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Olympia 2026

Iranische Revolutionsgarden werden an Olympia in Mailand eingesetzt

Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden in Teheran.
Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden in Teheran.bild: Vahid Salemi/AP

Behauptungen über Revolutionsgarden an Olympia: Italien alarmiert, Iran dementiert

Laut einem Senator der Regierungspartei Fratelli d'Italia werden in Mailand und Cortina d'Ampezzo nicht nur Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE, sondern auch Mitglieder der Pasdaran aus dem Iran Sicherheitsaufgaben übernehmen. Die iranische Botschaft weist das zurück.
29.01.2026, 05:1729.01.2026, 09:29
Dominik Straub, Rom / ch media

Am Dienstag, als die Präsenz von ICE-Beamten an den Olympischen Winterspielen offiziell bestätigt wurde, hatte ein Abgeordneter der Opposition noch ironisch kommentiert: In dem Fall seien ja wohl auch Vertreter der Pasdaran willkommen, um die iranischen Athletinnen und Athleten zu beschützen.

Was als bitterer Witz gemeint war, soll laut Senator Alberto Balboni von der Partei Fratelli d'Italia von Regierungschefin Giorgia Meloni Wirklichkeit werden: Ihm zufolge sollen die iranischen Revolutionsgarden, die bei den jüngsten Massakern im Iran massgeblich beteiligt waren, ebenfalls Personenschutz-Aufgaben übernehmen. «Mir hat eine Recherche im Internet genügt, um das herauszufinden», betonte Balboni, der auch als Präsident der Verfassungskommission amtiert.

Die grösste Oppositionspartei, der sozialdemokratische Partito Democratico (PD), hat umgehend eine parlamentarische Interpellation an Aussenminister Antonio Tajani und Innenminister Matteo Piantedosi gerichtet. «Wenn das wahr ist, was Balboni sagt, dann wäre dies äusserst schwerwiegend», heisst es in dem Vorstoss.

Der PD erinnert daran, dass Tajani nach den jüngsten Massakern im Iran gefordert habe, die iranischen Revolutionsgarden auf die Liste der internationalen Terrororganisationen zu setzen; auf EU-Ebene sind ähnliche Bestrebungen im Gange. Es sei deshalb «unverständlich und inakzeptabel», dass die Präsenz einer derartigen Truppe auf italienischem Territorium auch nur in Erwägung gezogen werde, erst recht während eines internationalen Grossevents wie der Olympischen Winterspiele, schreibt der PD.

Die iranische Botschaft in Rom hat am Mittwochabend dementiert, dass Mitglieder ihrer Revolutionsgarde an die Winterspiele reisen: Die Delegation der islamischen Republik Iran bestehe lediglich aus vier Athleten, dem Delegationschef und einem «olympischen Berater».

«Es ist ja nicht so, als käme hier die SS»

Schon die Anwesenheit von Exponenten der US-Einwanderungsbehörde ICE hatte in Italien am Tag zuvor hohe Wellen geschlagen. So erklärte Beppe Sala, Bürgermeister von Mailand und damit eines der Austragungsorte der Spiele, dass die Beamten der ICE in der Stadt nicht willkommen seien, «weil sie nicht garantieren können, dass sie mit unseren demokratischen Methoden des Sicherheitsmanagements übereinstimmen».

Es handle sich um «eine Miliz, die tötet», erklärte Sala, um dann an Regierungschefin Meloni gerichtet anzufügen:

«Können wir nicht einmal Nein zu Trump sagen? Wir können selbst für die Sicherheit sorgen. Wir brauchen die ICE nicht.»

Zur Präsenz der diskreditierten Trump-Truppe an Olympia versuchte die Regierung inzwischen abzuwiegeln: Es soll sich um ICE-Agenten handeln, die innerhalb des Sicherheitsministeriums auf die Austragung von Grossanlässen im Ausland spezialisiert seien. Diese gebe es seit Jahrzehnten und hätten nichts mit den Beamten zu tun, welche aktuell die Strassen in den USA nach illegalen Migranten absuchten.

«Es ist ja nicht so, als käme hier die SS», erklärte Aussenminister Tajani am Montag an einer Holocaust-Gedenkveranstaltung. «Lassen Sie uns eines klarstellen: Sie kommen nicht, um wie in den USA mitten auf der Strasse für öffentliche Ordnung zu sorgen. Sie kommen, um in den Einsatzzentralen mitzuarbeiten.»

Zur einer möglichen Präsenz der iranischen Revolutionsgarden an den Winterspielen hat sich die Regierung bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht geäussert. Grundsätzlich liegt die Sicherheit bei Olympischen Spielen in der Verantwortung der Behörden des Gastgeberlandes; diese wiederum arbeiten laut dem Internationalen Olympischen Komitee eng mit den Sicherheitsapparaten der teilnehmenden Nationen zusammen. Welche Sicherheitsdienste mit welchen Aufgaben an den Winterspielen präsent sein dürfen, bestimmt also Italien. Die Eröffnungsfeier wird am 6. Februar im San-Siro-Stadion von Mailand stattfinden.

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quelle: keystone / alessandro trovati
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insert_brain_here
29.01.2026 06:28registriert Oktober 2019
Ich bin dafür einfach ein jährliches Autokraten-Treffen abzuhalten. Jeder bringt seine Schlägertruppe mit, es werden lustige Wettbewerbe wie Schädeleinschlagen und aufgesetzte Kopfschüsse abgehalten, zur Auflockerung gibt’s Folterworkshops und in der Abschlussgala hängt man sich gegenseitig Friedensmedallien um den Hals 👍

PS: Habe ich schon erwähnt dass der Anlass völlig unpolitisch sein wird?
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AngelitosHE
29.01.2026 06:26registriert September 2018
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Raketenwissenschaftler
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