So stellt sich Trumps Team die Zukunft von Gaza vor
Im Herbst 2024 hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, den Gaza-Streifen zu einem Feriengebiet, der «Riviera des Mittleren Ostens», machen zu wollen. Jetzt werden die Pläne für das «Project Sunrise» offenbar konkreter. Eine Präsentation ist öffentlich geworden, die Details über eine mögliche Entwicklung des Kriegsgebiets darstellt.
Nach einem Bericht des «Wall Street Journals» haben Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und sein Beauftragter für den Nahen Osten, Steve Witkoff, an dem Plan gearbeitet. Demnach soll aus den Ruinen in Gaza-Stadt eine futuristische Metropole entstehen, mit Wolkenkratzern, Luxusresorts am Strand und einer Hochgeschwindigkeitsbahn.
Die 32 PowerPoint-Folien, die der Zeitung vorliegen, sind als «Sensitiv, aber nicht geheim» gekennzeichnet. Sie enthalten neben Computerdarstellungen von modernen Wohnanlagen, einem Jachthafen und einer Standbegrünung auch Tabellen über mögliche Kosten. Nach Informationen der Zeitung soll der Plan einigen Golfstaaten, der Türkei und Ägypten vorgestellt worden sein.
Das «Project Sunrise» soll 112,2 Milliarden US-Dollar kosten und über mindestens zehn Jahre entwickelt werden. Die USA könnten sich mit 60 Milliarden Dollar in Krediten und Garantien beteiligen. Der Rest soll von Investoren und anderen Ländern kommen. Die Verwaltung von Gaza könnte dann das Projekt weiterentwickeln und die Schulden zurückzahlen, so der Vorschlag.
Kushner, Witkoff und der hochrangige Berater des Weissen Hauses Josh Gruenbaum und andere US-Beamte haben den Vorschlag in den letzten 45 Tagen ausgearbeitet, sagten US-Beamte der Zeitung. Es habe auch Input von Israel und Vertretern der Privatwirtschaft gegeben. Wenn das Projekt in Angriff genommen wird, planen sie, die Zahlen etwa alle zwei Jahre im Laufe der Entwicklung zu aktualisieren und zu überarbeiten, sagten Regierungsmitarbeiter dem «WSJ».
Bislang kein Weiterkommen bei Friedensplan-Umsetzung
Allerdings ist fraglich, wie realistisch der Plan ist. Denn trotz der israelischen Offensive und einem Waffenstillstand gibt es kein Weiterkommen. Die Hamas hat sich noch immer nicht bereit erklärt, ihre Waffen abzugeben. Das ist aber wesentliche Voraussetzung für die nächsten Phasen eines Friedensplans.
«Sie können so viele Folien erstellen, wie sie wollen», sagte Steven Cook, Senior Fellow für den Nahen Osten beim Think Tank Council on Foreign Relations, dem «Wall Street Journal», «niemand in Israel glaubt, dass man weiterkommt, und alle sind damit einverstanden.»
Schutt und Bomben müssen weggeräumt werden
Eine andere Frage ist, wo die Menschen, die jetzt in den zerstörten Häusern im Gazastreifen wohnen, während der Bauarbeiten leben sollen. Im Plan wird von Unterkünften und Kliniken gesprochen. Es soll sich um mindestens zwei Millionen Palästinenser handeln.
Ausserdem müssten Millionen Tonnen von Schutt weggeräumt werden, unter dem neben Tausenden Leichen auch nicht explodierte Bomben liegen. Deshalb sollen die Bauabschnitte in Phasen unterteilt werden. Begonnen soll mit Rafah City 1, dann soll Khan Yunis folgen und schliesslich Gaza Stadt. Allein in Rafah sollen mehr als 100'000 Wohneinheiten entstehen sowie mehr als 200 Schulen, Universitäten und Ausbildungszentren. Auch 180 Moscheen und Kulturzentren sind vermerkt.
Treffen in Miami
Den Planern ist das Risiko aber offenbar bewusst. In Rot steht auf einer Folie geschrieben, «dass der Wiederaufbau des Gazastreifens davon abhängt, dass die Hamas «alle Waffen und Tunnel demilitarisiert und ausser Betrieb nimmt». Sollte die Sicherheit gewährleistet sein, könnte mit der Umsetzung des Plans innerhalb von zwei Monaten begonnen werden.
Am Freitag hatte es ein Treffen zwischen Kushner, Witkoff und Vertretern aus Ägypten, der Türkei und Katar in Miami gegeben. Kushner hat bereits Karriere im Bereich Gewerbeimmobilien gemacht und dabei geholfen, das Immobilienimperium seiner Familie zu leiten. Er war in Trumps erster Amtszeit auch in dessen Regierung als Berater tätig.
Seit seinem Ausscheiden aus dem Weissen Haus im Jahr 2021 hat sich Kushner als Investor in einer Vielzahl von Unternehmen neu positioniert. Er gründete Affinity Partners, eine in Miami ansässige Private-Equity-Firma, die mehr als 3,5 Milliarden Dollar aufgebracht hat, einen Grossteil davon aus Staatsfonds des Nahen Ostens.
Verwendete Quellen:
- wsj.com: "U.S. Pitches ‘Project Sunrise’ Plan to Turn Gaza Into High-Tech Metropolis" (Englisch, kostenpflichtig)
- Mit Marerial der Nachrichtenagentur dpa

