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epa07826455 Polish-French director Roman Polanski arrives on the red carpet prior to the premiere 'Music of My Life (Blinded by the Light)' during the 45th Deauville American Film Festival, in Deauville, France, 07 September 2019. The festival runs from 06 to 15 September.  EPA/JULIEN DE ROSA

Was ist dran an den erneuten Vergewaltigungsvorwürfen? Bild: EPA

Neue Vorwürfe gegen Roman Polanski: «Er vergewaltigte mich und tat mir alles Schlimme an»

Eine Französin wirft dem Regisseur Roman Polanski vor, er habe sie vor Jahrzehnten in der Schweiz vergewaltigt. Die Anklage überschattet die Premiere seines neusten Films über die Dreyfus-Affäre.

Stefan Brändle, Paris / ch media



Auch wenn die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Polanski nicht neu sind, hat die neuste Anklage in Paris einen Schock ausgelöst. Seit Tagen schon diskutiert Frankreich über einen anderen Fall – um die Schauspielerin Adèle Haenel – , der den Schluss nahelegt, dass die französische Filmbranche den gleichen Prozess durchmacht wie Hollywood nach der Weinstein-Affäre vor zwei Jahren.

Mitten in diese angespannte Atmosphäre platzt in Paris die neue Anklage gegen Polanski. Die Vorwürfe sind verjährt, aber sehr genau und schwerwiegend. Die frühere Schauspielerin Valentine Monnier erzählte der Zeitung «Le Parisien» detailliert, wie sie von Polanski 1975 im Alter von 18 vergewaltigt worden sei. Ohne den Regisseur zu kennen, sei sie damals der Einladung einer Bekannten in dessen Chalet in Gstaad gefolgt. Schon am Skilift habe er ihr ein sexuelles Angebot gemacht. Zurück im Haus, habe er sie zu sich in sein Stockwerk gerufen und nackt empfangen. Sie sagt:

«Es war von extremer Gewalt. Er schlug mich, bis ich aufgab, dann vergewaltigte er mich und tat mir alles Schlimme an.»

Polanskis französischer Anwalt Hervé Témime erklärte, er bestreite «mit Nachdruck jeden Vergewaltigungsvorwurf». Dieser sei verjährt und der Justiz auch vorher nie zur Kenntnis gebracht worden.

Mehrere Zeugen haben Erklärungen abgegeben

«Le Parisien» erwähnt dagegen mehrere Zeugen, die eidesstattliche Erklärungen abgegeben haben. Ein damaliger Feriengast in Gstaad berichtete, Monnier sei am fraglichen Abend bei ihm untergekommen und habe erzählt, sie sei von Polanski brutal vergewaltigt worden. Der anonym bleibende Chalet-Besitzer, der Monnier bei sich aufnahm, glaubt sich an einen blauen Fleck auf ihrer Wange zu erinnern.

Ein britischer Filmproduzent namens John Bentley bestätigte den Vorfall gegenüber der Pariser Zeitung ebenfalls. Zwei Jugendfreunde erklärten ihrerseits, Monnier habe ihnen danach über die Untat berichtet.

Die heute 62-jährige Fotografin hatte nach dem Aufbrechen der Weinstein-Affäre die Polizei von Los Angeles kontaktiert. Sie schrieb auch Briefe an diverse Persönlichkeiten in Paris, darunter Frauenministerin Marlène Schiappa und Präsidentengattin Brigitte Macron.

Im September entschloss sie sich, an die Öffentlichkeit zu gehen, als bekannt wurde, dass Polanskis neue Grossproduktion «J'accuse» (auf Englisch «An Officer and a spy») über die Dreyfus-Affäre von 1905 in Frankreich am 13. November ins Kino kommt. Dieser Film behandelt den Justizirrtum gegenüber einem ungerechtfertigt angeklagten jüdischen Offizier der französischen Armee. In Interviews zog Polanski selber eine Parallele zu den seiner Meinung nach haltlosen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn. Monnier erklärte dem Parisien, sie könne nicht anhören, wie jemand, der sie «mit dem Eisen gebrannt» habe, selber erkläre, er klage an (j'accuse).

Ein «mutiger und präziser» Bericht

Polanski (86) kann bis heute nicht in die USA einreisen, weil dort eine entsprechende, auf das Jahr 1977 zurückgehende Ermittlung gegen ihn läuft. Die französische Filmwelt hat sich immer voll hinter den Oscar-Preisträger mit polnischem und französischen Pass gestellt. Die Pariser Cinémathèque hielt 2017 trotz Protesten an einer Polanski-Retrospektive fest.

Vor ein paar Tagen hat die MeToo-Debatte dennoch Paris erreicht, als die Schauspielerin Adèle Haenel berichtete, sie sei als junges Mädchen von dem in der Pariser Szene nicht minder bekannten Christophe Ruggia sexuell missbraucht worden. Der Täter entschuldigte sich seither.

Die neue Polanski-Affäre trifft die Kinobranche nun mit voller Wucht. Noch vor wenigen Tagen hatte der Hauptdarsteller des Films «J'accuse», Jean Dujardin, erklärt, er sei sich der «mühsamen» MeToo-Debatte «überdrüssig». Nun erklären sich zahlreiche andere Schauspielerinnen solidarisch mit Valentine Monnier. Haenel dankte ihr für den «mutigen und präzisen» Bericht. Offen ist nun die Frage, ob der 22 Millionen Euro teure Produktion «J'accuse» überhaupt in die Kinosäle kommt. Sollte dies der Fall sein, ist mit Protestaktionen zu rechnen.

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48Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eisvogel 10.11.2019 09:11
    Highlight Highlight "Noch vor wenigen Tagen hatte der Hauptdarsteller des Films «J'accuse», Jean Dujardin, erklärt, er sei sich der «mühsamen» MeToo-Debatte «überdrüssig». "

    Also ich bin ganz anderer Sachen überdrüssig. Vergewaltiger zum Beispiel.
    • Saraina 11.11.2019 09:34
      Highlight Highlight Wie wäre es mit Anklage, Beweisführung, Verurteilung, Strafe? So lief das früher ab, als noch Rechtsstaat war.
  • Hinterm Mond, wärmts sich bestens 10.11.2019 04:09
    Highlight Highlight Vor einigen Jahren schon wurde dieser Grüsel und geniale Regisseur genau aus dem gleichen Grund angeklagt, unsere Cervelat-Prominenz nahm ihn da noch in Schutz!
    Ich habe damals auf seine Türfalle an seinem Chalet in Gstaad gepinkelt! Möge er lebenslang Pisshände haben!
    • hopplaschorsch12 10.11.2019 14:50
      Highlight Highlight ernsthaft? das pissen an die türfalle meine ich.
    • Hinterm Mond, wärmts sich bestens 10.11.2019 17:07
      Highlight Highlight Ja
    • Spooky 10.11.2019 18:31
      Highlight Highlight @Hinterm Mond, wärmts sich bestens

      Gibt es Zeugen, die das gesehen haben?
    Weitere Antworten anzeigen
  • The Wall 09.11.2019 23:41
    Highlight Highlight Ach wie lange hat doch Madame gebraucht, sich den Sachverhalt zurecht zu legen!
    Sie hätte weiss Gott schon vor Jahren genug Zeit gehabt, sich im Rahmen von <me too> publikumswirksam die Öffentlichkeit zu informieren.
    • ChlyklassSFI 10.11.2019 08:34
      Highlight Highlight Und du hattest genug Zeit für einen ordentlichen Kommentar.
    • Lisbon 10.11.2019 09:36
      Highlight Highlight Dass missbrauchte Menschen Jahrzehnte benötigen, um offen darüber zu reden, ist nichts unübliches.
  • P.M aus W 09.11.2019 22:07
    Highlight Highlight Das vergewaltigungen erst so spät angezeigt werden ist gerade bei einer berühmten Person doch verständlich. Man nimmt in Kauf das man ihr nicht glaubt und ihr unterstellt, nur Aufmerksamkeit erregen zu wollen. Auch wir man ständig mit der Tat konfrontiert. Das alles braucht viel Kraft und Mut und ihr etwas Vorzuwerfen ist einfach total Falsch.
    • Saraina 10.11.2019 09:30
      Highlight Highlight Zu dem Zeitpunkt hatte sich Polanski bereits schuldig bekannt, eine 13-Jährige missbraucht zu haben. Das hätte der Anschuldigung deutlich mehr Gewicht verliehen. Zudem war er durchaus wegen seiner Vorliebe zu sehr jungen Mädchen in der Presse.
  • baldini75 09.11.2019 18:37
    Highlight Highlight wieso läuft der noch frei herum und dreht einen film nachm dem anderen? Der Typ muss eine ganz grosse Lobby um sich haben...
    • Saraina 09.11.2019 18:46
      Highlight Highlight Na ja, wenn die Anzeigen nach 40 und mehr Jahren kommen? Die Lobby in diesem Fall ist die Feigheit der betroffenen Frauen, die lieber zulassen, dass weitere Frauen zu schaden kommen, als zeitnah zur Polizei zu gehen.
    • Garp 09.11.2019 19:17
      Highlight Highlight Du vergisst Saraina, wie die Polizei vor 40 Jahren drauf war. Da waren die meisten auch noch der Meinung; wer einen Minirock trägt, ist selber Schuld.

      Wurde Dein Account gekapert? Ich erkenne Dich kaum wieder.
    • Krise 09.11.2019 19:22
      Highlight Highlight @Seraina Hör auf den Opfern die Schuld zu geben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Flunkie 09.11.2019 13:43
    Highlight Highlight Doch, doch, einreisen kann er schon in die USA, der Herr Polanski, nur ausreisen vermutlich nicht mehr.

    Man sollte mal bei den ganzen Promis aus der Kunstszene nachfragen, wie sie heute ihre Unterschriften auf offenen Briefen etc. „in support of“ dieses Herrn sehen, wenn sie sowas hören. Was muss da noch alles herauskommen, bevor da die solidarischen Scheuklappen endlich fallen?

    Hoffentlich wird irgendwann ein anderer Regisseur einen Film über die tragische Dreyfus-Affaire machen. Es wäre ein wichtiges Kapitel Geschichte, das da aufzuarbeiten wäre.
  • Judge Dredd 09.11.2019 13:37
    Highlight Highlight Ich kann mich gut daran erinner, als die schweizer Justiz Polanski festnahm wegen des hängigen Vergewaltigungsfalles in den USA. Das war lange vor #metoo und die öffebtliche Meinung war noch komplett anders. Viele haben sich vorbehaltslos für ihn stark gemacht, sahen in ihm quasi noch ein Opfer der US justiz. Ich habs dazumal nicht verstanden, wie man ihn so unkritisch in Schutz genommen hatte (allen voran die Kunstszene). Die öffentliche Meinung hat sich zum Glück geändert. Ich bin mir nicht sicher ob er unter den aktuellen Vorzeichen gleich viel Unterstützung erhält.
    • Resistance 09.11.2019 14:31
      Highlight Highlight Hätte sich die Französin zu dieser Zeit gemeldet hätte ihm das vermutlich das Genick gebrochen! Warum hat sie damit so lange gewartet?
    • Judge Dredd 09.11.2019 15:54
      Highlight Highlight @Resistance, oh ja, super, drehen wirs doch mal wieder so rum, dass sie sich falsch vehalten hat.

      By the way, Polanskis Vorliebe für (zu) junge Mädchen war auch zu dieser Zeit schon bekannt... trotzdem wurde er von vielen in Schutz genommen.
    • Judge Dredd 09.11.2019 16:01
      Highlight Highlight Vielleicht hat sie sich erst jetzt gemeldet, da seit metoo ein Umdenken in dieser Beziehung stattfand.
    Weitere Antworten anzeigen
  • just sayin' 09.11.2019 13:34
    Highlight Highlight jedesmal wenn ich solche vorwürfe höre bin ich zutiefst gespalten.

    einerseits: vergewaltigung ist etwas vom übelsten, was man einem menschen antun kann. menschen, welche so etwas tun gehören vor gericht und sollten eine gerchte strafe erhalten.

    andererseits: jemand nach 45 jahren (ist das ein rekord?) öffentlich zu beschuldigen ist fragwürdig.
    • Kubod 09.11.2019 14:52
      Highlight Highlight @just sayin'
      Die Opfer müssen ihr Leben lang mit den Erinnerungen leben.
      So gesehen ist die Zeitspanne bedeutungslos.
    • so war es doch nicht gemeint 09.11.2019 19:18
      Highlight Highlight @just sayin'
      Scham, Verdrängung, Angst können dazu führen, dass das Geschehene erst viel später - ausgelöst durch ein Ereignis - wieder hochkommt.

      Ich hoffe, du musst es nie am eigenen Leib erfahren, was die Opfer durchmachen.
      Von Rekorde brechen in diesem Zusammenhang zu sprechen, ist schrecklich und lässt an deinem Nachempfinden zweifeln.


    • I don't give a fuck 10.11.2019 00:25
      Highlight Highlight falls jemals etwas geschehen ist, und das ist ein grosses falls...
    Weitere Antworten anzeigen
  • PlayaGua 09.11.2019 13:30
    Highlight Highlight Pünktlich zur Premiere.
  • Dani B. 09.11.2019 13:20
    Highlight Highlight Polanski kann jederzeit in die USA einreisen.
    • Spooky 10.11.2019 20:24
      Highlight Highlight Richtig! Er ist in den USA herzlich willkommen.

      Weil er dann vor Gericht gestellt werden kann.

      Darum bleibt er besser im Ausland.

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