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Julian Assange

Anhörung im Assange-Prozess – Proteste vor Gerichtsgebäude

Ist Assange Journalist oder Verbrecher? US-Anwalt: Er brachte Menschen in Gefahr

24.02.2020, 14:3324.02.2020, 16:13
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Supporters hold signs which read 'Freedom for Julian Assange' and 'No extradition, free Julian Assange' as they protest against the extradition of Wikileaks founder Julian Assange  ...
Vor dem Prozess kommt es zu Protesten.Bild: AP

Journalist oder Verbrecher? Am ersten Tag im Prozess über den Auslieferungsantrag für Julian Assange hat der Anwalt der US-Regierung dem Wikileaks-Gründer die Gefährdung von Menschenleben vorgeworfen.

Durch die illegale Veröffentlichung sensibler Daten seien US-Informanten in Ländern wie dem Irak oder Afghanistan in Gefahr gebracht worden, gefoltert oder getötet zu werden, sagte James Lewis beim Prozessauftakt vor dem Woolwich Crown Court am Montag in London.

Die US-Justiz wirft dem gebürtigen Australier vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning - damals Bradley Manning - geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft.

Seine Unterstützer sehen in den Vorwürfen einen Angriff auf die Pressefreiheit. Dutzende Demonstranten hatten sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt und forderten lautstark die Freilassung des 48-Jährigen. «Schiesst nicht auf den Überbringer der (schlechten) Botschaft, lasst Assange frei», stand zum Beispiel auf einem Plakat. Auch Prominente waren darunter, wie die Schauspielerin Sadie Frost und die Modeschöpferin Vivienne Westwood.

Lärm vor Gerichtssaal

epa08243433 Supporters of Wikileaks founder Julian Assange protest in front of the Woolwich Crown Court in London, Britain, 24 February 2020. Assange is facing possible extradition to the US on 18 cha ...
Bild: EPA

Assange selbst kam nur kurz zu Wort. Er trug einen grauen Anzug und bestätigte seinen Namen und sein Geburtsdatum. Später klagte er, er könne sich wegen des Lärms vor dem Gerichtssaal nicht konzentrieren.

Assange hatte sich aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden aber später eingestellt. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstossen hatte. Er wurde zu einem knappen Jahr Gefängnis verurteilt.

Die Anhörungen sind zunächst für eine Woche geplant und sollen dann erst am 18. Mai für weitere drei Wochen fortgesetzt werden. Assange sitzt zurzeit im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Osten Londons.

Julian Assange in der Botschaft Ecuadors festgenommen

Video: srf

Eine Auslieferung Assanges an die USA wäre nach Ansicht der Organisation Reporter ohne Grenzen «ein Angriff gegen die Pressefreiheit». Der Uno-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörden in Grossbritannien, Schweden, den USA und Ecuador. In seinen Augen wurde an Assange ein Exempel statuiert, um Journalisten einzuschüchtern. (aeg/sda/dpa)

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Chrisbe
24.02.2020 14:42registriert Oktober 2019
Da steht der Rechtsstaat und die Pressefreiheit auf der Probe, nicht mehr und nicht weniger...
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TheManoure
24.02.2020 18:12registriert Oktober 2017
Das mag ich so überhaupt nicht an den Amis. Sie foltern und töten rund um die Welt und anschliessend stellen sie sich mit ernstem Gesicht vor die Kamera und sagen "Der Whistleblower hat Leben gefährdet (weil er die verdeckten Verbrechen veröffentlichte) und gehört deshalb bestraft". Und so ein Staat will das Leuchtfeuer der freien Welt sein...
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homo sapiens melior
24.02.2020 18:32registriert Februar 2017
Sagt Australien auch mal irgendwas dazu? Weil er ja Australier ist. Oder stecken sie den Kopf in den Sand, weil sie die USA fürchten? Weiss jemand etwas dazu, wie die Ansichten in seinem Heimatland sind?
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