Stadler-Tram entgleist in Mailand – 2 Tote und rund 40 Verletzte
Der Unfall ereignete sich am Freitag kurz nach 16 Uhr im Zentrum von Mailand. Ein Tram der Linie 9 war auf einer breiten Allee unterwegs, als es an einer Weiche plötzlich von der vorgesehenen Strecke abkam. Das Fahrzeug entgleiste und prallte mit hoher Geschwindigkeit in die Ecke eines Gebäudes. Dabei wurden eine Ampel umgerissen und die Fensterfront eines Restaurants zerstört.
Augenzeugen berichten, das Tram sei «sehr schnell» unterwegs gewesen. «Ich dachte zuerst an ein Erdbeben», sagte ein Passagier. «Ich sass auf meinem Platz und landete plötzlich auf dem Boden.» Neben ihm habe ein Mann stark aus einer Kopfwunde geblutet. Eine weitere Passagierin schilderte, das Tram habe unerwartet abgedreht und beschleunigt, bevor es in das Gebäude fuhr. «Alle sind durcheinander geschleudert worden.»
Zwei Todesopfer, mehrere Schwerverletzte
Bei dem Unglück kamen zwei Männer ums Leben. Einer war Jahrgang 1966, der zweite war nach Angaben der Behörden obdachlos und zunächst nicht identifiziert. Rund 40 Menschen wurden verletzt, mehrere davon schwer. Sie wurden in verschiedene Spitäler der Stadt gebracht.
Einige Personen waren im Innern des Trams eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Unklar ist, ob sich zum Zeitpunkt des Unfalls Personen auf der Fahrbahn befanden und der Fahrer deshalb ein Brems- oder Ausweichmanöver einleitete.
Zahlreiche Rettungskräfte standen im Einsatz, darunter Ambulanzen, Feuerwehr und Polizei. Auch der Mailänder Stadtpräsident sowie Vertreter der Staatsanwaltschaft erschienen am Unfallort.
Technische Panne oder gesundheitliches Problem?
Beim verunfallten Fahrzeug handelt es sich um ein neues Trammodell der schweizer Firma Stadler, das erst seit wenigen Wochen in Mailand im Einsatz ist. Es ist rund 25 Meter lang, verfügt über zwei Führerstände und bietet Platz für 66 sitzende Passagiere.
Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf zwei mögliche Ursachen: Entweder erlitt der Fahrer ein gesundheitliches Problem oder es kam zu einer technischen Störung an der Weiche. Diese wurde nach dem Unfall in einer Stellung vorgefunden, die eine Abbiegung vorsieht, obwohl das Tram geradeaus hätte weiterfahren sollen. Die Weiche kann normalerweise nur vom Fahrer aktiviert werden, wie die italienische Zeitung «Corriere della Sera» berichtet.
Anteilnahme und laufende Ermittlungen
Die zuständige regionale Notfallorganisation teilte mit, dass mehrere Notarztfahrzeuge, über ein Dutzend Ambulanzen sowie spezielle Koordinationsfahrzeuge für Grossereignisse im Einsatz standen.
Das Mailänder Verkehrsunternehmen zeigte sich in einer Stellungnahme «tief erschüttert» über den schweren Unfall. Man arbeite eng mit den Justizbehörden zusammen, um die genaue Ursache und den Ablauf des Geschehens zu klären. Die Gedanken seien bei den Angehörigen der Opfer und bei den Verletzten.
Wie es zu dem folgenschweren Unfall kommen konnte, ist Gegenstand laufender Ermittlungen. (mke)
