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Analysen: Nawalny von Moskau mit Pfeilgift getötet

HANDOUT - Der Kremlgegner Alexej Nawalny wird wie erwartet durch ein Moskauer Gerichtsurteil f
Kremlgegner Alexej Nawalny soll laut Analysen mit einem Nervengift getötet worden sein.Bild: sda

Analysen: Nawalny von Moskau mit Pfeilgift getötet

14.02.2026, 13:5914.02.2026, 16:04

Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden. Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen aus Grossbritannien, Schweden und den Niederlanden beschuldigten Russland, den Kremlkritiker umgebracht zu haben. Die anwesende Witwe Julia Nawalnaja sagte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei.

Nawalnaja hatte bei einem aufsehenerregenden Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor fast genau zwei Jahren angesichts der Berichte über den Tod ihres Mannes zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Putin aufgerufen.

Wadephul sagte nun, zwei Jahre später wisse man: «Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.» Seine sterblichen Überreste hätten ein besonders starkes Nervengift, Epibaditin, enthalten. Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium. «Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll», sagte Wadephul. Zunächst blieb offen, wann, wo und wie konkret die Analysen durchgeführt worden waren.

«Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen»

«Niemand ausser Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist», sagte Wadephul. «Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.» Nawalny sei nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition gewesen, sondern schon einmal das Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags. Anschliessend wurde er in der Berliner Charité behandelt und kehrte trotz allem danach nach Russland zurück.

Wadephul: Putin tritt Völkerrecht jeden Tag mit Füssen

Nawalnys Tod, der sich an diesem Montag zum zweiten Mal jährt, bleibe ein herber Schlag für alle Menschen vor allem in Russland, die die Hoffnung auf ein freies Land nicht aufgegeben hätten, sagte Wadephul. «Putin tritt Völkerrecht und Menschlichkeit nicht nur in der Ukraine jeden Tag mit Füssen.» Auch seine Verpflichtungen nach dem Chemiewaffenübereinkommen seien Putin völlig egal. Die Vergiftung Nawalnys müsse Folgen haben, forderte der Bundesaussenminister. Darum müsse es jetzt in den zuständigen Gremien gehen. Deshalb habe man heute auch den Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen über die Erkenntnisse informiert.

epa12733567 German Foreign Minister Johann Wadephul gives a press statement during the 62nd Munich Security Conference (MSC) at the hotel 'Bayerischer Hof', in Munich, Germany, 13 February 2 ...
Deutschlands Aussenminister Johann Wadephul spricht an der Münchner Sicherheitskonferenz.Bild: keystone

Wir hatten uns nie Illusionen über die Natur des russischen Regimes gemacht, aber diese Erkenntnisse, die wir bekommen haben, zusammen mit Partner-Nationen, haben mich wirklich schockiert», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Nawalny sei «die Figur, die in Russland für eine andere Idee gestanden hat».

Wie genau die Analyse zum verwendeten Nervengift gemeinsam mit Partnerländern erarbeitet worden sei, könne man der Öffentlichkeit nicht voll darstellen.

Wadephul kritisierte all jene, die immer wieder von der deutschen Bundesregierung verlangen würden, endlich mit Moskau über ein Ende des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zu sprechen und den Eindruck erweckten, es läge an mangelnder westlicher Kompromissbereitschaft. «Die müssen jetzt realisieren, dass wir hier ein Regime haben, was mit allen Mitteln, auch jenseits jeder Moral und jedes Rechts bereit ist, das eigene System zu verteidigen.»

Nawalnaja: Hoffe, dass Putin irgendwann auf Anklagebank landet

Nawalnaja dankte den an den Analysen beteiligten Labors in Deutschland, Grossbritannien, Schweden und den Niederlanden. Es sei der schwerste Tag ihres Lebens gewesen, als sie vor zwei Jahren vom Tod ihres Mannes erfahren habe. Schon damals sei sie sich sicher gewesen, dass er ermordet wurde. «Was sonst hätte mit einem jungen, charismatischen Oppositionsführer in Putins Gefängnis passieren können?»

dpatopbilder - 05.06.2024, Berlin: Julia Nawalnaja, Witwe von Alexej Nawalny, kommt zur Verleihung des "Freedom of Speech Award" der Deutschen Welle, mit dem sie ausgezeichnet wird, ins Humb ...
Julia Nawalnaja dankte den fünf EU-Staaten, die an den Analysen beteiligt waren.Bild: keystone

Es sei sicher keine Neuigkeit, dass der Kremlchef ein Mörder sei. «Aber jetzt haben wir noch einen direkten Beweis dafür. Und ich hoffe sehr, dass er irgendwann auf der Anklagebank landet und sich für alles, was er getan hat, verantworten muss», sagte sie in einer teils auf russisch gehaltenen Rede.

Tod in Strafkolonie nördlich des Polarkreises

Nawalny galt als der prominenteste Gegner von Putin in Russland, auch weil er immer wieder Korruptionsfälle innerhalb der Elite um den Kremlchef aufdeckte. 2020 wurde er vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland ausgeflogen, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde. Die russischen Behörden nahmen den Politiker im Januar 2021 bei seiner Rückkehr in die Heimat noch auf dem Flughafen fest - zunächst wegen des angeblichen Verstosses gegen frühere Bewährungsauflagen.

Später verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen - unter anderem wegen Extremismus. Im Gefängnis wurde er stark von der Aussenwelt isoliert. Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Zum Todeszeitpunkt war er 47 Jahre alt - die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache.

Grossbritannien: Moskau muss zur Rechenschaft gezogen werden

Die britische Aussenministerin Yvette Cooper sagte, man könne bestätigen, dass im Körper von Nawalny ein tödliches Gift gefunden worden sei, das in ecuadorianischen Pfeilgiftfröschen vorkomme. Die russische Regierung müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Cooper zitierte Nawalnys Worte:

«Wir müssen das tun, was sie fürchten. Sagt die Wahrheit, verbreitet die Wahrheit. Das ist die mächtigste Waffe.»
epa12647971 Britain's Foreign Secretary Yvette Cooper attends a meeting with Finland's Minister for Foreign Affairs Elina Valtonen (not pictured) in Helsinki, Finland, 14 January 2026. UK Fo ...
Yvette Cooper.Bild: keystone

Niederlande: Mühlen der Gerechtigkeit langsam aber entschlossen

Die schwedische Aussenministerin Maria Stenergard sprach von einem Schritt von grösster Wichtigkeit, um Russland zur Rechenschaft zu ziehen und seine fortwährenden Lügen aufzudecken. «Ich bin unglaublich stolz darauf, dass wir gemeinsam dazu beitragen konnten, die Wahrheit ans Licht zu bringen.» Der niederländische Aussenminister David van Weel sagte, die gute Nachricht sei, dass die Wahrheit immer ans Licht komme. Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlten zwar vielleicht langsam, aber entschlossen für Nawalny. (hkl/sda/dpa)

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73 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mäni99
14.02.2026 14:26registriert Februar 2020
Was nützt es wenn die Wahrheit ans Licht kommt wenn es keine Konsequenzen hat ??? Zum Beispiel weiss die ganze Welt dass Russland das Flugzeug 2014 mit vielen Niederländischen Menschen abgeschossen hat - aber der / die Mörder müssen keine Konsequenzen fürchten. Dies nur als Beispiel für viele weitere Verbrechen derselben …
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Pebbles F.
14.02.2026 14:19registriert Mai 2021
Es drückt einem Menschen mit demokratischer und humanistischer Haltung die Tränen der Verzweiflung in die Augen, dass Putin noch immer nicht vor einem Gericht steht.

Die 🐷🐷👺 unserer Zeit scheinen sich alles erlauben zu können und die naive oder gierige Welt will noch immer mit ihnen verhandeln - über Zölle, über Menschenrechte und über Anstand 🤦‍♀️
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International anerkannter Experte für ALLES
14.02.2026 14:20registriert Juli 2021
Dass Putin ein Mörder ist, war glaub vorher schon klar.

Ich bin ja eigentlich gegen Vergeltung, aber bei Vlad würde ich eine Ausnahme machen…
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