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Wer aus einer Grenzregion in die Schweiz einreist, muss nicht in Quarantäne. (Archivbild)

«Natürlich sehen wir die Entwicklung in der Schweiz mit Sorge»: in vielen Kantonen sind die Neuinfektionen derart hoch, dass sie eigentlich als Risikogebiet für Deutsche gelten sollten. Bild: sda

Zwei Wochen Quarantäne: Diese Kantone stehen wohl als nächstes auf der deutschen Warnliste

Nach deutschen Massstäben müssten die meisten Kantone auf die Risikoliste gesetzt werden. Die Behörden zögern. Aber wie lange noch?

Christoph Reichmuth aus Berlin / ch media



Bislang sind auf der Risikoliste des Robert Koch-Instituts (RKI) aus der Schweiz nur die Kantone Genf und Waadt gelistet. Doch die aus dem Ruder laufenden Coronazahlen in der Schweiz sind auch der Bundesregierung in Berlin nicht verborgen geblieben. In den meisten Kantonen – darunter Zug, Jura, Neuenburg, Schwyz, aber auch im Kanton Zürich – sind die Infektionen derart hoch, dass sie nach deutschem Massstab längst als Risikogebiete einzustufen wären.

Deutschland orientiert sich bei der Definition von Risikogebieten seit Frühjahr an der sogenannten 7-Tage-Inzidenz. Diese Kennziffer sagt aus, wie viele Menschen in einer bestimmten Region in sieben Tagen neu am Coronavirus erkrankt sind – und zwar nicht in absoluten Zahlen, sondern bezogen auf jeweils 100'000 Einwohner.

epa08728756 German Minister of Health Jens Spahn attends a press conference on the Coronavirus pandemic situation in Germany this fall in Berlin, Germany, 08 October 2020.  EPA/CHRISTIAN MARQUARDT / POOL

Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn: Die Bundesregierung könnte schon bald Quarantänepflicht für Einreisende aus weiteren Schweizer Kantonen verhängen Bild: keystone

Wird der Wert von 30 Infektionen auf 100'000 Einwohner überschritten, kommen innerhalb Deutschlands moderatere Gegenmassnahmen zum Zug. Wird der Wert von 50 Infektionen geknackt, greifen Restriktionen wie aktuell etwa in Berlin, Hamburg oder München, wo Kneipen früher schliessen müssen und es Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum gibt.

Bereits in dieser Woche massiv überschritten

Die 7-Tage-Inzidienz wird mit Ausnahme von fünf Kantonen (AG, GL, BL, BS, SH) bereits an diesem Montag zum Teil massiv überschritten - doch noch zögern die zuständige Ministerien in Berlin, den überwiegenden Teil des südlichen Nachbarlandes auf die Risikoliste zu setzen. Denn die Konsequenzen der Risiko-Einstufung sind enorm – wer aus einem RKI-Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss entweder einen aktuellen, negativen Covid-Test vorweisen oder sich für 14 Tage in Quarantäne begeben.

Gemessen an den deutschen Massstäben weist die gesamte Schweiz fast 90 Covid-Fälle auf 100'000 Einwohner aus - und wäre demnach insgesamt ein Risiko-Land. Zum Vergleich: Deutschland weist trotz einiger Hotspots weniger als 30 Fälle auf 100'000 Einwohner aus.

«Wir werden gegebenenfalls weitere Kantone in die Risikoliste aufnehmen.»

Sprecher des Gesundheitsministeriums

Finden sich nach Genf und Waadt demnächst weitere Kantone auf der RKI-Risikoliste? Nach den Worten der Bundesregierung dürfte dies in den nächsten Tagen der Fall sein. «Wir stehen in einem stetigen Austausch mit dem Innenminister und dem Auswärtigen Amt. Wir werden uns zur Schweiz weiterhin austauschen und gegebenenfalls weitere Kantone in die Risikoliste aufnehmen», sagte gestern der Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage. Und fügte hinzu: «Ausschlaggebend hierfür ist die 7-Tage-Inzidenz.» Bleibt die Regierung in Berlin ihrer Linie treu, muss sie also in Sachen Schweiz handeln.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner, Vorsitzender der Deutsch-Schweizerischen Parlamentariergruppe im Bundestag, hält Debatten über eine Ausweitung der gesamten Schweiz zum Risikogebiet für wenig hilfreich.

Der 34-Jährige verweist auf Zehntausende von Grenzgängern, die täglich von Deutschland in die Schweiz zur Arbeit pendeln. «Natürlich sehen wir die Entwicklung in der Schweiz mit Sorge. Aber was wir jetzt brauchen, ist eine gemeinsame Strategie der Schweiz und Deutschland anstelle einer Debatte über Grenzschliessungen oder Risikogebiete», mahnt der Baden-Württemberger.

Kritik an mangelhaftem Datenaustausch mit der Schweiz

Schreiner bedauert, dass der Datenaustausch der Covid-App zwischen Deutschland und der Schweiz noch immer nicht auf den Weg gebracht werden konnte: «Das würde die Rückverfolgung von Corona-Infektionen im Grenzraum erleichtern.»

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sei mit dem Schweizer Bundesrat im Gespräch über eine koordinierte Nutzung der jeweiligen Covid-App. «Ich hoffe, dass die Bundesregierung mit dem Schweizer Bundesrat zeitnah eine Lösung für dieses Problem findet», so Schreiner.

Auch bei den Corona-Massnahmen hofft Schreiner auf ein einheitlicheres Vorgehen der beiden Länder: «Ich stelle fest, dass die Menschen in der Schweiz in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Einkaufszentrum lange Zeit keine Maske tragen mussten, während die Maskenpflicht in Deutschland längst eingeführt war. Ich wünsche mir hier ein einheitlicheres Vorgehen.» (bzbasel.ch)

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Demetria
13.10.2020 00:16registriert March 2020
Tja, es wäre peinlich wenn es soweit käme, aber irgendwie auch zu begrüssen. Die Mentalität dass im "besten Land der Welt" Probleme gar nicht existieren können und der Virus nur ein Problem im bösen Amiland wäre ist weit verbreitet. Die Ohrfeige von aussen würde vermutlich ein paar Leute wieder auf den Boden der Tatsache bringen. Masken und Händewaschen sind einfach immer noch angezeigt. Man muss auch nicht mit den ungewaschenen Füdlifingern in der S-Bahn Sandwiches mampfen, um mal allen Anständigen zu demonstrieren, dass man es nicht nötig hat sich an Regeln zu halten.
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HeforShe
13.10.2020 00:24registriert November 2016
Also, dann lieber jetzt Wintervorrat Katzenfutter an die Lieferadresse senden lassen... die Grenzen gehen womöglich nicht mehr zu, aber mit Einschränkungen wird zu rechnen sein. Ich weiss, dass alle die Zahlen relativieren und ich verstehe auch die verschiedenen Punkte, mir macht die Situation trotzdem Bauchweh. 😔
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Peter Sager
12.10.2020 22:53registriert November 2016
Die Frage ist nur warum Voralberg auf der RKI Liste ist und der Kanton Schwyz mit 4 mal mehr Ansteckungen in den letzten 7 Tagen nicht? Wer alles hat hier die Finger im Spiel, dass das mächtige RKI und Deutschland ein nicht EU Land nicht auf die Liste setzt aber z.B. jemand aus Berlin mit 55 anstatt 220 wie Schwyz nicht mehr ins Allgäu ins Hotel Allgäuer Berghof darf. Dort sind gut 30% Schweizer Gäste und die 70 % Deutschen. Schweizer Gäste dürfen im Allgäu, die deutschen Hotelgäste aus "sauberen Gebieten" anstecken, aber Berlin darf nicht dort hin.
Wer kann dies auch nur im Ansatz erklären?
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