DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
US-Spionagedrohne des Typs «RQ-4 Global Hawk» auf der Eielson Air Force Base in Alaska.
US-Spionagedrohne des Typs «RQ-4 Global Hawk» auf der Eielson Air Force Base in Alaska. Bild: EPA/DIVIDS

Iran schiesst US-Aufklärungsdrohne ab – Trump: «sehr grosser Fehler»

Der Iran will mit dem Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne eine «Botschaft» an Washington senden, US-Präsident Trump spricht von einem «grossen Fehler». Droht eine militärische Konfrontation im Nahen Osten?
20.06.2019, 10:0020.06.2019, 17:24

Der Chef der iranischen Revolutionsgarden, Hussein Salami, sagte am Donnerstag: «Das war eine klare und konsequente Botschaft an diejenigen, die unsere Grenzen verletzen wollen.» Die US-Armee bestätigte den Abschuss, dementierte aber iranische Angaben, wonach das unbemannte Flugzeug in den iranischen Luftraum eingedrungen war. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: «Der Iran hat einen sehr grossen Fehler gemacht!»

Der Vorfall schürte die Angst vor einer militärischen Konfrontation. Offen blieb zunächst, wie die USA reagieren werden. Trump und die iranische Führung haben betont, dass sie keinen Krieg wollen. Trump hatte im vergangenen Monat aber mit dem «offiziellen Ende des Irans» gedroht, sollte die Führung in Teheran «kämpfen» wollen.

«Provokativer und aggressiver Akt»

Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden war die US-Drohne bei Kuh-Mubarak in der Provinz Hormusgan in den iranischen Luftraum eingedrungen und abgeschossen worden. Aussenamtssprecher Abbas Mussawi sagte: «Wir verurteilen aufs Schärfste diesen provokativen und aggressiven Akt und warnen eindringlich vor der Verletzung unseres Luftraums.»

Der Iran wolle mit niemandem Krieg, sei aber auf jeden militärischen Konflikt vorbereitet, sagte der Chef der Revolutionsgarden. Die «rote Linie» des Irans seien dabei seine Grenzen. «Jeder, der die überschreitet, wird zerstört und auch nicht mehr (in sein Land) zurückkehren», sagte General Salami.

«Nicht provozierter Angriff»

Das US-Zentralkommando Centcom, das die Truppen im Nahen Osten führt, teilte mit: «Iranische Berichte, dass das Flugzeug über dem Iran war, sind falsch.» Es habe sich um einen «nicht provozierten Angriff» im internationalen Luftraum gehandelt. Das unbemannte Flugzeug vom Typ «RQ-4A Global Hawk» sei von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden, als es in der Nacht zum Donnerstag über der Strasse von Hormus operiert habe.

Die Strasse von Hormus ist eine der wichtigsten Seestrassen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein grosser Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Erst in der vergangenen Woche hatten Angriffe auf zwei Öltanker in der Region die Spannungen zwischen Washington und Teheran erheblich angeheizt. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump macht den Iran dafür verantwortlich. Die Führung in Teheran weist das zurück.

Der saudische Staatsminister für Auswärtiges, Adel al-Dschubair, warnte, sollte der Iran die Strasse von Hormus sperren, werde es eine «sehr, sehr starke» Reaktion geben. Saudi-Arabien exportiert durch die Meerenge Erdöl. Al-Dschubair bekräftigte, sein Land wolle keinen Krieg mit dem Iran. Teheran müsse aber sein aggressives Verhalten ändern, sagte er vor Journalisten in London, wie der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete.

Riesige Drohne

Mit dem Abschuss der US-Drohne demonstrierte der Iran - der über das russische Raketenabwehrsystem S-300 verfügt - auch seine militärischen Fähigkeiten. Die Global-Hawk-Drohne ist nach Angaben des Herstellers Northrop Grumman für den Einsatz in extrem hohen Flughöhen konstruiert.

Die Drohne kann bis zu 19,8 Kilometer hoch fliegen - deutlich höher als Verkehrsflugzeuge. Das unbemannte Flugzeug ist knapp 15 Meter lang und hat eine Spannweite von 40 Metern. Zum Vergleich: Eine Boeing 737-700 kommt auf gut 33 Meter Länge und eine Spannweite von knapp 36 Metern.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen seit Monaten zu. Erst am Montag hatte das Pentagon angekündigt, weitere 1000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, um dort US-Soldaten und nationale Interessen der USA zu schützen. Bereits Ende Mai hatten die USA ihre Truppen im Nahen Osten wegen der «anhaltenden Bedrohung» durch iranische Kräfte um 1500 Soldaten verstärkt.

Zuvor hatte das US-Militär unter anderem einen Flugzeugträgerverband und eine Bomberstaffel in die Region verlegt. Im April hatte Trumps Regierung die iranischen Revolutionsgarden - die Eliteeinheit der Streitkräfte - als ausländische Terrororganisation eingestuft.

Atomstreit

Der Iran kündigte wiederum am Montag an, dass er bereits am Donnerstag kommender Woche eine im internationalen Atomabkommen mit dem Land festgelegte Obergrenze für Vorräte mit niedrig angereichertem Uran überschreiten werde. Zudem erklärte die Islamische Republik, umgehend bereit zu sein, auch das Anreicherungslimit von 3,67 Prozent zu brechen. Auf 90 Prozent hoch angereichertes Uran kann für Atombomben benutzt werden.

Sollte der Iran seine Verpflichtungen nicht mehr einhalten, könnte das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe bis zum Jahresende Geschichte sein. Das internationale Wiener Atomabkommen war im Juli 2015 geschlossen worden. Es sollte dem Iran mit strengen internationalen Kontrollen unmöglich machen, Atomwaffen zu entwickeln. Im Gegenzug stellten die Vertragspartner, vor allem die USA, einen Abbau von Sanktionen und eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen in Aussicht.

Trump war dann aber im vergangenen Jahr im Alleingang aus dem Atomabkommen ausgestiegen. Er versucht seitdem, Teheran mit massiven Wirtschaftssanktionen unter «maximalen Druck» zu setzen, um ein neues, strengeres und erweitertes Abkommen auszuhandeln. Der Iran lehnt das bislang ab. Trump und der oberste Führer der Islamischen Republik, Ajatollah Ali Chamenei, hatten erst vergangene Woche Verhandlungen ausgeschlossen. Vermittlungsbemühungen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Teheran blieben erfolglos.

Krieg im Jemen

Die USA werfen dem schiitischen Iran vor, Terror in der Region zu verbreiten - auch mit Hilfe verbündeter Gruppen wie den Huthi-Rebellen im Jemen. Saudischen Angaben vom Donnerstag zufolge griffen Huthi-Rebellen am Vorabend eine Entsalzungsanlage in Saudi-Arabien an. Verletzte oder Schäden gab es demnach nicht.

Im Jemen kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte und von den USA unterstützte Militärkoalition an der Seite der international anerkannten Regierung gegen die schiitischen Rebellen. Das sunnitische Saudi-Arabien - ein enger US-Verbündeter - betrachtet den schiitischen Iran als Erzfeind in der Region und befürchtet, dass Teheran seine Macht mit Hilfe der Huthis ausweiten könnte. (cma/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Trump will ein Politikwechsel im Iran

Video: srf

Abonniere unseren Newsletter

67 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Snowy
20.06.2019 11:34registriert April 2016
Man stelle sich vor, der Iran würde seine Drohnen vor der Küste Kaliforniens rumfliegen lassen...

Der Iran hätte riesige Militärbasen überall in Zentral-und Südamerika verteilt.
US-Militär gibt Entwarnung – Drohnenabschuss nicht in iranischem Luftraum 
Man stelle sich vor, der Iran würde seine Drohnen vor der Küste Kaliforniens rumfliegen lassen... 

Der Iran hätte riesige Militärbasen überall in Zentral-und Südamerika verteilt.
52838
Melden
Zum Kommentar
avatar
Tomtom64
20.06.2019 10:47registriert Januar 2014
Ja, ja ... zuerst dementieren die US überhaupt eine Drohne verloren zu haben und dann haben sie schwuppdiwupp die tolle Idee Iran vorzuwerfen die Drohne ausserhalb iranischem Luftraum abgeschossen zu haben. So sammelt man Gründe für militärisches Einschreiten.
44233
Melden
Zum Kommentar
avatar
wasihrnichtsagt
20.06.2019 11:25registriert April 2018
Genau, eine Spionagedrohne operiert natürlich nur in internationalen Räumen... 😂😂😂, einfach nur lächerlich. Warum kann man nicht eingestehen, dass man in einer solchen Krise Drohnen einsetzt? Weiss doch eh jeder...
39019
Melden
Zum Kommentar
67
Ignazio Cassis empfängt Israels Staatspräsident Isaac Herzog in Bern
Ende August wird in Basel in feierlichem Rahmen das 125-jährige Jubiläum des ersten Zionistenkongresses gefeiert, zu dem auch Israels Staatspräsident Isaac Herzog anreist. Jetzt bestätigt das Aussendepartement EDA gegenüber CH Media: Anlässlich des Besuchs kommt es in Bern zu einem Treffen zwischen Bundespräsident Ignazio Cassis und dem israelischen Staatsoberhaupt.

Rund 1200 Gäste kommen auf Einladung der World Zionist Organisation (WZO) am 28. und 29. August nach Basel. Am zweiten Tag findet abends ein feierliches Gala-Diner im Stadtcasino statt. An diesem Ort hatte genau 125 Jahre zuvor auf Einladung von Theodor Herzl der erste Zionistenkongress stattgefunden. 200 Persönlichkeiten aus der noch jungen zionistischen Bewegung verabschiedeten damals das Basler Programm, das «die Schaffung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina» zum Ziel hatte.

Zur Story