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Regionalwahlen in Frankreich: Angst vor dem Triumphmarsch von Marine Le Pens «Front National»

Der Front National könnte bei den französischen Regionalwahlen am Sonntag die stärkste Kraft werden. Für Parteichefin Marine Le Pen wäre es eine wichtige Etappe auf dem Weg in den Elysée. Präsident Hollande droht ein Debakel.

Stefan Simons



Ein Artikel von

Spiegel Online

Eigentlich gehören die Departementswahlen nicht zu den wichtigsten Terminen in Frankreich: Die zu wählenden Räte kümmern sich hauptsächlich um bürgernahe Anliegen wie Haupt- und Mittelschulen, um Strassen, um Altenheime und Feuerwehr.

Doch am Sonntag und eine Woche später wird es anders sein, das Votum wird zu einer Kraftprobe von nationaler Bedeutung. Die Meinungsforscher erwarten, dass der Front National (FN) erstmals landesweit Ratsposten erobert und in zwei, drei Departements sogar die Führung übernimmt. FN-Chefin Marine Le Pen setzt auf eine «Marine-blaue Springflut», die Frankreich überspülen wird. Den regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande droht dagegen ein Debakel.

French far-right Front National leader Marine Le Pen, takes a selfie with a resident of Avignon, southern France, Tuesday, March 17, 2015. French voters are choosing local officials in elections March 22 and 29 that are expected to bring even more power to the increasingly popular far right National Front party, amid concerns about immigration and security and disillusionment with traditional parties. (AP Photo/Claude Paris)

Auf Tuchfühlung mit dem Volk: Marine Le Pen auf Wahlkampf-Tour. Bild: Claude Paris/AP/KEYSTONE

In vielen Medien Frankreichs wird der offenbar unaufhaltbare Aufstieg der Rechtsextremisten mit Sorge verfolgt: Der Internet-Dienst Mediapart warnte vor der «wachsenden Gefahr des Front National». «Rassismus, Antisemitismus, Homophobie», titelte das Magazin «Le Nouvel Observateur» diese Woche und versprach die «Demaskierung der FN-Kandidaten». Mit Schaudern beschrieb die Zeitschrift «Marianne» die Vision, dass die FN-Chefin schon 2017 zur Präsidentin gekürt werden könnte: «der Schock Marine Le Pen».

Ein erster Platz des FN bei den Departements-Wahlen oder auch nur ein deutlicher Zuwachs wäre für alle etablierten Parteien wie etwa der konservativen UMP unter Oppositionsführer Nicolas Sarkozy eine Abmahnung – für die Regierung von Staatschef Hollande hingegen eine Katastrophe: Wegen der Zersplitterung unter den Linksparteien droht den Sozialisten schon beim ersten Wahlgang der Verlust von mehr als der Hälfte der von ihnen geführten 61 Departements.

«Der Front National liebt Frankreich nicht»

Mit emotionalen Appellen versuchten der Präsident und seine Ministerriege deshalb, die eigenen, frustrierten Genossen zu mobilisieren. «Ich habe Angst um mein Land, ich habe Angst, dass es am Front National zersplittert», sagte der sozialistische Premierminister Manuel Valls bei seiner Blitzkampagne durch die Provinzen. «Der Front National ist keine republikanische Partei», schimpfte Valls bei einem Abstecher in die Bretagne: «Der Front National liebt Frankreich nicht.»

Doch in den Umfragen liegen die Rechtsextremen vorn. Marine Le Pen, Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen, verordnete der einst von alten Algerienkämpfern und rabiaten Antisemiten dominierten Organisation einen kosmetischen Kurswechsel. Islam, Immigranten und Kriminalität sind die neuen FN-Dauerthemen, das wichtigste Ziel bleibt jedoch: «den Zusammenbruch der Europäischen Union herbeizuführen».

France's far-right National Front political party supporters wave French flags during a political rally with leader Marine Le Pen in Six-Fours, near Toulon, March 16, 2015.  REUTERS/Jean-Paul Pelissier (FRANCE - Tags: POLITICS)

Front-National-Wähler: Sie sind die Basis der von Le Pen erhofften «marine-blauen Springflut».  Bild: JEAN-PAUL PELISSIER/REUTERS

Die Rechnung geht offenbar auf: Fast 18 Prozent holten die Rechtsextremisten bei der Präsidentenwahl 2012, sie eroberten elf Rathäuser bei den Kommunalwahlen 2014. Aus den Europawahlen 2014 ging der Front National mit 25 Prozent erstmals als «stärkste Partei Frankreichs» hervor. Im September folgte der Einzug von zwei FN-Kandidaten in den Senat.

«Wir versprechen eine Überraschung»

Für Marine Le Pen geht es um die «Wiedereroberung» Frankreichs – und ihren Einzug in den Elysée 2017. «Es wird Zeit, dass sich die Dinge ändern und wir die Macht übernehmen. Das haben wir vor», sagte sie bei einem Auftritt Mitte Februar. Die Departementswahlen wollen die Rechtsextremen nutzen, sich tief in den Regionen zu verankern.

France's President Francois Hollande addresses a news conference during a European Union leaders summit in Brussels March 20, 2015.  REUTERS/Francois Lenoir

Der ungeliebte Präsident: François Hollande droht eine happige Klatsche. Bild: FRANCOIS LENOIR/REUTERS

Die Parteichefin hält ein gutes Abschneiden in den Departements für «fundamental»: Der FN hat 7648 Kandidaten aufgeboten und ist in mehr als 90 Prozent der 101 Departements mit einem männlich-weiblichen Duo vertreten. Ein Novum für die Rechtsextremen, die 2011 noch alle Mühe hatten, 1400 Interessierte ins Rennen zu schicken.

Tiefe Wahlbeteiligung trifft Sozialisten

Damit ist der Front National bestens aufgestellt, selbst wenn fast 60 Prozent der Franzosen am Sonntag gar nicht erst zur Wahl gehen wollen: Entweder aus dem Gefühl, dass der Urnengang «sowieso nichts ändern wird», so eine Erhebung des Ifop-Instituts, oder weil die Bürger damit «ihre Unzufriedenheit ausdrücken wollen».

Denn eine schlechte Wahlbeteiligung der desillusionierten Anhänger der Sozialisten träfe vor allem Hollande und die Regierungspartei. Die FN-Wähler sind nach Meinung der Demoskopen dagegen mächtig motiviert, aus der lokalen Abstimmung ein nationales Misstrauensvotum gegen den Präsidenten zu machen. FN-Chefin Marine Le Pen gibt sich zuversichtlich: «Wir versprechen Frankreich eine Überraschung.»

Zusammenfassung: Bei den Departementswahlen in Frankreich wird mit starken Gewinnen der rechtsextremen FN von Marine Le Pen gerechnet. Den regierenden Sozialisten von Staatschef Hollande droht eine herbe Niederlage.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michèle Seiler 22.03.2015 00:04
    Highlight Highlight Wenn ich mir manche Beiträge hier durchlese, würde ich die entsprechenden Autoren sehr gerne ausführlich über das Nazi-Regime, die Entstehung der EU, die gemachten Fehler UND eine bessere Alternative zum glücklichen und friedlichen Zusammenleben aller Menschen reden hören.

    Weil ich mir irgendwie kaum vorstellen kann, dass man das wirklich BEGRIFFEN haben kann und dennoch diese Meinung vertreten kann. Aber vielleicht denke ich da auch zu eingeschränkt, deshalb ...
  • MergimMuzzafer 21.03.2015 22:53
    Highlight Highlight Wir wissen ja, was beim letzten Mal passierte, als in Europa Rechtsextreme die Macht übernommen haben... Falls der FN gewinnt, sieht Europas Zukunft düster aus.
  • kEINKOmmEnTAR 21.03.2015 16:49
    Highlight Highlight Ich hoffe sehr dass diese Partei schleunigst die Führung übernehmen und die EU zusammenstürzen lassen kann. Es braucht keine EU, es braucht eine EFTA. Alles andere sollte jedes Land selber entscheiden können.
    • oskar 21.03.2015 22:00
      Highlight Highlight du hoffst das eine rechtsextreme partei frankreich anführen wird??? ist dir eigentlich noch zu helfen? hast scheinbar gar nichts aus der geschichte gelernt. frage an alle eu-hasser hier: wer hat sich mal ernsthaft mit der eu und ihren institutionen beschäftigt? sich erkundigt, wie sie funktioniert? kaum jemand. woher kommt der hass?
    • oskar 22.03.2015 00:11
      Highlight Highlight @ symphoniker, na immerhin beschäftigst du dich damit. was genau ist dein problem mit meiner aussage? rechtsextreme sind nachgewiesenermassen eine gefahr für den frieden. und der front national ist eine rechtsextreme partei. sich diese partei an die macht zu wünschen zeugt entweder von politischem blindgängertum, einem grossem frust über die herrschenden parteien und verhältnisse oder einem faschistischen weltbild!
    • oskar 22.03.2015 16:09
      Highlight Highlight @syphoniker: ach so, nein da hast du mich falsch verstanden. ich vergleiche den fn nicht mit der nsdap (habe ich ja auch nirgends geschrieben). ich sage, dass rechtsextreme (übrigens auch linksextreme) parteien den frieden und den sozialenzusammenhalt gefährden. das zeigte sich nicht ja nicht nur bei der nsdap sondern bspw. auch in chile oder südafrika
  • sleeper 21.03.2015 15:51
    Highlight Highlight Das Ende! Das Ende!!! Ich sehe es kommen! Wir werden allen sterben!!! Ahhhhh!!!
    Aber jetzt mal ernsthaft: Le Pen als Frankreichs Präsidentin wäre wohl das Ende der EU...
    • Michèle Seiler 21.03.2015 16:12
      Highlight Highlight Eine rechtsextreme Partei? Bestimmt.

      Bei Fragen zu weiteren Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte ein Geschichtsbuch ...
    • sleeper 21.03.2015 16:16
      Highlight Highlight @Michèle Seiler: Sehr schön formuliert! Man sollte auch im Angesicht des Untergangs seinen Humor nicht verlieren.
    • Michèle Seiler 21.03.2015 16:48
      Highlight Highlight Irgendwie muss man damit ja fertig werden.
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