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Suche nach Flug MH370 gestoppt – Zweifel an offizieller Darstellung

Suche nach MH370: Ein Forschungsschiff der Armada-Flotte von Ocean Infinity.
Ein «Armada»-Forschungsschiff von Ocean Infinity. Kann das Unternehmen entscheidend zur Aufklärung eines mutmasslichen Massenmords beitragen?Bild: Ocean Infinity
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Suche nach MH370 frühzeitig gestoppt – darum stinkt der Fall zum Himmel

Zwölf Jahre nach dem Verschwinden der Boeing 777 von Malaysia Airlines wurde eine weitere Unterwasser-Suche plötzlich abgebrochen. Unabhängige Experten weisen auf äusserst fragwürdige Punkte hin.
13.03.2026, 19:5713.03.2026, 19:57

Seit nunmehr 12 Jahren ist der Absturz von MH370 ungeklärt. Das Verschwinden der Boeing 777 zählt zu den grössten Mysterien der Luftfahrtgeschichte.

Nur dank privater Initiative gab es in der Vergangenheit neue Erkenntnisse zum mutmasslichen Verbrechen. Etwa durch Wrackteile, die vom amerikanischen Abenteurer und Anwalt Blaine Gibson und weiteren Freiwilligen an der Ostküste Afrikas entdeckt wurden.

Nur dank einer weltweiten Online-Community von engagierten Fachleuten und interessierten Laien bleibt der Druck auf die staatlichen Verantwortungsträger hoch. Einige haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den von üblen Verschwörungstheorien geprägten Fall mit wissenschaftlichem Vorgehen zu lösen.

Und nur dank der Initiative des Meeres-Robotik-Unternehmens Ocean Infinity wurde die MH370-Suche ab 2025 mit neuem Elan wieder aufgenommen. Wobei sich der Staat Malaysia, der eigentlich die Aufklärung vorantreiben müsste, erneut als Bremser erwies.

Nun folgte der nächste Tiefschlag.

Die Anfang 2026 neu lancierte Unterwasser-Suche im südlichen Indischen Ozean wurde vorzeitig abgebrochen. Völlig unerwartet, und zunächst ohne Erklärung. Eine offizielle Bestätigung erfolgte erst am vergangenen Sonntag, dem 8. März. Also ausgerechnet an dem Tag, an dem sich das Verschwinden von Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord erneut jährte. Für die Angehörigen war es ein weiterer Schlag ins Gesicht.

Tatsächlich wirft auch die aktuelle Kommunikation der in die MH370-Suche involvierten Akteure neue Fragen auf, statt dringend nötige Antworten zu liefern.

watson hat sich auf Spurensuche begeben.

Was ist aktuell passiert?

Armada 8606, Forschungsschiff von Ocean Infinity.
Von einem baugleichen Forschungsschiff wurden Unterwasser-Drohnen abgesetzt, die selbst stark zerklüfteten Meeresboden zentimetergenau scannen.Bild: Ocean Infinity

Das auf Tiefsee-Erkundungen spezialisierte Unternehmen Ocean Infinity habe das Suchgebiet im Indischen Ozean verlassen, ohne neue Hinweise auf das Wrack des Flugzeugs zu finden, informierte CEO Oliver Plunkett in einer am 8. März veröffentlichten Mitteilung.

Dabei war es am 12. Jahrestag der Flugkatastrophe zunächst auffällig still geblieben. Dann wurde auf der von MH370-Angehörigen betriebenen Facebook-Seite zunächst eine Medienmitteilung des malaysischen Transportministeriums veröffentlicht. Später am Tag folgte die längere Stellungnahme von Ocean Infinity.

Begründung für den Abbruch: keine.

Plunkett leitet das Meeres-Robotik-Unternehmen seit der Gründung 2017 und hat dessen Entwicklung zum Weltmarktführer vorangetrieben. Er gilt als leidenschaftlicher Unterstützer der MH370-Suche. Und er hat auch als Miteigentümer ein finanzielles Interesse daran, dass das Wrack durch Ocean Infinity gefunden wird.

Doch etwas ist faul.

Tatsächlich hatte das zuletzt mit der MH370-Suche betraute Forschungsschiff das Suchgebiet bereits am 23. Januar verlassen. Und Anfang Februar wurde die Operation definitiv abgebrochen – das besagte Schiff machte sich auf nach Amerikanisch-Samoa.

Kritische Beobachter wie der renommierte unabhängige MH370-Experte Richard Godfrey und der australische Aviatik-Journalist Geoffrey Thomas zeigten sich schon damals irritiert. Und nun erst recht.

Die Familien der Opfer haben den malaysischen Premierminister Anwar Ibrahim in einem offenen Brief aufgefordert, die «voreilige Einstellung der Suche» zu erklären. Sie werfen seiner Regierung vor, das ursprüngliche Versprechen von Transparenz nicht einzuhalten.

Tatsächlich schweigt die malaysische Regierung, wenn es um die Beantwortung konkreter Fragen geht. Die Kommunikationsstrategie kann im wohlwollendsten Fall als extrem zurückhaltend beurteilt werden.

Und Ocean Infinity hat auch auf Nachfrage von watson keine einzige Frage beantwortet.

Wieso wurde die neueste Suche frühzeitig abgebrochen?

Das ist nicht öffentlich bekannt.

Eine nachvollziehbare, durch Fakten belegte Begründung liefern die Verantwortlichen nicht.

In der Ocean-Infinity-Mitteilung wurde der CEO Oliver Plunkett zunächst mit diesem Satz zitiert:

«Es war uns wichtig, alle verfügbaren Informationen und Daten auszuwerten und nachzuforschen, aber trotz all dieser Bemühungen ist es uns nicht gelungen, sie [die Maschine] zu finden.»

Genau dieser Satz wird von unabhängigen Fachleuten wie dem pensionierten britischen Luft- und Raumfahrtingenieur Godfrey massiv kritisiert. Grund: Bei der jüngsten Suche seien ernst zu nehmende Theorien, wo das Trümmerfeld liegt, nicht geprüft worden.

Godfrey beschäftigt sich seit dem Verschwinden von MH370 intensiv mit dem Fall und hält sich dabei streng an die gesicherten Fakten. Er hat aber auch mit wissenschaftlichen Mitstreitern eine neuartige Methode entwickelt, mit der sich Flugwege grosser Passagiermaschinen nachträglich bestimmen lassen sollen. Zur «WSPR-Technologie», die auf der digitalen Auswertung früherer Funkverbindungen basiert, folgt unten mehr.

Schwierige Bedingungen

In der jüngsten Mitteilung der malaysischen Transportbehörde heisst es, die Unterwasser-Suche sei wiederholt wegen Wetter- und Meeresbedingungen unterbrochen worden. Doch das Narrativ, dass die Wetterverhältnisse im südlichen Indischen Ozean das Fortsetzen der MH370-Suche auch in diesem Frühjahr verunmöglichten, hält einer kritischen Überprüfung nicht stand.

Medienmitteilung des malaysischen Transportministeriums zum Abbruch der MH370-Suche durch Ocean Infinity (8. März 2026).
Mitteilung zum Jahrestag der Katastrophe.Screenshots: Facebook
Medienmitteilung des malaysischen Transportministeriums zum Abbruch der MH370-Suche durch Ocean Infinity (8. März 2026).

Wie Richard Godfrey erklärt, kann schlechtes Wetter nicht der wahre Grund für den Abbruch der Suche sein. Er beruft sich dabei auf öffentlich verfügbare Wetterdaten. Demnach liegen die Windstärken (zwischen 9 und 23 Knoten) und die Wellenhöhen (1,8 bis 3,1 Meter) weiter im grünen Bereich für Ocean Infinity.

Bei früheren Operationen der Armada-Forschungsschiffe sei ein Abbruch erst bei Wellen von über 5 Metern nötig gewesen. Da das Wetter derzeit eigentlich noch gut sei, müssten andere Gründe für den Abzug der Schiffe vorliegen. Vertragliche oder strategische Gründe.

Die Mitteilung von Ocean Infinity erwähnt das Wetter mit keinem Wort als Grund für den Abbruch. Stattdessen sagt der Geschäftsführer, man hoffe zurückzukehren, «wenn die Umstände es erlauben».

Muss der vieldeutige Begriff «Umstände» als diplomatisch formulierter Code für politische oder vertragliche Hürden verstanden werden? Hürden, die von Ocean Infinity nicht öffentlich gemacht werden dürfen?

Und ist Plunketts Aussage, man habe «alle verfügbaren Daten genutzt», eine Schutzbehauptung, wie Beobachter vermuten? Denn bei der jüngsten erfolglosen Suche ging man ja konkreten neuen Hinweisen zum Standort des Trümmerfelds überhaupt nicht nach.

Warum schweigt Ocean Infinity zu kritischen Fragen?

Die Kombination aus problematischen Wetter-Argumenten, Kommunikationsverweigerung und vagen Formulierungen lässt Beobachter vermuten: Ocean Infinity wird vertraglich oder politisch daran gehindert, die wahren Gründe für das Ende der MH370-Operation und das Ignorieren neuer Suchorte zu benennen.

watson-Recherchen legen nahe, dass Ocean Infinity von der malaysischen Regierung ein «Maulkorb» verpasst wurde. Doch nicht mal das will oder darf die Firma bestätigen oder dementieren.

Ocean Infinity gab zwar an, bei der Ausarbeitung der Suchstrategie mit «zahlreichen Experten» zusammengearbeitet zu haben. Und so wurde auch Professor Simon Maskell, der Godfreys WSPR-Technologie als grundsätzlich vielversprechend einstufte, von Ocean Infinity als wissenschaftlicher Berater an Bord geholt.

Doch nun schweigt der britische Wissenschaftler, der an der University of Liverpool forscht und als weltweit führender Experte für Bayes-Modellierung gilt. Im Kern geht es darum, Wissen aus unsicheren Daten zu gewinnen.

Eine Anfrage von watson liess er bis dato unbeantwortet. Unter anderem wollten wir vom Professor wissen, warum das WSPR-Gebiet nicht abgesucht wurde, obwohl es ursprünglich Teil der Suchstrategie war.

Weitere offene Fragen

Hier steht die Vermutung im Raum, dass Malaysia dem Vertragspartner Ocean Infinity nicht nur verboten hat, Fragen zur MH370-Suche zu beantworten, sondern auch eine Begrenzung des Suchgebiets vorgab.

Als Druckmittel seitens Regierung, um eine entsprechende Geheimhaltungspflicht durchzusetzen, könnten die vereinbarten 70 Millionen «Finderlohn» herhalten. Allerdings ist unklar, wie lange der Vertrag noch läuft.

Der malaysische Verkehrsminister Anthony Loke sprach bei der Unterzeichnung im März 2025 explizit von 18 Monaten. Hingegen sagten Angehörige zum 12. Jahrestag, dass der Vertrag bereits im Juni auslaufe.

Die jüngste Medienmitteilung von Ocean Infinity spricht bereits im Titel vom «Abschluss der Suche nach Malaysian Airlines Flug MH370». Zudem heisst es:

«Ocean Infinity hält weiterhin an der langfristigen Mission fest, das vermisste Flugzeug zu finden.»
Oliver Plunkett, CEO

Warum ist Ocean Infinity bislang nicht fündig geworden?

An der Technik kann es nicht liegen. Das Unternehmen verfügt über modernste autonome Unterwasser-Drohnen, die von einem Forschungsschiff ausgesetzt werden und stark zerklüfteten Meeresboden bis in eine Tiefe von 6000 Metern zentimetergenau scannen. Die Sensor-Technik durchdringt sogar meterdicken Schlamm. Dann werden gewaltige Datenmengen am Computer ausgewertet, um auch kleinste Anomalien zu analysieren.

Dieses Erklärvideo geht detailliert auf die Unterwasser-Fähigkeiten von Ocean Infinity ein:

Der logische Schluss lautet, dass erneut im falschen Gebiet gesucht wurde. Das räumt der CEO von Ocean Infinity in der jüngsten Medienmitteilung selbst ein. Man habe nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, könne nun aber mit Sicherheit sagen, dass das Wrack nicht dort liege, wo gesucht wurde, so Plunkett. Dies könne helfen, zukünftige Suchstrategien zu entwickeln.

Was Oliver Plunkett nicht explizit ausspricht oder nicht aussprechen darf, ist der Fakt, dass Ocean Infinity bislang mehrere Gebiete rund um das bisher abgesuchte Gebiet im Indischen Ozean links liegen liess. Und dies aus öffentlich nicht bekanntem Grund.

Und damit sind wir bei der WSPR-Technologie. Die Aussagekraft der Ortungsmethode ist bislang nicht durch unabhängige Dritte wissenschaftlich bestätigt. In Praxistest konnten aber tatsächlich Flugwege von Passagiermaschinen nachträglich bestimmt werden.

FILE - Flight officer Rayan Gharazeddine scans the water in the southern Indian Ocean off Australia from a Royal Australian Air Force AP-3C Orion during a search for the missing Malaysia Airlines Flig ...
Frühere MH370-Suche. Von der Luft aus gibt es längst nichts mehr zu sehen. Und zu den neueren Unterwasser-Operationen sind keine Fotos verfügbar.Bild: keystone

Zusammen mit Godfrey kritisiert auch der unabhängige MH370-Experte Geoffrey Thomas, dass sich die Suchgebiete von 2018 und 2025/2026 zu sehr ähnelten.

  • Beide Suchen gingen von der Annahme aus, dass die Boeing 777 zuletzt starr auf einem Kurs blieb, was zum vermuteten Absturzorten weit im Süden führte, ungefähr beim 38. Breitengrad Süd.
  • Diese Annahme basierte primär auf Berechnungen der australischen Transportsicherheitsbehörde (ATSB). Und deren Fachleute beschränkten sich vor allem auf Satelliten-Signale, die MH370 vor dem Sturz ins Meer automatisiert abgegeben hatte.
  • Die neueste Suche konzentrierte sich faktisch auf den südlichen Bereich um ein Gebiet, das Broken Ridge genannt wird (ca. 33°S bis 36°S), während andere Modelle deutlich nördlichere Gebiete favorisierten.
  • Godfreys Berechnungen mittels neuartiger Radiowellen-Analyse (WPSR-Technologie) deuten ebenfalls darauf hin, dass das Flugzeug weiter nördlich abstürzte, in einem geografischen Bereich zwischen 28°S und 33°S, also näher beim 29. Breitengrad Süd.

Wichtig zu wissen: Auch eine «Driftanalyse» der gefundenen Trümmer deutet gemäss Professor Charitha Pattiaratchi von der University of Western Australia (UWA) stark darauf hin, dass der MH370-Absturz nördlich der bisherigen Suchgebiete stattgefunden habe.

Ernüchterndes Fazit: Die Such-Empfehlungen von Godfrey und weiteren namhaften Expertengruppen und Wissenschaftler wurden bei der jüngsten Suche entweder gar nicht oder nur teilweise berücksichtigt.

Eine Begründung dafür gibt es nicht.

Besonders unverständlich:

Die zusätzliche Unterwasser-Suche in dem von Godfrey postulierten Absturzgebiet hätte gemäss seiner Einschätzung maximal fünf Tage erfordert.

Sabotiert Malaysia die MH370-Suche?

Das Zögern der Verantwortlichen, das MH370-Suchgebiet auch nur geringfügig auszuweiten, kann wissenschaftliche, finanzielle und politische Gründe haben.

Die von Godfrey entwickelte WSPR-Technologie nutzt von Funkamateuren aufgezeichnete Verbindungsdaten, die in einer Datenbank gespeichert sind, um Flugzeugbewegungen zu rekonstruieren. Einige Akteure betrachten diese Methode trotz erfolgreicher Tests als «experimentell» oder «nicht ausreichend validiert».

Eine Verschiebung der MH370-Suche nach Norden würde bedeuten, ein etabliertes wissenschaftliches Modell zugunsten dieser neuen Theorie aufzugeben.

Fakt ist: Ocean Infinity trug die Kosten und Risiken der bisher von ihr durchgeführten Unterwasser-Suchen. Dahinter steht ein sogenannter «No Find, No Fee»-Vertrag, der mit der malaysischen Regierung ausgehandelt wurde. Erst nach dem Aufspüren des Wracks auf dem Meeresgrund müsste der malaysische Staat eine Erfolgsprämie von bis zu 70 Millionen US-Dollar bezahlen.

Obwohl die Suche nach dem «Kein Fund, kein Honorar»-Prinzip erfolgt, ist sie für den malaysischen Staat nicht völlig kostenlos. Abgesehen von den (vernachlässigbaren) administrativen Kosten beziehen sich die aktuellen Verträge mit Ocean Infinity offenbar auf spezifische, von Malaysias Regierung genehmigte Koordinaten. Eine Änderung des Suchgebiets erforderte langwierige bürokratische Prozesse und Kabinettsbeschlüsse.

Würde Malaysia die Suche nun nach Norden verschieben und Ocean Infinity dort fündig werden, könnte das als Eingeständnis interpretiert werden, dass man über ein Jahrzehnt lang am falschen Ort suchen liess und hunderte Millionen Dollar verschwendet hat.

Viele unabhängige Experten, die das nördlichere Suchgebiet favorisieren, gehen davon aus, dass der Pilot das Flugzeug bis zum Ende aktiv steuerte. Die malaysische Regierung hat jedoch bislang die Version eines unkontrollierten gradlinigen Geisterflugs bevorzugt, die eher zu einem Absturzort weiter südlich führt.

Brisant: Der malaysische Premierminister hat auch eine familiäre Verbindung zu MH370. Kapitän Zaharie Ahmad Shah war ein entfernter Verwandter und ein leidenschaftlicher Unterstützer seiner Partei.

Unter Anwars politischen Führung war die Suche 2025 wieder aufgenommen worden. Allerdings kam es im weiteren Verlauf zu unerklärbaren Verzögerungen, die Ocean Infinity die Planung der Suche erschwerten.

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Die chinesische Regierung übt laut Berichten diplomatischen Druck auf Malaysia aus. Zwei Drittel der MH370-Passagiere waren aus China.Bild: keystone

Beobachter wie Geoffrey Thomas vermuten nun, dass die malaysische Regierung das angeblich schlechte Wetter nur als Vorwand nutzt, um die MH370-Suche – wie schon bei der Vorgänger-Regierung passiert – «sanft» einschlafen zu lassen. Damit vermeide man eine endgültige Absage an die Hinterbliebenen, müsse aber auch keine «riskanten» neuen Suchgebiete genehmigen.

Was wissen wir zur bisherigen Suche?

Seit Beginn der Mission im Jahr 2018 habe Ocean Infinity insgesamt 151 Tage auf See verbracht und mehr als 140'000 Quadratkilometer Meeresboden kartiert, heisst es in der jüngsten Medienmitteilung.

Und weiter wird Geschäftsführer Plunkett zitiert: «Das Ausmass der Herausforderung – sowohl geografisch als auch technologisch – ist kaum zu begreifen».

Statistisch liegt das stabilste Wetterfenster für Tiefsee-Suchen im Gebiet laut historischen meteorologischen Daten zwischen November und Februar. Doch eine Suche wäre darüber hinaus möglich. Wenn nicht gerade ein Sturmtief über das Gebiet zieht. Ocean Infinity verfügt auch hierzu über viel praktische Erfahrung.

Im Jahr 2018 operierte Ocean Infinity 123 Tage lang im damals vermuteten Absturzgebiet und blieb bis Juni vor Ort. Damals seien Wellenhöhen von bis zu 3,8 Metern kein Grund für einen Abbruch gewesen, hält Richard Godfrey in einer aktuellen Analyse fest.

Anzumerken ist, dass bei der damaligen MH370-Suche ein Gebiet von 112'000 km² abgedeckt wurde. Es kamen bis zu acht Unterwasser-Drohnen (AUVs) vom Typ Hugin 6000 gleichzeitig zum Einsatz. Diese Drohnen operieren völlig autark in Tiefen von bis zu 6000 Metern.

Im Frühjahr 2025 suchte Ocean Infinity erneut in der etwa gleichen Region im südlichen Indischen Ozean. Mit erneut deutlich verbesserter Suchtechnik.

Die Operation startete offiziell am 25. März. Also auffallend spät, bzw. zu spät, was das optimale Wetterfenster betrifft. Der Grund war, dass die malaysische Regierung die Vertragsunterzeichnung während Monaten verzögert hatte. Dann wurde Suche bereits nach vier Tagen offiziell wieder eingestellt. Wegen schlechtem Wetter.

Anzumerken ist, dass Ocean Infinity auf eigene Initiative bereits ab dem 23. Februar 2025 mit einem Forschungsschiff im Suchgebiet war, um «vorbereitende Vermessungsarbeiten» durchzuführen. Diese Arbeiten dauerten bis zur formellen Vertragsunterzeichnung an.

Die Fortsetzung der Suche verzögerte sich bis zum Jahresende. Das Suchschiff Armada 8605 traf am 31. Dezember 2025 erneut im Suchgebiet ein, was einen weiteren operativen Tag im Kalenderjahr 2025 ergab.

2025 gab es also offiziell 5 Suchtage.

2026 kamen 23 operative Tage hinzu.

Das neue Suchgebiet war mit 15'000 km² deutlich kleiner und spezifischer als 2018. Tatsächlich wurden bis zum Abbruch im Januar 2026 nur 7571 km² abgesucht.

Die Vereinbarung zwischen Malaysia und Ocean Infinity sah 55 operative Tage vor. Doch es waren nur 28 Tage im Suchgebiet. Demnach blieben 27 Tage ungenutzt. Obwohl der Vertrag offiziell im Sommer endet.

Warum bleibt die Aufklärung der Katastrophe wichtig?

Für die Angehörigen der MH370-Opfer gibt es weiterhin keine Antwort, warum ihre Liebsten sterben mussten. Zudem betrifft die bis heute ungeklärte Absturzursache auch die gesamte zivile Luftfahrtindustrie.

Von Ermittlern gesicherte Daten und Indizien deuten auf einen Massenmord und Piloten-Suizid hin. Doch diesen plausiblen Verdacht konnten oder wollten die malaysischen Ermittler nicht erhärten. Er lässt sich wohl nur durch das Auffinden des Wracks verifzieren.

Der frühere australische Premierminister Tony Abbott verriet 2020 in einem Interview, dass ein «Murder-Suicide» auch bei der damaligen malaysischen Regierung intern als wahrscheinlichste Theorie galt. Man wollte dies aber öffentlich nie so kommunizieren – möglicherweise um das Gesicht der nationalen Fluggesellschaft und des muslimisch geprägten Staates zu wahren.

Tatsächlich hatte die malaysische Polizei auf dem privaten, professionell gebauten Flugsimulator des MH370-Chefpiloten eine Route gefunden, die der später geflogenen Strecke in den Indischen Ozean erschreckend ähnlich war. Diese Information wurde von der malaysischen Regierung lange zurückgehalten und dann als «nur eine von vielen Simulationen» heruntergespielt.

Mit dem Abbruch der Suchmission verstärkt sich der Verdacht, dass auch die neue malaysische Regierung, die seit Ende 2022 im Amt ist, nicht an der schonungslosen Aufklärung der Flugkatastrophe interessiert ist.

Ein Land in der Pflicht
Malaysia ist gemäss Anhang 13 des Übereinkommens über die Untersuchung von Flugunfällen in der internationalen Zivilluftfahrt dafür verantwortlich, das Verschwinden von MH370 aufzuklären. Dies, weil die Boeing 777 von der staatseigenen Malaysia Airlines betrieben wurde und unter malaysischer Flagge unterwegs war. Schon kurz nach der Flugkatastrophe vom 8. März 2014 wurden Vorwürfe laut, die malaysische Regierung treibe die Untersuchung nicht mit dem erforderlichen Ernst voran und sei nicht an einer schonungslosen Aufklärung der Absturzursache interessiert. Der multiethnische Staat in Südostasien zählt heute über 36 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Er gilt seit einem Regierungswechsel als politisch relativ stabil.
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Seit 2022 ist Anwar Ibrahim Premierminister in Malaysia und hat das Land laut Beobachtern vorwärtsgebracht. Zum Zeitpunkt des Verschwindens von MH370 im Jahr 2014 war er Oppositionsführer.Bild: keystone

Wie geht es weiter?

Ocean Infinity betont, weiter an der MH370-Suche interessiert zu sein. Man arbeite mit der Regierung in Malaysia zusammen, um die Mission möglicherweise fortzusetzen, «wenn die Umstände es erlauben».

Ob dafür in Malaysia der politische Wille vorhanden ist, muss stark bezweifelt werden. In der jüngsten Mitteilung ist davon nichts zu lesen. Es heisst lediglich:

«Die [malaysische] Regierung ist weiterhin bestrebt, die Familien auf dem Laufenden zu halten, und wird auch weiterhin gegebenenfalls aktuelle Informationen bereitstellen.»

Zum Glück gibt es eine weltumspannende MH370-Community von unterschiedlichsten Menschen, die nicht akzeptieren, dass der Fall unaufgeklärt bleibt.

Der australische Aviatik-Experte Geoffrey Thomas, der sich häufig im Verbund mit Richard Godfrey in regelmässigen YouTube-Videos zum Fall äussert (siehe unten), schlägt nun eine neue Vorgehensweise vor.

Solange Malaysia darauf bestehe, dass die MH370-Suche nur auf Basis der bewährten, aber erfolglosen Modelle stattfinde, blieben wichtige Gebiete ungeprüft. Deshalb sollte die ICAO die Führung übernehmen, um die «wissenschaftliche Blockade» zu durchbrechen.

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und hatte nach dem Verschwinden der Boeing 777 mit neuen Sicherheits-Standards reagiert.

Dank massiv verbesserter Ortung der Maschinen im Luftraum und stärkeren Unterwasser-Sendern an Flugschreibern, die länger durchhalten, sollen Verkehrsmaschinen nicht mehr im Meer verschwinden können.

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Flug MH370 – Funde am Strand

Er suchte während Jahren unermüdlich nach Trümmerteilen von Flug MH370. Im Gegensatz zu den staatlichen Suchaktionen konzentrierte sich Blaine Gibson auf angeschwemmtes Strandgut.

quelle: epa blaine alan gibson / blaine alan gibson / handout
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PS. Du willst tiefer in den Kaninchenbau rein?

Es wurden bereits unzählige Bücher, aber auch Dokumentarfilme und Studien zu MH370 veröffentlicht. Leider zog das ungeklärte Verschwinden viele Trittbrettfahrer und Verschwörungstheoretiker an, die bis heute vom Interesse für das Thema profitieren wollen.

Wer sich ernsthaft in die Tiefen des Falles einarbeiten möchte, kommt an Richard Godfrey und Geoffrey Thomas nicht vorbei. Der erfahrene Aviatik-Ingenieur und der erfahrene Aviatik-Journalist betreiben inzwischen zwei YouTube-Kanäle, die mit faktenbasierten Beiträgen (auf Englisch) Licht ins Dunkel bringen. Die beiden älteren Herren treten wohltuend unaufgeregt auf, analysieren und kommentieren aber schonungslos.

Der Kanal «Airline News with Geoffrey Thomas» befasst sich intensiv, in den vergangenen Monaten sogar täglich, mit aktuellen Ereignissen rund um MH370. Und Godfrey ist darin ein regelmässiger Gesprächsgast.

Godfreys Kanal «Independent Aircraft Investigations» (IAI) verfolgt einen sicherheitstechnischen Ansatz. Seine Hintergrund-Videos vermitteln viel Fachwissen.

Quellen

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Atemberaubender Bilder aus der Unterwasser-Welt
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Unfall in 4500 Metern Höhe: Skydiver verheddert sich an Flugzeug-Heck
Video: watson
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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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13.03.2026 20:41registriert Juni 2022
Ähnlicher Fall wie EgyptAir Flug 990. Muslimische Regierungen lehnen Suizid als Ursache prinzipiell ab, da der Koran Selbstmord verbietet (also kann es nicht so gewesen sein).
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FACTS
13.03.2026 21:05registriert April 2020
"Einige haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den von üblen Verschwörungstheorien geprägten Fall mit wissenschaftlichem Vorgehen zu lösen (...) Leider zog das ungeklärte Verschwinden viele Trittbrettfahrer und Verschwörungstheoretiker an, die bis heute vom Interesse für das Thema profitieren wollen."

Dieser ansonsten ziemlich inhaltsleere Artikel hier gehört auch eher zu denjenigen, die Verschwörungstheorien promoten und damit monetarisierbare Klicks generieren wollen, statt uns der Lösung des Falles näherzubringen.
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