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A visitor rests at the COP25 climate talks congress in Madrid, Spain, Saturday, Dec. 14, 2019. The United Nations Secretary-General has warned that failure to tackle global warming could result in economic disaster. (AP Photo/Manu Fernandez)

Ein Besucher ruht sich beim Klima-Kongress COP25 in Madrid aus. Bild: AP

Zähe Verhandlungen und offene Wut am Klimagipfel – darum sind Umweltschützer entsetzt



Bei der Weltklimakonferenz sind auch einen Tag nach dem geplanten Ende die Gräben zwischen den Staaten tief. Neue Textentwürfe provozierten am Samstag in Madrid einen Aufschrei bei Umweltschützern und Entwicklungshelfern.

Auch viele der knapp 200 Länder lehnten die Kompromissvorschläge ab. So fehlte im Entwurf für die Abschlusserklärung etwa eine nachdrückliche Aufforderung, im Jahr 2020 die Ziele beim Einsparen von Treibhausgasen zu erhöhen – vor allem für Staaten, die schon jetzt mit fatalen Folgen des Klimawandels kämpfen, ist das ein Knackpunkt.

Eigentlich hätte schon am Freitagabend Schluss sein sollen. Dass Uno-Klimaverhandlungen länger dauern als angekündigt, ist aber normal. 196 Staaten und die EU arbeiten seit zwei Wochen in Madrid an der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, mit dem die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden soll. Derzeit reichen die Fortschritte und Ankündigungen der Staaten dafür längst nicht aus.

«Menschen rund um die Welt müssen sich erheben, um den Planeten zu retten.»

Entwicklungshelfer

Was kritisiert wird

Im neuen Text ist lediglich eine Erinnerung an das Pariser Abkommen enthalten, das eine Aktualisierung der Zusagen für 2020 vorsieht - ohne Frist oder Appell, auch wirklich etwas draufzulegen. Die Vertreterin der EU sagte im Plenum, ohne ein starkes Signal für mehr Ehrgeiz im Klimaschutz könne man die Konferenz nicht verlassen. «Das erwartet die Aussenwelt von uns, und wir müssen ihre Rufe hören.» Ein Sprecher der deutschen Umweltministerin Svenja Schulze betonte, dass auch die Bundesregierung mehr fordere.

Auch viele andere Staaten klagten über zu schwache Formulierungen. Der Leiter der Schweizer Delegation, Franz Perrez, sagte gegenüber der «Tagesschau» von SRF, es sei besser dieses Jahr keine Einigung beim CO2-Handel zu erzielen, als eine schlechte. «Wenn wir einen Beschluss fassen, der voller Schlupflöcher ist, werden wir diese Schlupflöcher nicht mehr los.»

Auch viele andere Staaten klagten über zu schwache Formulierungen. Brasilien, die USA, Saudi-Arabien und andere, die als Bremser genannt werden, zeigten sich unzufrieden - aber zu anderen Themen.

Am späten Nachmittag wurde den Staaten ein neuer, ehrgeizigerer Textentwurf vorgelegt, wie Andrés Landerretche, Koordinator der chilenischen Regierung für die Konferenz, sagte. Die Abschlusserklärung wurde frühestens bis 22 Uhr erwartet.

Die Wut ist gross

Mit grosser Wut reagierten Umweltschützer und Entwicklungshelfer auf die Vorschläge. «Heute in Madrid haben es die Regierungen versaut», sagte Mohamed Adow von Christian Aid. «Und Menschen rund um die Welt müssen sich erheben, um den Planeten zu retten.» Der Vorschlag werfe die Staaten um vier Jahre zurück - 2015 war das Klimaabkommen von Paris verabschiedet worden. BUND-Chef Olaf Bandt sagte, es sei «schwer erträglich zu beobachten, wie viele Regierungen sich hier auf der Klimakonferenz vor ihrer Verantwortung drücken». Der WWF nannte die Vorschläge «inakzeptabel».

Die Leiterin der Klimakonferenz, Chiles Umweltministerin Carolina Schmidt, drängte die Staaten, konstruktiv zu verhandeln: «Wir sind in der Verlängerung. Wir müssen der Aussenwelt zeigen, dass wir liefern, dass Multilateralismus funktioniert», sagte sie. Damit ist die weltweite Zusammenarbeit von Staaten gemeint.

Gegen faulen Kompromiss

Es geht dieses Jahr bei den Verhandlungen auch darum, das Regelwerk für den internationalen Klimaschutz weitgehend abzuschliessen. Vor einem Jahr gelang keine Einigung auf Regeln, nach denen Staaten mit Klimaschutz-Gutschriften handeln können. Wenn diese Regeln nicht gut gemacht sind, könnten sie den Klimaschutz eher ausbremsen als fördern – darum vertritt unter anderem Deutschland die Position, eine Einigung lieber zu vertagen, als einen faulen Kompromiss zu akzeptieren. «Selbst wenn wir das hier nicht abschliessen können, dann ist das kein Scheitern der Konferenz», hatte Schulze dazu gesagt.

Ein drittes grosses Streitthema ist die Forderung ärmerer Länder nach mehr Unterstützung von den reichen Industriestaaten. Dabei geht es diesmal vor allem um Schäden, die Extremwetter wie Stürme, Dürren und Starkregen jetzt schon anrichten. Durch den Klimawandel werden diese noch verstärkt.

Harjeet Singh von der Hilfsorganisation Action Aid sagte, die USA blockierten hier – aber auch die EU, Australien und Kanada seien nicht bereit, mehr zu tun. «Wir sehen keinen Fortschritt bei der Finanzierung. Wir können nicht einfach ständig Ambitionen der Entwicklungsländer fordern, ohne Geld auf den Tisch zu legen.»

(dsc/sda/dpa)

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 15.12.2019 10:52
    Highlight Highlight Ich bedaure alle jungen Leute und deren Kinder! Die Menscheit ist viel zu egoistisch und zu dumm etwas zu verändern. Klimaschutz und Konsumwahn vertragen sich nicht.
  • Mirko Timm 15.12.2019 07:12
    Highlight Highlight Ich kann das nicht ernst nehmen. Denen ist doch die Umwelt egal. Es gibt ein synthetischen Diesel den könnten alle aktuellen Dieselautos tanken. Man könnte damit 65 Prozent co2 einsparen gegenüber normalen Diesel. Aber er bekommt in Deutschland keine Zulassung weil sie auf e Mobilität setzen. Also ein scheiss geben die auf die umwelt
  • RemZug 15.12.2019 06:56
    Highlight Highlight Nachhaltiges Bild mit einer einweg Fast Food Schachtel
    Benutzer Bild
    • Wandervogel 15.12.2019 07:44
      Highlight Highlight Was willst du damit sagen? Dass jemand der sich für das Klima einsetzt, kein einziges Produkt kaufen darf, dass nicht nachhaltig ist oder klimaneutral ist?

      Dieser extrem überdrehten Logik zufolge darf kein einziger SVP-Wähler ein Produkt kaufen, dass im Ausland produziert wurde, im Ausland günstiger zu kaufen wäre, oder mit Stoffen aus dem Ausland bestückt ist. Schliesslich will man ja die CH-Wirtschaft schützen.

      Das ist einfach nur schwarz/weiss Polemik und keiner Sache dienlich.
  • B. Bakker 15.12.2019 01:14
    Highlight Highlight Schon erstaunlich. Die Streiks, usw. findet man immer als Headliner auf der Titelseite. Wenn es aber um die überaus wichtige Klimakonferenz geht, bei welcher tatsächlich Weichen weltweit gestellt werden könnten, und diese Konferenz in einem Fiasko endet, dann finde ich die News irgendwo weiter unten.
  • Linus Luchs 14.12.2019 22:27
    Highlight Highlight Was sich in Madrid im internationalen Rahmen zuträgt, ist diese Woche auch schon bei der Bundesratswahl in Bern passiert. Die neoliberale Seilschaft blockiert die Partizipation ökologischer Kräfte an der Macht. Wenn die Menschen etwas gegen den Kurs in Richtung Abgrund tun wollen, müssen sie noch viel lauter werden.
    • Echt jetzt? 15.12.2019 08:42
      Highlight Highlight Wenn das Ziel nur mit Verboten und Gebühren statt mit Förderung erreicht werden soll, dann ist ein Ausschluss gewisser Kräfte denkbar.
      Die Bevölkerung mit Verboten zu neuen Investitionen zu zwingen ist der falsche Weg. Wenige können sich das leisten. Wenn die Ziele erreicht werden sollen, dann bitte mit Fördergeldern für E-Autos, Heizungen, Solaranlagen, Haussanierungen etc.
  • Spooky 14.12.2019 22:12
    Highlight Highlight Echt jetzt!
    Gibt es Leute, die dieses Klimazeugs ernst nehmen?
    • ich ich ich 15.12.2019 10:01
      Highlight Highlight auch du wirst das früher oder später.
      wer es jetzt (aus intellektuellen oder egoistischen gründen) nicht verstehen kann/will wird es spätestens in einigen jahrzehnten mit allen menschen auf diesem planeten so richtig zu spüren bekommen.
  • Andre Buchheim 14.12.2019 19:42
    Highlight Highlight Solange die Lobbykratie gegen die Interessen der Mehrheit der Menschen arbeitet, ist das die logische Folge. Wir müssen mehr zusammenhalten und unseren Willen demonstrieren. Nur gemeinsam retten wir die Welt.
  • Turicum04 14.12.2019 19:30
    Highlight Highlight Jetzt muss die Schweiz sofort handeln und eine Vorreiterrolle übernehmen: Eine Schweiz ohne Flugzeuge, ohne Autos, ohne Industrie, ohne Heizung. Eine Klimaneutrale Schweiz sofort! Andere Staaten werden unserem Beispiel folgen.
    • Thomas G. 15.12.2019 06:51
      Highlight Highlight Was Du forderst ist dass die Schweiz das Mittelalter zurückhohlt. Das ist völlig absurd! Es zeigt vor allem dass Du von der Sache nichts verstehst. Der menschgemachte CO2 Ausstoss beträgt gerademal 5% des natürlichen CO2. Der Anteil der Schweiz macht weniger als ein Promille aus. Selbst wenn die Schweiz Deine Forderung umsetzen würde, dem Klima ist das total schnurtzegal. Abgesehen davon hat das CO2 bestenfalls einen marginalen Klimaeinfluss. Den grössten Anteil hat die Sonne. Glaubst Du nicht? Geh mal raus! Derzeit produzieren wir soviel CO2 wie sonst nie im Jahr. Es müsste also warm sein...
    • Sherlock_Holmes 15.12.2019 07:52
      Highlight Highlight @ Thomas G.
      Mit Verlaub:

      Es tut mir leid, das sagen zu müssen – und ich will nicht überheblich sein – wirklich:

      Sie haben nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung.

      Ich Empfehle das Interview mit Reto Knutti in der Republik.

      Der Artikel ist frei verfügbar.

      https://www.republik.ch/2019/11/23/herr-knutti-sind-wir-noch-zu-retten

      Es wäre wenigstens der Beginn einer Dämmerung...
    • Thomas G. 15.12.2019 08:26
      Highlight Highlight @Holmes Knutti ist ein Interessenvertreter, er ist Autor beim IPCC. Das IPCC hat das Ziel den Klimawandel zu mindern. Das ist angesichts der realen Zahlen absurd, ausserdem zeugt es von Hybris. Knutti kann deshalb nicht mehr objektiv sein. Er ist nicht glaubwürdig. Dass es den Klimawandel gibt ist unbestritten, dass man darauf reagieren muss auch. Die Frage ist nur wie: derzeit gibt es eine starke linksgeprägte Lobby die uns allen das Leben vermiesen will mit allerlei Verboten und neuen Steuern. Richtig und sinnvoll ist jedoch, sich ans Klima anzupassen. Also Massnahmen die das Leben sichern.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 14.12.2019 17:03
    Highlight Highlight Die Delegationen müssten aus Klimaschutz-Gründen an sofort zu Hause bleiben!
    Wer will es ihnen verübeln, dass sie dafür lieber so lange weiter verhandeln wollen, bis sie das Klima dazu ZWINGT, zu Hause zu bleiben?
    Autoritäre Erziehung, ich weiss...
    Sehr unangenehm!
  • Selbstverantwortin 14.12.2019 16:58
    Highlight Highlight Zur Erinnerung, auch wenn das mühsam sein kann:
    Demokratisch gewählte Regierungen = legitimiert für ihre Positionen
    NGOs etc. = können fordern, haben aber keine demokratische Legitimation irgendwas durchzusetzen
    • Firefly 14.12.2019 18:55
      Highlight Highlight Ähh, zur Erinnerung... Privatwirtschaft/Investoren = haben keine demokratische Legitimation irgendwas durchzusetzen jedoch das Geld sich schwache Entscheidungsträger (ja, auch demokratisch gewälte) kaufen zu können.

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