International
Iran

Augenzeugen: Massive Gewalt bei Protesten im Nordwesten Irans

Bildnummer: 53694993 Datum: 12.09.1974 Copyright: imago/Sven Simon
Mahabad im Iran, Landschaft , Highlight; 1974, Kurdistan, Mahabad; , quer, Kbdia, Totale, Stadtlandschaft, , , Asien

Bildnummer 5 ...
Die Stadt Mahabad im Iran.

Augenzeugen: Massive Gewalt bei Protesten im Nordwesten Irans

20.11.2022, 17:36
Mehr «International»

In der kurdischen Stadt Mahabad im Nordwesten des Irans ist es Augenzeugen zufolge bei Protesten zu massiver Gewalt gekommen. Demnach sollen Polizei- und Sicherheitskräfte am Samstagabend mit Panzern in die Stadt einmarschiert sein und wahllos auf Demonstranten geschossen haben. Auch der Strom in der Stadt wurde demnach kurzfristig abgeschaltet. Die Situation sei eskaliert - zahlreiche Einwohner wurden verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Unklar war, ob es auch Tote gegeben hat. Die Schilderungen liessen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Tasnim stellte die Situation anders dar: In der Nacht zum Sonntag hätten «bewaffnete Terroristen» Privathäuser und öffentliche Einrichtungen in Brand gesetzt und die ganze Stadt und deren Einwohner in Panik versetzt. Mehrere Anführer der «Terrorgruppen» hätten jedoch überführt und inhaftiert werden können, so der Tasnim-Bericht unter Berufung auf örtliche Sicherheitsbehörden.

Tausendfach in den sozialen Medien geteilte Videos zeigten Militärkonvois, die durch die Strassen fuhren. Die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtete von Helikoptern, die über dem Himmel der kurdischen Stadt kreisten. Ort und Zeit der Aufnahmen liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Medienberichten zufolge gab es am Samstagabend auch in anderen Teilen des Landes erneut Proteste gegen den repressiven Kurs der islamischen Führung.

Die iranische Justiz leitete unterdessen Medienberichten zufolge Ermittlungsverfahren gegen mehrere Prominente aus Politik, Film und Sport ein. Zwei ehemalige Abgeordnete, fünf Schauspielerinnen und ein Fussballtrainer wurden demnach zum Verhör einbestellt. Ihnen werde vorgeworfen, sich in den sozialen Medien «provokant und beleidigend» Offiziellen gegenüber geäussert zu haben.

Falls die Ermittlungen zu einer Anklage gegen die acht führen sollten, droht ihnen ein längerfristiges Arbeitsverbot. Alleine die Unterstützung für die systemkritischen Proteste, insbesondere von Prominenten in sozialen Medien, wird von der Justiz als Gefährdung der nationalen Sicherheit bewertet. Die iranische Führung sieht in den Protesten eine westliche Verschwörung mit dem Ziel, einen Regimewechsel in dem Land einzuleiten. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Gesichter des Protestes gegen das Regime in Iran
1 / 19
Die Gesichter des Protestes gegen das Regime in Iran
Der Auslöser für die Proteste war der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini. Die 22-Jährige starb wohl, weil sie ihr Kopftuch nicht so getragen hatte, wie die iranischen Mullahs und das iranische Gesetz es für Frauen vorsehen. Die genauen Umstände ihres Todes sind noch unklar. Amini wurde zu einer Ikone im Kampf für Freiheit.
quelle: keystone / abedin taherkenareh
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Feuer bei Protesten im Iran
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
Iran beschlagnahmt erneut ausländischen Tanker

Die Marineeinheiten der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) im Persischen Golf haben erneut einen ausländischen Öltanker festgesetzt. Der Tanker unter der Flagge Togos habe über 1,5 Millionen Liter illegales Gasöl transportiert, erklärte die IRGC in der südiranischen Provinz Buschehr. Die zwölf ausländischen Besatzungsmitglieder des Öltankers, die hauptsächlich aus Indien und Sri Lanka stammen, seien vorläufig festgenommen worden, so die IRGC laut Nachrichtenagentur Isna. Weitere Angaben zu dem Vorfall sollten später bekanntgegeben werden.

Zur Story