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Putins Zustimmung sinkt auf den niedrigsten Wert seit Jahren

Russia's President Vladimir Putin arrives to meet Kyrgyztan's President Sadyr Zhaparov at the Kremlin in Moscow, Thursday, April 23, 2026. (Maxim Shipenkov/Pool Photo via AP)
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Nach den neuesten Zahlen des staatlichen Meinungsforschungsinstituts sank Putins Beliebtheit mit 66,7 Prozent auf den niedrigsten Wert seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022.Bild: keystone

Putins Zustimmung sinkt auf den niedrigsten Wert seit Jahren

Bislang konnte sich Wladimir Putin auf konstante Beliebtheitswerte stützen. Doch neue Zahlen dürften Russlands Machthaber zu denken geben.
24.04.2026, 10:2624.04.2026, 10:26
Christoph Cöln / t-online
Ein Artikel von
t-online

Wer einmal eine zeitlang in Putins Russland verbracht hat, wird wissen, wie es sich anfühlt: Man ist dort auf eine merkwürdige Art nie allein, irgendwie schaut einem immer jemand über die Schulter – und dieser jemand ist meistens Wladimir Putin. Der russische Diktator ist omnipräsent im Riesenreich. Aber auf eine eher subtile Weise. Sein Konterfei hängt nicht von den Fassaden der Ministerien, wie es derzeit mit Donald Trump der Fall ist.

Nein, Russlands Machthaber schleicht sich eher ins Leben seiner Bürger. Sein bevorzugtes Mittel ist das Fernsehen. Und das läuft quasi immer und überall. Wenn man im Café einen Cappuccino trinkt, abends in der Bar und zu Hause in den Wohnzimmern ohnehin. Da sieht man dann Putin, wie er Provinzgouverneure und Unternehmenslenker in holzvertäfelten Büros empfängt, sich mit ausdruckslosem Gesicht Bilanzen vorlegen lässt und seine Gegenüber mit kalten Blicken straft. Stundenlang geht das so.

Putin: Frust unter der Bevölkerung nimmt zu

Die Propaganda-Dauerwerbesendung im Fernsehen war bislang einer der Erfolgsgaranten für den Diktator. Seine Zustimmungswerte blieben stabil auf einem hohen Niveau. Nun aber könnten die Russen doch ein wenig die Nase voll haben. Das legen jedenfalls Umfragen des Russischen Zentrums für Meinungsforschung nahe. Demnach ist die Zustimmung zu Putin seit Anfang März sechs Wochen in Folge gesunken, wie der Fernsehsender «Current Time» berichtet.

Nach den neuesten Zahlen des staatlichen Meinungsforschungsinstituts sank Putins Beliebtheit mit 66,7 Prozent auf den niedrigsten Wert seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022. Niedriger war dieser Wert zuletzt kurz vor der Invasion in die Ukraine mit 64,3 Prozent. Auch das Vertrauen in Putin ist auf 72 Prozent gesunken. Zugleich ist die Unterstützung für die Regierungspartei Einiges Russland weiter zurückgegangen. Obschon sich die Zahlen immer noch auf einem verhältnismässig hohen Niveau befinden, zeichnete sich zuletzt doch eine klare Negativtendenz ab.

Gründe für diese Entwicklung wurden von den Soziologen nicht genannt. Laut des TV-Senders Current Time schlägt sich in den Zahlen jedoch die Frustration in der Bevölkerung nieder. Diese hat in den vergangenen Wochen offenbar stark zugenommen – selbst unter den Kriegsbefürwortern. Die Gründe dafür könnten vorwiegend in den Einschränkungen beim Zugang zum Internet und zu sozialen Medien zu suchen sein, vorwiegend in der Sperrung der Messaging-App Telegram. Als weitere Faktoren gelten die steigenden Lebenshaltungskosten und eine gewisse Kriegsmüdigkeit.

Bonja: Gefühl, in einem Verbotsstaat zu leben

Und noch etwas spricht für die wachsende Unzufriedenheit der Russen: Auch die zahlreichen Propagandasendungen in den staatlichen Kanälen verlieren Zuschauer. So erlebt etwa die Show von Wladimir Solowjow derzeit einen regelrechten Quoteneinbruch. Solowjow ist einer der glühendsten Putin-Fanatiker, der dem Westen regelmässig mit Atomschlägen droht und den vollständigen Untergang der Ukraine herbeiwünscht.

Wie unter anderem die italienische Zeitung «Corriere della Sera» berichtet, sollen viele Russen den Kreml-treuen Fernsehkanälen zunehmend den Rücken kehren und auf unzensierte ausländische Sender umschalten.

Auch die Brandrede der Influencerin Wiktorija Bonja dürfte den Kremlherren zu denken gegeben haben. Die Beauty-Bloggerin, die nicht in Russland lebt, hatte sich kürzlich mit ungewohnt offener Kritik an Putin gewandt. In einem rund 18-minütigen Video prangerte sie Korruption und Misswirtschaft in ihrer Heimat an. Auch hätten die Menschen das Gefühl, in einem Verbotsstaat zu leben. Unter anderem rief sie dem Diktator zu: «Wladimir Wladimirowitsch, man hat Angst vor Ihnen. Die Menschen haben Angst vor Ihnen.» Das Video wurde bislang rund 24 Millionen Mal aufgerufen.

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Die beliebtesten Kommentare
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stevensplace
24.04.2026 10:48registriert März 2020
Nur ist es Putin völlig egal, ob seine Beliebtheit gut oder schlecht ist.

Er ist defacto Diktator auf Lebenszeit, in einem repressiven Unterdrückungssystem.
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banda69
24.04.2026 10:56registriert Januar 2020
Menschen im Nachbarland ermorden, vergewaltigen, im Winter frieren lassen und deren Existenz zerstören ist ok. Aber wenn das Internet zuhause Mal nicht funktioniert, dann hört der Spass auf!
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T13
24.04.2026 11:02registriert April 2018
Also hat er nur noch 124% laut offiziellen Stellen in Russland.
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