Epsteins Tod war noch nicht offiziell – da wusste diese dubiose Website schon Bescheid
Am 10. August 2019 um 8.16 Uhr schrieb ein anonymer Nutzer im Internetforum 4chan, Jeffrey Epstein sei tot:
Brisant daran: Der Beitrag erschien 38 Minuten, bevor der Tod Epsteins offiziell bekannt wurde. Der Nutzer veröffentlichte die Information damit offenbar vor allen anderen.
Wie aus neu veröffentlichten Epstein-Akten hervorgeht, versuchten die US-Behörden später erfolglos, den Verfasser des Beitrags zu identifizieren, wie «Business Insider» berichtete.
Plattform für Pornografie
4chan ist eine Website, auf der Nutzer anonym oder mit registriertem Konto Bilder, Texte und Videos veröffentlichen und auf Beiträge anderer reagieren können. Bekannt ist sie vor allem als Plattform für Pornografie und «Weissen Nationalismus».
Laut den Unterlagen wollten die Ermittler des FBIs klären, wer der User war, der die Information so früh hatte – und woher sie stammte. Doch die Spur verlor sich.
Was die Ermittler jedoch herausfanden: Insgesamt verfasste der User vier Beiträge. Screenshots zeigen, dass der Verfasser offenbar mit medizinischen Begriffen vertraut war. Er schrieb unter anderem, Epstein sei intubiert worden und in eine Notaufnahme im Süden Manhattans gebracht worden.
Der Nutzer streute zudem schon früh unbewiesene Spekulationen über Epsteins Tod. In einem später gelöschten Beitrag soll er behauptet haben, Epsteins Leiche sei womöglich ausgetauscht worden. Auslöser dafür sei ein mysteriöser Lieferwagen gewesen, der in der Nacht zuvor gesehen worden sei. Spannend daran: Aus den neu veröffentlichten Akten geht hervor, dass Justizmitarbeiter die Medien laut einem FBI-Dokument tatsächlich mit einer falschen Leiche ablenken wollten, um Epsteins Leiche ohne viel Aufsehen zur Gerichtsmedizin transportieren zu können. Ob ein Zusammenhang besteht, bleibt offen.
Identifikation scheiterte an Technik
Die Ermittler versuchten danach, den Nutzer über dessen IP-Adresse und Daten von Mobilfunkanbietern zu identifizieren, auch 4chan wurde um Angaben gebeten. Laut den Akten scheiterte die Identifikation jedoch an der Technik: Der User nutzte eine dynamische IP-Adresse.
Entscheidend weiter brachten die Ermittlungen die Behörden nicht.
Ein Jahr nach Epsteins Tod bestätigte das Justizministerium schliesslich, dass der Verfasser des Beitrags nie identifiziert werden konnte. (nib)
