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Niemand exportiert so viele Waffen wie die USA – Schweiz auf Rang 13

Mehr als jedes dritte Rüstungsgut weltweit stammt laut Friedensforschungsinstitut Sipri aus US-Fabriken. Damit bleiben die USA der dominierende Akteur unter den Waffenexporteuren.



An den USA führt auf dem weltweiten Rüstungsmarkt kaum ein Weg vorbei: Mit einem Anteil von 36 Prozent an den Gesamtausfuhren von Grosswaffen bleiben die Vereinigten Staaten der mit Abstand grösste Rüstungsexporteur der Erde.

Dabei habe Washington seine Waffenexporte in den Jahren 2015 bis 2019 im Vergleich zur vorherigen Fünfjahresperiode um 23 Prozent gesteigert, teilte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einem am Montag veröffentlichten Bericht mit. Weltweit nahm das Gesamtvolumen der Im- und Exporte auf die fünf Jahre gerechnet um 5,5 Prozent zu.

Die USA werden damit immer dominanter im Waffengeschäft – und das nicht erst seit Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump: Teile der grössten Waffenlieferungen der vergangenen Fünfjahresperiode seien noch unter Trump-Vorgänger Barack Obama genehmigt worden, sagte der Sipri-Rüstungsexperte Pieter Wezeman der Nachrichtenagentur DPA in Stockholm.

epa07832227 A handout photo made available by the US Army shows Soldiers from the 1-118th Field Artillery Regiment of the 48th Infantry Brigade Combat Team firing an M777 Howitzer during a fire mission in Helmand Province, southern Afghanistan, 10 June 2019 (issued 10 September 2019). Media reports quoting US officials state that the US military is likely to ramp up its operations in Afghanistan following Washington's suspension of peace talks with the Taliban on 09 September 2019, after the insurgent group kept carrying out high profile attacks in the country, including one that recently killed a US soldier. The Taliban on 10 September 2019, pledged to continue fighting against US forces in Afghanistan after President Trump declared peace talks with the group as 'dead', media added.  EPA/SGT. JORDAN TRENT/US ARMY HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Über ein Drittel aller Waffenexporte weltweit stammen aus den USA. Bild: EPA

Ein Viertel der US-Waffenexporte für Riad

Die USA profitierten dabei unter anderem von einer grossen Nachfrage im Nahen Osten – dort stiegen die Waffenimporte im Fünfjahreszeitraum begünstigt durch mehrere Konflikte – wie beispielsweise mit dem Iran – um 61 Prozent.

«Die Hälfte der US-Waffenexporte der vergangenen fünf Jahre ist in den Nahen Osten gegangen, und die Hälfte davon nach Saudi-Arabien», sagte Wezeman. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach fortschrittlichen amerikanischen Militärflugzeugen in anderen Weltregionen wie Europa, Australien, Japan und Taiwan gestiegen.

Insgesamt belieferten die Vereinigten Staaten 96 Länder mit Waffen. Den Abstand zum zweitgrössten Waffenexporteur der Welt haben sie dabei weiter vergrössert: Während der US-Anteil an den Rüstungsexporten von 31 auf 36 Prozent wuchs, verminderte sich derjenige von Russland von 27 auf 21 Prozent.

Die russischen Ausfuhren sanken vor allem wegen einer deutlich geringeren Nachfrage vom wichtigsten Waffenabnehmer Indien im Fünfjahresvergleich um 18 Prozent. Bemerkenswert zudem: Die russischen Waffenlieferungen an Syrien gingen um 87 Prozent zurück – während Russland die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad seit Jahren militärisch im syrischen Bürgerkrieg unterstützt.

Schweiz auf Rang 13

Aus der Schweiz stammten in den letzte 5 Jahren 0,9 Prozent aller Waffenexporte. Laut Sipri entspricht dies zwar einem Plus von 2,6 Prozent, die Schweiz bleibt aber auf Rang 13 der Waffenexporteure.

Die Exportschlager der Schweizer Rüstungsindustrie

Die grössten Abnehmer von Schweizer Rüstungsgütern sind Australien (18 Prozent) vor China und Saudi-Arabien (beide je 14 Prozent). Im letzten Fünfjahresbericht hatte Saudi-Arabien noch vor China und Indonesien gelegen. Umgekehrt bleibt die Schweiz drittgrösster Abnehmer von Waffen aus Kuwait (hinter den USA und Frankreich). Laut Sipri sind in den letzten fünf Jahren 7,1 Prozent aller Waffenexporte aus dem Staat im Mittleren Osten in die Schweiz geliefert worden.

Frankreich grösster EU-Waffenexporteur

Frankreich als grösster Waffenexporteur innerhalb der EU exportierte in den vergangenen fünf Jahren so viele Rüstungsgüter wie seit 1990 nicht mehr: Die französischen Ausfuhren stiegen in dem Zeitraum um satte 72 Prozent im Vergleich zu 2010 bis 2014, was laut Sipri unter anderem an grösseren Waffen-Deals mit Ägypten, Katar und Indien lag.

Deutschland bleibt mit einer Zunahme von 17 Prozent und einem Anteil von 5,8 Prozent an den Gesamtexporten vor China auf Platz vier der Rangliste – und damit trotz einer im Vergleich relativ restriktiven Waffenexport-Politik weiter einer der weltgrössten Rüstungsexporteure, wie Wezeman sagte.

Trotz des Exportstopps an Saudi-Arabien sei Deutschland in den vergangenen fünf Jahren «einige umstrittene Deals» eingegangen, etwa mit Lieferungen nach Algerien und Ägypten. Hauptabnehmer deutscher Rüstungsgüter sind demnach Südkorea, das seit 2015 mit vier deutschen U-Booten beliefert wurde, sowie Griechenland und Algerien.

130 Prozent mehr Waffenimporte in fünf Jahren

Apropos Saudi-Arabien: Auf der anderen Seite des Waffenhandels wird das Königreich immer stärker zum Primus. Saudi-Arabien importierte zwischen 2015 und 2019 130 Prozent mehr Waffen als zuvor, womit es nunmehr auf einen Anteil an den weltweiten Gesamtimporten in Höhe von zwölf Prozent kommt.

Sipri geht es in seinen Berichten um langfristige internationale Trends, weshalb das Institut Fünfjahreszeiträume statt einzelne Jahre miteinander vergleicht. Die Werte der Friedensforscher bemessen sich nach dem Volumen, nicht dem finanziellen Wert von Waffen-Deals. Kleinwaffen werden dabei nicht mit eingerechnet. (sda/dpa)

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Renato zum lustigen Thema: Waffenexporte! Jeeee!

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Triple 09.03.2020 16:27
    Highlight Highlight Welche Waffen importieren wir aus Kuwait??
  • Spüdlifalt 09.03.2020 10:34
    Highlight Highlight Wer Wind sät...
    • Schlange12 09.03.2020 17:51
      Highlight Highlight Das ist im Fall nicht neu.
    • Christian Mueller (1) 10.03.2020 09:07
      Highlight Highlight Warum tscheggen sie es denn nicht?
  • Christian Mueller (1) 09.03.2020 09:53
    Highlight Highlight Schon der Ex-Präsident der USA Eisenhower warnte kurz vor seinem Amtsabtritt die Welt vor dem militärisch-industriellen Komplex. Wir haben nicht hingehört. Wir haben mitverdient.
  • Joe 'Barack America' Biden 09.03.2020 09:36
    Highlight Highlight Wie sieht diese Rangliste pro Kopf aus?
    • Firefly 09.03.2020 14:06
      Highlight Highlight Aber bitte nur die Köpfe die auch mitentscheiden konnten.
  • Merlin.s17 09.03.2020 09:35
    Highlight Highlight Wo die Scheine locken...
  • PC Principal 09.03.2020 09:08
    Highlight Highlight Es gab noch nie so viel Militär auf der Welt und doch war die Welt noch nie so friedlich wie heute. Das ist kein Zufall. Früher war es normal, dass alle Grossmächte ständig Krieg miteinander geführt haben, seit es hochmoderne Waffen gibt (u.a. Atombomben) passiert das nicht mehr.

    Man darf gerne über ein totales Handelsverbot von Wafen diskutieren. Das bedeutet praktisch dass beewaffnete Armeen verboten werden. Es ist einfach völlig unrealistisch dass das passiert und es würde die Welt auch nicht sicherer machen.

    Wichtig ist nur, dass man Exporte in Bürgekriegsgebiete konsequent verhindert.
    • freeLCT 09.03.2020 12:48
      Highlight Highlight @PC Principal:

      Also eifach öppis mache, dass öppis gmacht isch.

      Dein erster Satz lies mich zuerst mal kalt schlucken um mir gleich darauffolgend die Frage zu stellen, was in deinem Weltbild noch gemacht werden muss, damit wir von (d)einer heilen Welt sprechen.
      Ich will es mir gar nicht vorstellen müssen.
    • PC Principal 09.03.2020 13:40
      Highlight Highlight @freeLCT: Niemand redet von heiler Welt, aber in fast jedem Bereich gibt es einen positiven langfristigen Trend. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Krieg zu sterben war noch nie so gering wie heute.
    • Balikc 09.03.2020 14:18
      Highlight Highlight Wenn Schweizer Handgranaten beim IS auftauchen, kann man das nicht damit schönreden, dass in Saudi-Arabien kein Bürgerkrieg herrscht.

      Betreffend «friedliche» Zeiten: Was die Anzahl Konflikte angeht magst du (vielleicht) recht haben. Das Ausmass der Zerstörung war aber definitiv kleiner, als man noch mit Hellebarde und Schwert gekämpft hatte.

      Hier stellvertretend ein paar Eindrücke aus Aleppo (2016). Homs, Idlib und viele weitere Städte sehen nicht besser aus. Es wird Jahrzehnte dauern, dieses Land wiederaufzubauen.
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    Weitere Antworten anzeigen
  • Zingoo 09.03.2020 09:03
    Highlight Highlight Die Schweizer Kriegsmaterialverordnung verbietet Exporte in Länder, die in einen internen oder internationalen Konflikt verwickelt sind . Im Jahr 2017 gingen gut 30 Prozent der Schweizer Kriegsmaterialexporte an Länder, die in interne oder internationale Konflikte involviert sind ( Israel, Saudi arabia)

    Waffenexport in Konfliktgebiete= Doppelmoral
  • Andi Weibel 09.03.2020 08:55
    Highlight Highlight Eine Statistik der Waffenexporte pro Kopf fände ich sehr spannend. Ich vermute, da wäre die Schweiz eines der übelsten Länder...
    • PC Principal 09.03.2020 11:05
      Highlight Highlight Nein eines der besten Länder :D
    • Ökonometriker 09.03.2020 11:57
      Highlight Highlight @Andi: der Anteil der Schweiz am Waffenmarkt ist ziemlich genauso gross wie ihr Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung.

      Pro Kopf ist die Schweiz aber überdurchschnittlich produktiv, daher ist logischerweise auch der Wert der Waffenexporte überdurchschnittlich hoch.
  • Raembe 09.03.2020 08:52
    Highlight Highlight Rang 13? Krass, wusste nicht das wir so viele Waffen exportieren und dann noch nach Arabien und China. Waffenexport von mir aus, aber nicht in diesem Ausmass und nicht an diese Länder. Speziell wenn man sich als neutrales Land loben will.
  • WalterWhiteDies 09.03.2020 08:49
    Highlight Highlight Die USA rüstet Länder auf und bekriegt diese Länder dann in der Zukunft.
  • MarGo 09.03.2020 08:44
    Highlight Highlight Jawohl... Waffen braucht die Welt... FÜR DEN FRIEDEN!!
  • homo sapiens melior 09.03.2020 08:08
    Highlight Highlight Es soll in den USA keinen einzigen Staat geben, der nicht irgendein Teil für Waffen produziert. Die Lobby ist dort so fett, weil sie einer der wichtigsten Arbeitgeber ist.

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