Bericht: Vance zweifelt zunehmend an Kriegs-Darstellung des Pentagons
US-Vizepräsident JD Vance äussert offenbar zunehmend intern Zweifel an der Darstellung des Pentagon zum Krieg gegen den Iran. Das berichtet das Magazin «The Atlantic» unter Berufung auf mehrere Regierungsbeamte. In Gesprächen habe er hinterfragt, ob das Verteidigungsministerium die Lage beschönige und den Schwund wichtiger US-Waffenbestände unterschätze. Vance soll seine Bedenken auch Präsident Donald Trump vorgetragen haben.
Das Pentagon, das unter Trump den Titel «Kriegsministerium» bekommen hat, weist die Vorwürfe zurück. Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine betonen öffentlich, die US-Arsenale seien weiterhin gut gefüllt, die Schäden für den Iran erheblich. Ein Sprecher erklärte, man liefere dem Präsidenten ein «vollständiges, unverfälschtes Bild». Auch aus dem Weissen Haus heisst es, kritische Nachfragen gehörten zum normalen Entscheidungsprozess.
USA verfeuern offenbar Unmengen an teurer Munition
Intern zeichnet sich jedoch ein differenzierteres Bild ab. Dem Bericht zufolge warnen einige Berater, dass der Verbrauch zentraler Waffensysteme – darunter Abfangraketen und Marschflugkörper – die Einsatzfähigkeit der USA in anderen Konflikten gefährden könnte.
Schätzungen zufolge könnte bereits mehr als die Hälfte bestimmter Munitionsbestände aufgebraucht sein. So berichtete die «New York Times» am vergangenen Donnerstag, dass seit Beginn der US-Angriffe auf den Iran Ende Februar rund 1'100 Stealth-Marschflugkörper mit hoher Reichweite, gut 1'000 Tomahawk-Marschflugkörper, mehr als 1'200 Patriot-Flugabwehrraketen sowie mehr als 1'000 bodengestützte Precision-Strike- und ATACMS-Raketen verschossen worden sein sollen.
Diese Reserven wären im Ernstfall auch für mögliche Konflikte mit China, Russland oder Nordkorea entscheidend. Im Falle der Stealth-Marschflugkörper beliefen sich die berichtete Menge laut der Zeitung auf fast das gesamte Arsenal. Bei den Tomahawks entspreche die Zahl etwa der zehnfachen Jahresproduktion. Allein eine Patriot-Rakete kostet zudem mehr als vier Millionen US-Dollar. Die «New York Times» berief sich dabei auf interne Schätzungen des Pentagon sowie Angaben von Kongressabgeordneten.
Vance will Streit wohl nicht auf persönliche Ebene heben
Auch Geheimdienstbewertungen widersprechen der optimistischen Darstellung des Pentagon. Demnach verfügt der Iran weiterhin über grosse Teile seiner Luftwaffe und Raketenkapazitäten. Auch strategisch wichtige Fähigkeiten, etwa im Persischen Golf, seien intakt. Ein Insider bezeichnete diese Bedrohungen als entscheidend für den weiteren Verlauf des Konflikts.
Vance bemüht sich laut Vertrauten, den Konflikt nicht auf eine persönliche Ebene zu heben, so «The Atlantic». Öffentlich stellte er sich hinter Hegseth und erklärte, dieser mache «einen grossartigen Job». Dennoch halten einige Beobachter die positiven Darstellungen des Pentagon für politisch motiviert. Sie könnten darauf abzielen, Trumps optimistische Sicht auf den Krieg zu stützen.
Der Konflikt berührt auch politische Interessen. Vance galt schon vor Kriegsbeginn als skeptisch gegenüber einem militärischen Eingreifen und warnte vor langfristigen Folgen. Zugleich werden ihm Ambitionen für eine Präsidentschaftskandidatur 2028 nachgesagt. Auch Hegseth werden politische Pläne nachgesagt, was die Spannungen zusätzlich verschärfen könnte.
Der Krieg selbst entwickelt sich unterdessen weniger eindeutig als zunächst dargestellt. Trotz anfänglicher militärischer Erfolge der USA und Israel gibt es derzeit eine Art Pattsituation. Die Verhandlungen stocken weiterhin. Zuletzt sorgte die Lage im Persischen Golf erneut für Aufsehen, als iranische Kräfte Handelsschiffe festsetzten. Beobachter sehen darin ein Zeichen, dass Teherans Militär weiterhin handlungsfähig ist. (t-online/con)
Verwendete Quellen:
- theatalantic.com: "Vance Doubts the Pentagon’s Depiction of the Iran War" (Englisch)
- nytimes.com: "Iran War Has Drained U.S. Supplies of Critical, Costly Weapons" (Englisch)

