Iraner flüchteten aus brennendem Basar – dann schoss die Polizei auf sie
«Sicherheitskräfte» der Islamischen Republik Iran haben in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar auf Dutzende Demonstrierende in der Grossstadt Rascht geschossen, als diese aus dem brennenden Basar flüchteten.
Dies berichtet die Washington Post mit Berufung auf vier Augenzeugen. Bereits zuvor gingen in Rascht, der rund 700'000 Einwohner zählenden Hauptstadt der iranischen Provinz Gilan am Kaspischen Meer, Menschen auf die Strasse, um den Sturz des Mullah-Regimes zu fordern.
Als am 8. Januar nach einem Protestaufruf von Irans im Exil lebenden Kronprinzen Reza Pahlavi landesweit Hunderttausende demonstrierten, kam es in Rascht gemäss Augenzeugen zu einem Massaker. Pahlavi rief dazu auf, ab 20 Uhr auf die Strasse zu gehen. Ein Augenzeuge sagte:
Es sei relativ ruhig geblieben, bis nach 20.30 Uhr «Sicherheitskräfte» begonnen hätten, direkt auf die Menschen zu schiessen. Zuvor hätten sie versucht, die Protestierenden mit Tränengas zu vertreiben, was erfolglos blieb.
Iranian security forces gunned down dozens of protesters trying to escape a devastating blaze in the Caspian Sea city of Rasht during a nationwide uprising earlier this month, according to witness accounts provided to The Post.https://t.co/TDiGWXAC2b
— The Washington Post (@washingtonpost) January 26, 2026
Gegen 21 Uhr fing der historische Basar von Rascht, der sich unter freiem Himmel befindet, aus unbekannten Gründen Feuer. Demonstrantinnen und Demonstranten hatten sich dort vor «Sicherheitskräften» des Regimes versteckt. Auf der Flucht vor den Flammen liefen sie uniformierten Bereitschaftspolizisten und solchen in ziviler Kleidung entgegen, die zu Fuss oder auf Motorrädern Jagd auf die Demonstrierenden machten.
Die «Sicherheitskräfte» waren mit Schrotflinten oder Sturmgewehren bewaffnet, berichtet einer der Augenzeugen. Sie hätten direkt auf die Demonstrierenden geschossen.
Die Polizisten sollen auch die Feuerwehr blockiert haben, berichten zwei Augenzeugen. Gemäss «Washington Post» brannten über 30 Geschäfte im Basar sowie ausserhalb an der Schariati-Strasse. Erst nach 1 Uhr nachts sollen Feuerwehrleute Zutritt zum Basar erhalten haben, berichtet Augenzeuge Saman.
Medizinische Daten aus Rascht und umliegenden Orten, die die «Washington Post» erhielt, zeigen für die zwei Tage über 80 Tote allein in den zwei Spitälern der Stadt. Die Menschenrechtsorganisation HRANA mit Sitz in den USA dokumentierte in Rascht 392 Todesfälle, alle vom 8. Januar oder den Tagen danach. Eine unbekannte Zahl an Demonstrierenden wurde festgenommen. Ihr Schicksal ist unbekannt.
Neuste Schätzungen des US-Magazins «Time» sprechen von bis zu 30'000 Toten landesweit. Sie berufen sich auf zwei ranghohe Beamte des iranischen Gesundheitsministeriums. Die meisten Demonstrantinnen und Demonstranten wurden wohl am 8. und 9. Januar getötet. Iran International – einer der beiden wichtigsten iranischen Fernsehsender im Exil – spricht von mindestens 36'500 Toten.
