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Kosovo

Kosovo: Serbische Armee kommt aus drei Richtungen

epa10885383 Armed Kosovo police officers stand at a security checkpoint near the village of Banjska, Kosovo, 27 September 2023. A Kosovar Albanian police officer on 24 September was killed by Serb gun ...
Schwerbewaffnete kosovarische Polizisten an einem Checkpoint nahe der Grenze mit Serbien.Bild: keystone

Konflikt spitzt sich zu: Serbische Armee soll laut Kosovo aus drei Richtungen kommen

Der Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo nimmt bedrohliche Ausmasse an. Pristina warf Belgrad vor, mit Militär in Richtung des Kosovos vorgerückt zu sein – und zwar «aus drei verschiedenen Richtungen».
30.09.2023, 21:37
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Das geht aus einer Mitteilung der kosovarischen Regierung vom Samstagabend hervor, die auch der Deutschen Presse-Agentur per E-Mail vorliegt. Das Vorrücken diene «einer möglichen militärischen Aggression gegen die Republik Kosovo».

Flugabwehr und Artillerie in Stellung gebracht?

Einheiten der Zweiten Brigade der serbischen Armee seien aus Richtung Raska in Richtung der Nordgrenze Kosovos gezogen, Einheiten der Dritten Brigade aus der Region Nis in Richtung der nordöstlichen Grenze und Einheiten der Vierten Brigade aus der Region Vranje in Richtung der Ostgrenze, schrieb die Regierung in Pristina weiter.

Serbien habe am Freitag Militär und Polizei in 48 vorgeschobene Operationsbasen entlang der Grenze zum Kosovo geschickt, im serbischen Hoheitsgebiet, einige Kilometer von der kosovarischen Grenze entfernt. Dabei habe Serbien Flugabwehrsysteme und schwere Artillerie in Stellung gebracht. Kosovo sei in Abstimmung mit internationalen Partnern «entschlossener denn je, die territoriale Integrität zu schützen», hiess es in der Erklärung der Regierung.

Vucic dementiert

Serbiens Präsident Aleksander Vucic dementierte am Samstag im Gespräch mit der «Financial Times» jede Absicht zu einem militärischen Schlag gegen das Kosovo. Er werde vielmehr den Befehl zum Rückzug serbischer Truppen geben, da eine Eskalation bei Belgrads EU-Aspirationen «kontraproduktiv» wäre. Serbien werde nicht seine eigenen jahrelangen Bemühungen zerstören. «Serbien will keinen Krieg», sagte er dem Blatt.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief die serbische Regierung in Belgrad zur Deeskalation auf. «Wichtig, dass Serbien unverzüglich Truppen an der Grenze reduziert», schrieb das Amt am Samstag auf der Internetplattform X (vormals Twitter). Berlin stehe mit seinen Partnern «in intensivem Kontakt» mit allen Seiten. Der politische Prozess müsse «dringend» fortgesetzt werden.

Am Freitag hatte sich Washington besorgt über den serbischen Truppenaufmarsch an der Grenze zum Kosovo geäussert. US-Aussenminister Antony Blinken telefonierte mit Vucic, der den Aufmarsch starker Truppenteile jedoch bestritt und von «Unwahrheiten» sprach.

Bewaffneter Angriff im Nordkosovo als Auslöser

Auslöser der neuen Spannungen war am vergangenen Sonntag der Angriff eines 30-köpfigen, schwer bewaffneten serbischen Kommandotrupps in der Ortschaft Banjska bei Mitrovica im Nordkosovo auf kosovarische Polizisten. Dabei waren drei serbische Angreifer sowie ein kosovarischer Polizist getötet worden.

Der kosovo-serbische Spitzenpolitiker und Geschäftsmann Milan Radoicic bekannte sich zu diesem Überfall. Er behauptete, die Aktion auf eigene Faust ausgeführt und keine offiziellen Stellen in Serbien darüber informiert zu haben. Die Regierung in Pristina hält einen Alleingang Radoicic' für ausgeschlossen.

Das heute fast ausschliesslich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 mit Nato-Hilfe von Serbien abgespalten und 2008 für unabhängig erklärt. Mehr als 100 Länder, darunter auch die Schweiz, erkennen die Unabhängigkeit an, nicht aber Serbien, das seine einstige Provinz zurückfordert. (sda/dpa)

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125 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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jangoB
30.09.2023 21:43registriert Januar 2015
"Serbien will keinen Krieg" fährt aber Luftabwehr und schwere Artillerie auf? Was für ein verlogenes Stück ........
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WatSohn?
30.09.2023 21:49registriert Juni 2020
Wie lange dauert es wohl, bis die Putinfreunde dieses Manöver der Serben als vom Westen gesteuert bezeichnen, obwohl ja bekanntlich Russen und Serben Verbündete sind?
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Harry Zimm
30.09.2023 21:56registriert Juli 2016
Stoppt endlich die all die Putins, Vučićs, Orbans, Kims, Erdogans dieser Welt und wie diese Verbrecher alle heissen! Und wenn nötig, bombt sie in die Steinzeit zurück! 🤬🤬🤬

Freiheit und Demokratie sind nicht verhandelbar - aber sie verteidigen sich auch nicht von alleine 💪🏻
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