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Schule - Bildung

Wer soll dich töten: Zigarette oder AK-47? Eine absurde Diskussion über Tabakkonsum und Terrorismus in Frankreich

Wer soll dich töten: Zigarette oder AK-47? Eine absurde Diskussion über Tabakkonsum und Terrorismus in Frankreich

11.04.2016, 19:5612.04.2016, 14:45
Schüler vor dem Eingang des Lycée Victor Hugo in Paris: Seit den Anschlägen im November darf mancherorts wieder auf dem Schulgelände geraucht werden. 
Schüler vor dem Eingang des Lycée Victor Hugo in Paris: Seit den Anschlägen im November darf mancherorts wieder auf dem Schulgelände geraucht werden. Bild: Jacques Brinon/AP/KEYSTONE

An Frankreichs Schulen herrscht für Raucher normalerweise ein strenges Regime: Wer sich auf dem Schulgelände befindet, lässt die Gauloise stecken. Geraucht wird draussen, die Menschentrauben vor den Eingängen der Lycées gehören in französischen Metropolen zum Stadtbild wie das Baguette und Demonstrationen gegen Arbeitsrechtverschärfungen. Nach den Anschlägen vom 13. November 2015 in Paris darf die Fluppe aber mancherorts wieder auf dem Schulgelände kursieren – aus Angst vor Anschlägen auf die Schüler und Schülerinnen.

Innen- und Bildungsministerium haben den Schulen empfohlen, die Tore für seine jungen Raucher wieder zu öffnen. Dahinter steckt die Befürchtung, dass Schülergruppen vor dem Eingang einer Schule eine leichte Zielscheibe für Attentäter sein könnten.

Terrorismus

Gegen die Empfehlung der Behörden protestieren nicht nur Eltern, Ärzte und Tabakgegner – auch aus der Regierung selber erwächst Widerstand. Das Gesundheitsministerium gab bekannt, die Empfehlung der Schwesterministerien nicht zu unterstützen. Das Rauchergesetz aus dem Jahr 2006 soll weiterhin Bestand haben.

Frankreichs Schüler dürfen wegen Terrorgefahr in der Schule rauchen – gut so?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1156 Personen teilgenommen

Die Lungenärztin Corinne Depagne gab gegenüber RTL ihrer Empörung über die Anweisung Ausdruck: «Jetzt werden unsere Kinder zwar vor Terroristen geschützt, dafür werden sie drinnen langsam getötet.» Depagne und eine Reihe von Nichtraucherorganisationen gehen gerichtlich gegen die Schulen vor, die ihren Schülern das Rauchen auf dem Gelände wieder erlaubt haben.

Frankreich

Die absurd anmutende Debatte ist auf die generelle Problematik des Tabakkonsums im Land der Gitanes und Galouises zurückzuführen. Vor allem bei den Jungen ist die Zigarette noch immer beliebt, auch wenn bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen jüngst rückläufige Zahlen festgestellt wurden – junge Frauen hingegen greifen in den letzten Jahren vermehrt zum Glimmstengel. 

Die Zahlen zur Todesursache sprechen jedenfalls eine klare Sprache: Seit 2000 kamen in Frankreich 163 Personen bei terroristisch motivierten Anschlägen ums Leben, 443 wurden verletzt. Demgegenüber sterben jährlich mehr als 70'000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. (wst)

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