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Dieser mutmassliche Mörder ist der Ursprung der Hongkong-Proteste – jetzt kommt er frei



Chan Tong-kai bows after talking to the media as he is released from prison in Hong Kong Wednesday, Oct. 23, 2019. Chan, who's wanted for killing his girlfriend last year on the self-ruled island, had asked the Hong Kong government for help turning himself in to Taiwan after his sentence for money laundering offenses ends on Wednesday. (AP Photo/Kin Cheung)

Kommt frei: Der 20-jährige Verdächtige. Bild: AP

Ein mutmasslicher Mörder, der im Mittelpunkt der Kontroverse um das zurückgezogene Auslieferungsgesetz in Hongkong stand, ist am Mittwoch in Hongkong aus dem Gefängnis entlassen worden. Der 20-Jährige sass wegen eines anderen Deliktes in Haft.

Er wird in Taiwan wegen Mordes an seiner schwangeren Freundin 2018 gesucht und will sich den Behörden dort auch stellen. Ein politisches Tauziehen zwischen der zu China gehörenden Sonderverwaltungsregion und der demokratischen Insel Taiwan, die Peking als Teil der Volksrepublik betrachtet, verhindert aber vorerst eine Überstellung.

Da es kein Auslieferungsabkommen zwischen beiden Seiten gibt, konnte der mutmassliche Mörder 2018 nicht von Hongkong ausgeliefert werden. Regierungschefin Carrie Lam hatte das zum Anlass genommen, um ein Gesetz einzubringen, das Auslieferungen nicht nur nach Taiwan, sondern auch nach China ermöglicht hätte. Während Taiwan ein unabhängiges Justizsystem hat, stehen die Gerichte und Staatsanwälte in der Volksrepublik unter Führung der Kommunistischen Partei und dienen auch der politischen Verfolgung.

Hongkong: Neuste Bilder der Proteste und vom Generalstreik

Aus Angst vor dem langen Arm Chinas begannen im Frühjahr die Proteste in Hongkong. Auch der Rückzug des Gesetzentwurfes konnte die Lage nicht beruhigen. Die Demonstranten fordern inzwischen auch eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität bei den Protesten, Straffreiheit für die mehr als 2000 Festgenommenen und freie Wahlen.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» in ihrem eigenen Territorium autonom regiert. Die Proteste, die häufig in Ausschreitungen enden, dauern bereits 20 Wochenenden in Folge an.

Weiteres Ringen um Verdächtigen

Ungelöste Souveränitätsfragen erschweren weiter das Ringen zwischen den Behörden in Hongkong und Taiwan um den mutmasslichen Mörder. Erst wollte Taiwan, dass er in Hongkong vor Gericht gestellt wird, doch sieht sich die Justiz dort nicht zuständig.

Jetzt will sich der 20-Jährige zwar den Behörden in Taiwan stellen, er kann aber ohne Genehmigung aus Taipeh nicht reisen. Zuletzt wollte Taiwan Polizisten schicken, um ihn abzuholen, was Hongkong aber aus Statusgründen nicht erlaubt, weil China die Hoheit Taiwans nicht anerkennt. (aeg/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schönbächler 23.10.2019 13:10
    Highlight Highlight Wer Mordet soll dort bestraft werden wo er gemordet hat. Ob das jetzt China, Uganda Holland oder Taiwan ist, spielt doch dabei keine rolle. Auch wenn der böse Chinesische Staat von "Kommunisten" regiert wird.
  • Alju 23.10.2019 12:20
    Highlight Highlight Können nicht einfach alle Frieden schliessen?

    Sorry, aber ich glaube, dass viele Chinesen/Taiwanesen/Hongkongesen/... diesen politischen Bullshit satt haben.
  • K1aerer 23.10.2019 10:25
    Highlight Highlight Verstehe nicht ganz genau, man kann einen Verdächtigen an Taiwan ausliefern, obwohl Taiwan nicht als unabhängiger Staat angesehen wird. Wiederum dürfen die Polizisten nicht das Hochheitsgebiet der Chinesen betreten. 🤷‍♂️
  • ursus3000 23.10.2019 10:15
    Highlight Highlight Die Proteste der Freiheitskämpfer!!

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