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Analyse

Der Krieg im Iran zeigt, wie schwach Europa ist

President Donald Trump, right, talks with German Chancellor Friedrich Merz during a meeting in the Oval Office at the White House, Tusday, March 3, 2026, in Washington. (AP Photo/Mark Schiefelbein)
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Friedrich Merz zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus. Es sei nicht der Moment, Partner und Verbündete «zu belehren», meinte der deutsche Bundeskanzler. Bild: keystone
Analyse

Der Krieg im Iran zeigt, wie schwach Europa ist

Spanien warnt, während Deutschland, Frankreich und Grossbritannien sich im Iran-Krieg auf die Seite der USA stellen. Doch der Einfluss der EU ist schwach – Europa findet sich einmal mehr in einer Nebenrolle.
05.03.2026, 19:4005.03.2026, 19:40

Der Krieg begann mit dem Abschuss von 40 Marschflugkörpern von amerikanischen Marineeinheiten. Doch ihr Ziel war Bagdad, nicht Teheran, und das Jahr 2003, nicht 2026. Auch der Irak-Krieg, der zum Sturz des Regimes des irakischen Gewaltherrschers Saddam Hussein führte, wurde wie der aktuelle Krieg gegen den Iran ohne UNO-Mandat geführt; die überwiegende Mehrheit der Völkerrechtler stuft ihn heute deshalb als völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ein.

Entzweites Europa

Dieser Krieg, der nur wenig mehr als einen Monat dauerte, dessen unselige Folgen aber bis in die Gegenwart reichen, entzweite die europäischen Staaten, und zwar schon in seinem Vorfeld. Während Grossbritannien, Spanien, Italien und mehrere osteuropäische Staaten, darunter Polen, die interventionistische Politik von US-Präsident George W. Bush als Teil der sogenannten Koalition der Willigen unterstützten, lehnten besonders Frankreich und Deutschland einen Krieg ohne UNO-Mandat kategorisch ab.

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Der Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein brachte seinem Land keinen Frieden. Bild: AP

Sowohl der damalige britische Premierminister Tony Blair, der sich an die Seite der USA stellte, als auch der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der öffentlich sein Nein zu jeglicher militärischen Intervention im Irak verkündete, taten dies ohne jede Rücksprache mit der EU. Die gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik der EU lag in Trümmern – Europa, gespalten in zwei Lager, sprach keine gemeinsame Sprache. Dies bezieht sich allerdings auf die Ebene der Regierungen, denn die Bevölkerung in fast allen Ländern lehnte in Umfragen den Krieg klar ab.

Irakkrieg und seine Gegner bzw. Befürworter 2003.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=976666
Die Bevölkerung in den meisten europäischen Ländern lehnte den Irak-Krieg klar ab. Karte: Wikimedia/Ben Titze

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bezeichnete die deutsch-französische Koalition, die sich gegen den Krieg stellte, als das «alte Europa», das im Gegensatz zu einem «neuen Europa» stehe, das im Osten des Kontinents zu finden sei. Diese neuen Demokratien, die – geprägt vom einstigen sowjetischen Joch – den Beitritt zu NATO und EU suchten, waren betont US-freundlich.

Britain Prime Minister Tony Blair (L) and German Chancellor Gerhard Schroeder (R) pictured at the begining of a two days EU summit in Brussels, Thursday 04 November 2004. EPA/BENOIT DOPPAGNE
Blair (l.) und Schröder: Keine Rücksprache mit der EU.Bild: EPA

Im Rückblick erscheint freilich eher die ablehnende deutsch-französische Position als die klügere – zumal sich die amerikanische Begründung für den Krieg als unwahr erwies: Die angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden und auch die Unterstützung des Terrornetzwerks al-Qaida durch das irakische Regime liess sich nicht beweisen. Hinzu kommt, dass die langwierigen Folgen des Kriegs und der Besetzung des Iraks – Terrorismus, Flüchtlingsströme und wirtschaftliche Lasten – Europa weitaus stärker trafen als die USA.

Kaum Kritik an den USA

Wir spulen vor zur Gegenwart: Wieder herrscht Krieg im Nahen Osten. Die Luftwaffen der USA und Israels bombardieren Ziele im Iran, bereits sind zahlreiche hochrangige Funktionäre des Mullah-Regimes getötet worden, darunter auch der langjährige geistliche Führer und wahre Machthaber der Islamischen Republik, Ali Chamenei.

Angriffe Iran

Angriffe USA und Israel

Wie stellt sich Europa zu diesem neuerlichen Krieg? Die EU hat lange vor einem neuen Iran-Krieg gewarnt und eine diplomatische Lösung favorisiert. Zusammen mit Grossbritannien verschärften Frankreich und Deutschland die Sanktionen gegen das Mullah-Regime, das sich mit der skrupellosen und äusserst blutigen Niederschlagung der Proteste im Land vollends als mörderisch erwiesen hatte. Die EU stufte zudem die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation ein.

Mit Beginn der Kampfhandlungen – die meisten europäischen Regierungen dürften vorab nicht informiert gewesen sein – stellten sich die Europäer aber nahezu geschlossen hinter den eigentlich ungeliebten US-Präsidenten Donald Trump. Der französische Aussenminister Jean-Noël Barrot bemängelte zwar, der Angriff hätte zuvor diskutiert werden müssen und könne nur durch den UNO-Sicherheitsrat legitimiert werden.

epa12788910 France’s Foreign Minister Jean-Noel Barrot holds a press conference after a crisis meeting in Paris, France, 02 March 2026. EPA/THIBAULT CAMUS / POOL POOL PHOTO MAXPPP OUT
Barrot verwies auf das fehlende UNO-Mandat für den Iran-Krieg. Bild: keystone

Doch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, dies sei nicht der Moment, Partner und Verbündete «zu belehren». Merz, der bereits während des 12-Tage-Kriegs im letzten Juni mit der Bemerkung Aufsehen erregt hatte, Israel mache damit nur «die Drecksarbeit für uns alle», gab zu, dass weder Appelle aus Europa noch umfangreiche Sanktionspakete über Jahrzehnte hinweg viel ausgerichtet hätten. Dies auch, weil man nicht bereit gewesen sei, Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen.

Spanischer Widerstand

Einzig Spanien scherte aus der Phalanx aus und kritisierte den Krieg öffentlich. Der spanische Aussenminister José Manuel Albares sagte dem Sender Euronews in Brüssel, die «unilaterale Aktion» der USA und Israels sei vom Völkerrecht nicht gedeckt, und auch die Gegenschläge des Iran seien «nicht gerechtfertigt». Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete den Krieg ohne UNO-Mandat als eine «Verletzung des Völkerrechts» und verbot den USA, Angriffe von ihren Basen in Spanien aus zu fliegen.

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«Vom Völkerrecht nicht gedeckt»: Sánchez bei seiner TV-Ansprache. Bild: keystone

Die US-Luftwaffe verlegte daraufhin einige KC-135-Tankflugzeuge von Spanien auf den US-Stützpunkt Ramstein im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz. Und US-Präsident Trump schoss mit der Drohung zurück, Spanien habe sich «schrecklich verhalten» und die USA würden deshalb «alle Deals» mit Madrid einstellen. Sánchez forderte darauf die USA, Israel und den Iran in einer TV-Ansprache erneut zu einer sofortigen Einstellung der gegenseitigen Angriffe auf. An die Adresse des US-Präsidenten betonte er, es sei «naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet».

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Militärbasis Morón de la Frontera: Spanien untersagte deren Nutzung für militärische Operationen gegen den Iran, die nicht im Einklang mit dem Völkerrecht stehen.Bild: EPA EFE

Der spanisch-amerikanische Schlagabtausch, der durch eine Verlautbarung aus Washington, Spanien sei nun doch bereit zur Zusammenarbeit, und das umgehende Dementi aus Madrid eine weitere Runde nahm, führte nebenbei zu einer Verstimmung zwischen Madrid und Berlin. Da Merz gegenüber Trump zu dessen Anwürfen gegen Spanien zunächst geschwiegen hatte, warf Aussenminister Albares dem deutschen Regierungschef mangelnde Solidarität vor. Merz bemühte sich um Schadensbegrenzung, indem er vor der Presse klarstellte, Spanien sei Mitglied der EU und diese führe «Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht». Auch der französische Präsident Emmanuel Macron und die EU-Kommission nahmen Spanien in Schutz.

Keine Rede von Völkerrecht

Berlin, Paris und London verabschiedeten derweil eine gemeinsame Erklärung, dass sie an der Militäraktion nicht beteiligt gewesen seien. Die sogenannten E3-Staaten – die drei bedeutendsten NATO-Mitglieder in Europa – verzichteten darauf, den Angriff auf den Iran als völkerrechtswidrig zu qualifizieren. Hinweise auf das Völkerrecht fehlten in ihrer Stellungnahme ohnehin. Dafür verurteilten sie die iranischen Gegenschläge scharf und riefen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen auf. Die iranische Führung forderten sie dazu auf, eine Verhandlungslösung zu finden.

Grossbritannien, das wegen iranischer Drohnenangriffe auf seinen Luftwaffenstützpunkt in Zypern als einziger der E3-Staaten direkt von Kriegshandlungen betroffen ist, erklärte, es nehme sein kollektives Selbstverteidigungsrecht wahr. Obwohl das Land den Krieg gegen den Iran logistisch unterstützt, will London den Anschein vermeiden, Kriegspartei auf Seiten der USA und Israels zu sein. Premierminister Keir Starmer laviert wohl auch deshalb, weil er weiss, wie Tony Blair damals im Irak-Krieg seine politische Reputation schwer beschädigt hat.

A British soldier stands guards at the main gate of the UK's RAF Akrotiri base after it was hit by a suspected drone strike early morning near Limassol, Cyprus, Monday, March 2, 2026. (AP Photo/P ...
Der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern.Bild: keystone

Eine von der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas einberufene Sondersitzung mündete in ein gemeinsames Statement der 27 EU-Staaten, man verfolge die Entwicklungen im Iran und im Nahen Osten mit «grösster Besorgnis». Sie dürften nicht zu einer Eskalation führen, «die den Nahen Osten, Europa und darüber hinaus bedrohen könnte – mit unvorhersehbaren Folgen, auch im wirtschaftlichen Bereich». Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief zur Deeskalation auf und sagte, die einzige dauerhafte Lösung sei eine diplomatische.

Nur Nebenrolle für die EU

Europa und damit die EU, deren relatives Gewicht in der Welt demografisch und wirtschaftlich stetig abnimmt, stehen dem Zusammenbruch der regelbasierten Weltordnung weitgehend hilflos gegenüber. Diese Weltordnung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte, war jedoch nie wirklich global akzeptiert und beruhte im Grunde auf der militärisch abgesicherten Stärke der USA. Bereits mit dem amerikanischen «Krieg gegen den Terrorismus» nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begann sie sich aufzulösen. Der Irak-Krieg war eine der Wegmarken bei dieser Entwicklung. Europäische Proteste und der Verweis auf das Völkerrecht fruchteten wenig.

Der Unilateralismus der USA unter Präsident George W. Bush war jedoch moderat im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen unter Donald Trump. Dieser US-Präsident, der die europäischen Verbündeten nach Lust und Laune vor den Kopf stösst, hat den Europäern ihre eigene Schwäche schmerzhaft vor Augen geführt. Ob sie vom Völkerrecht reden oder lieber schweigen – sie müssen eh schlucken, was Washington serviert.

President Donald Trump waves as he leaves passing a portrait of former President George W. Bush in the Grand Foyer of the White House during the Congressional Ball, Thursday, Dec. 11, 2025, in Washing ...
Der aktuelle US-Präsident Donald Trump vor einem Porträt von Präsident George W. Bush.Bild: keystone

Das liegt auch daran, dass die EU als wichtigste europäische Institution ernstgemeinte Reformen seit Jahrzehnten aufschiebt, wie Charles Liebherr auf srf.ch kommentiert. Die militärische Aufrüstung komme nur langsam in Gang und deren Umsetzung mache immer mehr Differenzen unter den EU-Staaten deutlich. Und der Zwang zur Einstimmigkeit verhindere rasches Handeln. All dies führt dazu, dass die EU trotz ihres immer noch beachtlichen wirtschaftlichen Gewichts politisch und militärisch nur eine Nebenrolle spielt und sich kaum Gehör verschaffen kann.

Diese Karte zeigt eine Übersicht der Angriffe des Kriegs im Iran nach 48 Stunden

Video: watson/Michael Shepherd
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Der Iran-Krieg zieht immer weitere Kreise. Israel etwa greift Hisbollah-Stellungen im Libanon an.

quelle: keystone / mohammed zaatari
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Trump tut im Iran genau das, wovor er bei Obama früher immer gewarnt hatte
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Milhouse
05.03.2026 20:09registriert Oktober 2017
Europa mag schwach sein - es ist ja auch nicht ein Staatsgebilde aus einem Guss und deshalb viel komplizierter. Jedenfalls möchte ich nicht Teil von einem der momentan "starken" Staaten sein. Da lobe ich mir Europa.
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JBV
05.03.2026 20:18registriert September 2021
Ja, Europa ist schach.

Die EU ist ein Staatenbund kein Bundesstaat. Wie mächtig wären die USA, wenn sie ebenfalls nur ein Staatenbund wären? Wenn es keine zentrale US Streitkräfte gäbe sondern nur jeweilige Streitkräfte der 50 Staaten? Wenn jeder Gouverneur eines Bundesstaates seine eigene Aussenpolitik betreiben würde?

Die EU ist wirtschaftlich stark. Aussen- und sicherheitspolitisch eine Horde widersprüchlicher Zwerge.
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Firefly
05.03.2026 20:03registriert April 2016
Bei so einem Chaos und Krieg ist die Nebenrolle schon okay.

Europa hat viele Flüchtlinge aufgenommen, das ist auch etwas.

Wieso man immer nur auf die "starken Männer" die mit Chaos regieren, als Vorbild und Beispiel nimmt, aber nich diejenigen die im Alltag anderen Menschen helfen, verstehe ich nicht.

Ich verabscheue Figuren wie Tump oder Putin und nehme mir die "kleinen" Alltagshelden als Vorbild. SIe sind es, die die Welt wieder aufbauen.
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