgegenwärtig: Wie krass teuer alles hier ist. Und dann noch: Wie krass hoch der allgemeine Lebensstandard ist. Und – etwas nischiger: Wie krass viele Supercars und Luxuskarossen hier so mir nichts, dir nichts einfach so rumfahren.
Und deshalb hat es sich in der Carspotter-Szene herumgesprochen: Zürich, Genf, St.Moritz und Co. – das ist ja wahnsinnig!
Oder wie es diese Carspotterin nennt:
... «geisterkrank» (was gar kein Wort ist, aber wir verstehen glaub alle, was sie meint).
Wie etliche Stadtbewohner habe ich längst damit aufgehört, die gefühlt Tausenden jener aufgemotzten AMG G-Wagen im Kokaindealer-Look zu zählen, die sich schon seit geraumer Zeit hierzulande pandemisch verbreiten. Und High-End-Porsches hat es derart viele, dass sie längst zu langweiligem Beigemüse mutiert sind. Aber geh mal an einem schönen Wochenende durch 8001 Zürich spazieren, und es ist in der Tat schier unglaublich, was da so an Abermillionen rumtuckert!

Unglaublich. Und auch ein wenig bedenklich, vielleicht? Oder abstossend gar, je nachdem, welche Meinung man zu solchen Gefährten hat (mich persönlich törnen moderne Protzvehikel nur noch ab – aber das ist eine Diskussion für ein anderes Mal). Doch hier geht es schlicht um die schiere Häufigkeit solcher Vehikel in der Schweiz. Und die Tatsache, dass Carspotter darob verblüfft sind. Beispiele gefällig? Bitte sehr:

Der Aufstieg der Schweiz zum Hotspot für Carspotter wurde 2023 durch eine Sensation befeuert: Das weltweite Einzelstück Bugatti La Voiture Noire im Wert von 20 Millionen Franken wurde auf den Strassen Zürichs gesichtet:
Ein weiterer viraler Moment war heuer, als jemand einen Koenigsegg CC850 mit Dachbox am Flughafen Zürich ablichtete:
Es scheint, dass andere Hypercar-Besitzer auf dieselbe Idee gekommen sind:
@topcars_mtx 20 minutes in zurich #Zurich #cars #carspotting #edit #mercedes ♬ түпнұсқа дыбыс - 𝓿𝓸𝓲𝓬𝓮 🔊
