Finnischer Ex-Präsident glaubt, Putin sei nun bereit für Verhandlungen mit Europa
Der ehemalige finnische Präsident Sauli Niinistö glaubt, dass der russische Präsident Wladimir Putin bereit zu Verhandlungen mit den Europäern sei. «Die Botschaft ist: Ich bin bereit zu reden, aber denkt nicht, dass ich schwach bin», sagte Niinistö dem Magazin «Stern». Im Hinblick auf die schweren Angriffe auf die Ukraine in den vergangenen Tagen und den Test der neuen Langstreckenrakete Sarmat müsse man zugleich Putins Worte und Handlungen zusammenzählen:
Niinistö gilt als Putin-Kenner: Der heute 77-Jährige hat Putin in seiner Amtszeit Dutzende Male persönlich getroffen. Experten bringen den Finnen immer wieder als europäischen Vermittler für Verhandlungen mit Moskau ins Spiel. Eine solche Rolle schliesst Niinistö im Gespräch ausdrücklich nicht aus.
Aussenminister warnt: «Moment nicht verpassen»
Niinistö fordert im Interview Verhandlungen mit Moskau über die zukünftige europäische Sicherheitsarchitektur. «Das ist ein Thema, das deutlich über den Ukraine-Krieg hinausgeht, und Europa sollte da unbedingt beteiligt sein», so Niinistö. Zweites wichtiges Thema der Verhandlungen müssten Gespräche über die hybride Kriegsführung sein.
Niinistö sieht darin ein ähnliches Gefahrenpotenzial wie in der atomaren Aufrüstung nach dem Zweiten Weltkrieg. Um eine Eskalation zu verhindern, müsse mit Moskau dringend über ähnliche Abkommen bezüglich der Begrenzung hybrider Kriegsführung verhandelt werden. «Wir müssen mit Russland dort hinkommen, wo die beiden Supermächte ab den 50er Jahren mit den Atomwaffen gekommen sind», so Niinistö.
Zuvor hatte auch Kremlsprecher Dmitri Peskow schon Russlands Gesprächsbereitschafft mit der EU signalisiert. «Die russische Seite ist dafür offen», sagte Peskow am Sonntag. Zugleich lehnte er aber eine Beteiligung der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas an den Verhandlungen ab. «Es wäre nicht in ihrem Interesse, als Vermittlerin zu agieren», so Peskow. Kallas war vor ihrer Berufung nach Brüssel Regierungschefin von Estland, das sich 1991 von der damaligen Sowjetunion losgesagt hatte.
Der estnische Aussenminister Margus Tsahkna warnte laut «Kyiv Independent» davor, auf das Kreml-Angebot einzugehen. «Europa sollte den Moment nicht verpassen», Russland durch weitere Sanktionen zu schwächen. Putin selbst hatte jüngst den früherendeutschen Kanzler und Kremlfreund Gerhard Schröder (SPD) als Vermittler ins Gespräch gebracht. Der Vorstoss war überwiegend auf Kritik gestossen. Putin wolle mit dem Vorstoss lediglich Zeit gewinnen, hiess es.
Verwendete Quellen:
- Vorabmeldung "Stern"
- Nachrichtenagentur dpa

