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epa07490286 Benny Gantz, former Israeli army chief of staff and candidate for prime minister of the Blue and White centrist political party, rides on a Harley-Davidson motorcycle, accompanied by some 100 motorcyclists, during the final stage of his electoral campaign in Tel Aviv, Israel, 07 April 2019. According to media reports, pre-election polls predict a tight race between Gantz and incumbent prime minister Netanyahu. Israel will go to the polls on 09 April 2019.  EPA/ABIR SULTAN

Benny Gantz mit der Harley-Davidson auf der Wahlkampf-Tour. Bild: EPA/EPA

Benny Gantz – Wie es der 1.95 Meter grosse Hüne mit Netanjahu aufnehmen will



Der ehemalige Generalstabschef Benny Gantz ist bei der anstehenden Parlamentswahl in Israel der gefährlichste Herausforderer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In letzten Umfragen lieferten sich die Parteien der beiden Politiker ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gantz inszeniert sich im Schlussspurt des Wahlkampfs als knallharter Aussenpolitiker mit einem liberalen Gesellschaftsbild.

Seit der Ankündigung seiner Kandidatur für die Mitte-rechts-Liste Blau-Weiss im Dezember war der 59-Jährige in Umfragen zu Netanjahus Hauptgegner aufgestiegen. Gantz' Vergangenheit als Armeechef entpuppte sich dabei als grösster Trumpf des bislang politisch Unerfahrenen, denn viele Israelis identifizieren sich über Parteigrenzen hinweg mit ihren Soldaten.

epa07480989 Benny Gantz, former Israeli Army Chief of Staff and chairman of the Blue and White Israeli centrist political party reacts as he speaks to a packed-house in an election campaign event in Tel Aviv, Israel, 02 April 2019. Gantz spoke in English to a packed-house, answering a wide variety of questions in a town hall style event, in the lead-up to the Israeli general elections to be held on 09 April 2019.  EPA/JIM HOLLANDER

Gantz ist Netanjahus gefährlichster Gegner. Bild: EPA/EPA

Mit Jizchak Rabin und Ehud Barak wurden bereits zwei ehemalige Generalstabschefs ins Amt des Regierungschefs gewählt.

Das macht sich Gantz - ein Hüne mit einer Körpergrösse von 1.95 Metern und blauen Augen - im Kampf gegen Netanjahu zunutze. Während er einst eine Spezialeinheit der israelischen Luftwaffe unter Lebensgefahr auf feindlichem Gebiet in den Kampf geführt habe, sei Netanjahu «mit Mut und Entschlossenheit» durch Fernsehshows getingelt, sagte Gantz im Februar bei einem Wahlkampfauftritt.

Sehnsucht nach Alternative zu Netanjahu

Das ist die eine Seite des Politikneulings Gantz: der unerbittliche Verteidiger Israels. Die andere Seite sind liberale Ansichten in gesellschaftlichen und religiösen Fragen. Vor allem aber verkörpert der verheiratete Vater von vier Kindern die von zahlreichen Wählern ersehnte Alternative zu Netanjahu.

epa07482273 A man walks with his dog between election campaign billboards of Prime Minister and leader of the Likud party Benjamin Netanyahu (L) and leaders of the Blue and White party Benny Gantz (2-R) and Yair Lapid (3-R) and Moshe Ya'alon (R), in Tel Aviv, Israel, 03 April 2019. Israelis will go to the polls on 09 April.  EPA/ABIR SULTAN

Wahlkampfplakate in Tel Aviv. Bild: EPA/EPA

Dementsprechend verweist Gantz immer wieder auf die Bestechungsskandale des Ministerpräsidenten. Zugleich verspricht er «null Toleranz» bei Korruption.

Gantz wurde am 9. Juni 1959 in einem Dorf im Süden Israels geboren. Seine Eltern waren Holocaust-Überlebende und hatten die Ortschaft Kfar Ahim einst mit aufgebaut.

Die Geschichte seiner Eltern prägte Gantz. «In vielerlei Hinsicht hat mein Leben schon vor meiner Geburt begonnen», sagte er im Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz. «Mein Leben hat begonnen, als meine Mutter aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen herauskam.»

Mutter überlebte den Holocaust

Aus dieser Geschichte habe er seine politische Grundüberzeugung abgeleitet: «Das jüdische Volk und der jüdische Staat werden nie wieder ihr Schicksal in die Hände anderer legen. Wir werden uns selbst beschützen und die Zukunft unseres Volkes sichern.»

1977 wurde Gantz in die Armee eingezogen und machte dort rasch Karriere. Er befehligte die Spezialeinheit Schaldag und leitete zunächst eine Brigade, dann eine Division im besetzten Westjordanland.

Zwischen 2005 und 2009 diente er als Militärattaché in den USA. Von 2011 bis 2015 war er Generalstabschef - und leitete in dieser Funktion zwei Kriege Israels im Gazastreifen.

Nicht gegen Verhandlungen mit Arabern

In einem Wahlkampfvideo rühmt sich Gantz wegen der hohen Zahl von «Terroristen», die während des Gaza-Kriegs im Jahr 2014 getötet worden seien. In einem weiteren Video erklärte er aber auch, es sei keine «Schande», mit den Arabern über Frieden zu verhandeln.

Unklar bleibt die Liste Blau-Weiss mit Blick auf eine mögliche Lösung des Nahost-Konfliktes. Israel und Palästinenser sollten getrennt werden - aber die Zweistaatenlösung wird nicht erwähnt. Netanjahus Ankündigung vom Samstag, im Falle eines Wahlsieges Gebiete mit jüdischen Siedlungen im Westjordanland zu annektieren, verurteilte Gantz als billige Wahlkampfmasche.

epa07250348 (FILE) - Israel's Chief of Staff Lieutenant-General Benny Gantz (C) salutes during a ceremony honoring the  fallen Israeli soldiers at the Mount Herzl military cemetery in Jerusalem, Israel, 10 April 2013 (reissued 27 December 2018). Reports state Gantz will run in the next elections after the heads of the coalitions at the Israeli parliament agreed on 24 December to dissolve the Israeli parliament and go to early elections on 09 April 2019.  EPA/ABIR SULTAN

Benny Gantz ist ehemaliger Generalstabschef. Bild: EPA/EPA

Er werde sich um ein Friedensabkommen bemühen, das «in der Region und weltweit Unterstützung findet», sagte der ehemalige Fallschirmjäger zu seiner eigenen Haltung in der Frage. Dabei werde er auf seinen Prinzipien beharren, wie etwa den Fortbestand der israelischen Siedlungen im Westjordanland.

In vielen Fragen gibt es ebenfalls nur graduelle Unterschiede zwischen Gantz und Netanjahu, die beide um die Wähler der rechten Mitte konkurrieren. So ist auch für Gantz die jetzt von den USA anerkannte israelische Annexion der syrischen Golanhöhen nicht verhandelbar.

Gegner werfen dem 59-Jährigen vor, sein Angebot an die Wähler sei wie ein «Supermarkt», in dem sich jeder heraussuchen könne, was er gerade haben wolle. (sda/afp)

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gogl Vogl 09.04.2019 10:59
    Highlight Highlight GANTZ!

    Benutzer Bild
  • Lisaleh 08.04.2019 05:50
    Highlight Highlight Ist Gantz wirklich mitte-rechts? Wir bezeichnen ihn hier eher mitte-links. Ist dies ein Übersetzungsfehler oder bewusst so gewählt? Ich hoffe er wird morgen nach der Wahl eine Regierung bilden können & Bibi in Pension schicken. Es bleibt spannend... Bibis versprechen mit den Settlements halte ich für nichts weiteres als heisse Luft um noch ein paar Stimmen mehr zu kaufen, denn auch er weiss es wird eng.
    • *klippklapp* 08.04.2019 12:30
      Highlight Highlight Mitte-links ist also einer, der es Diebstahl von Land rechtfertigt?
      Mitte-links ist also einer, der ausgeschlossen hat, mit einer arabischen Partei zu koalieren?
      Mitte-links ist also einer, der sich damit rühmt Zivilisten in Gaza umgebracht zu haben?

      Das man einen Gantz in Israel mitte-links nennt, zeigt nur, wie weit das Spektrum nach rechts verschoben ist.

      Gesellschaftsliberal zu sein (Legalisierung von Cannabis, Frauenrechte unterstützen, ...) hat nicht zwingend etwas damit zu tun links zu sein.

      Links sein, heisst auf die Gleichheit hinzuarbeiten und Machtstrukturen zu hinterfragen.
    • Lisaleh 08.04.2019 17:20
      Highlight Highlight @*klippklapp* Politiker sagen noch viel wenn der Tag lang ist. Vielleicht hat er mal gesagt, dass er nicht mit Arabern in der Regierung sitzen will. Wollen die Araber überhaupt in der Regierung sein? Eine der zwei Gruppen möchte dies gar nicht. Ob sie dieses Mal überhaupt in die Knesset kommen ist leider offen, da sich letztens in zwei geteilt haben, was es schwieriger macht die 3.25% Hürde zu schaffen.
    • Lisaleh 08.04.2019 17:27
      Highlight Highlight Nummer 2.
      Gantz hat definitiv nicht gesagt, dass er stolz ist Zivilisten zu töten. Terroristen ja. Hamas wurde zwar demokratisch gewählt, hat dann die Demokratie aber abgeschafft. In den Schulen dort hängen Landkarten ohne Israel. So wird es natürlich schwierig ein miteinander zu verhandeln. Die Lage hier ist eine andere, als in der Schweiz. Hier kann man mit Links trotzdem pro Militär sein, weil es ohne Militär leider nicht geht. Für mich heisst Links, wieder anfangen mit Ramallah zu sprechen, oder sogar vermehrt mit anderen arabischen Staaten, da der bilaterale Weg nicht funktioniert.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Astrogator 08.04.2019 02:31
    Highlight Highlight Ich denke - hoffe - mit Ausnahme der Ultraorthodoxen wollen Israeli Frieden. Da wird Gantz wohl die bessere Wahl sein als ein korrupter Kriegstreiber.

    Und wieso man auf die Ultraorthodoxen Siedler überhaupt soviel Rücksicht nimmt ist mir eh ein Rätsel. Schlussendlich sind sie die Quelle der nicht enden wollenden Gewaltspirale, sind aber gleichzeitig zu feige für den Militärdienst. Mit ihrem religiösen Fundamentalismus nehmen sie einen ganzen Staat in Geiselhaft, die Suppe auslöffeln sollen dann aber andere.
    • Asmodeus 08.04.2019 07:41
      Highlight Highlight Auch Gantz will jedoch nicht aus den besetzten Gebieten raus.
    • Astrogator 08.04.2019 07:53
      Highlight Highlight @Asmodeus: Was anderes im Wahlkampf zu sagen wäre wohl politischer Selbstmord, er will immerhin mit der Gegenseite verhandeln. Mal schauen was dabei rauskommt, dass auch Israel Zugeständnisse machen muss wird ihm klar sein.
    • Smeyers 08.04.2019 12:02
      Highlight Highlight @Astrogator; das sind zwei verschiedene Gruppen Orthodoxe und Siedler. Mit nicht immer gleichen Zielen.

      Nethanyahu kann man mögen oder nicht, Kriegstreiber sind PLO und Hamas die an Terroristen und ihren Hinterbliebenen Prämien bezahlen. Ganz zu schweigen von Assad der Palästinser im eigenen Land zu Zehntausenden umbringt.
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