International
Spanien

Eine Nacht voller Ausschreitungen: So sieht es gerade in Barcelona aus

Eine Nacht voller Ausschreitungen: So sieht es gerade in Barcelona aus

Barcelona hat die gewalttätigste Nacht seit dem Wiederaufflammen des katalanischen Unabhängigkeitskonflikts am vorigen Montag erlebt. Die Zusammenstösse zwischen Separatisten und der Polizei liessen in der Regionalhauptstadt erst nach Mitternacht nach.
19.10.2019, 06:3719.10.2019, 13:32

Es war bereits die fünfte Nacht in Serie, in der teils mit Gewalt gegen die Verurteilung von neun Separatistenführern der abtrünnigen Region im Nordosten Spaniens demonstriert wurde.

Police take position during clashes with Catalan pro-independence protestors in Barcelona, Spain, Friday, Oct. 18, 2019.The Catalan regional capital is bracing for a fifth day of protests over the con ...
Im Stadtzentrum gab es teils chaotische Szenen. Bild: AP

Radikale Separatisten, die Barrikaden errichtet hatten, warfen Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die Polizei setzte erstmals auch Wasserwerfer ein. Im Stadtzentrum gab es chaotische Szenen. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender RTVE sprach von einer «wahren Schlacht».

Nahe der Polizeizentrale Barcelonas entzündeten junge Demonstranten ein riesiges Feuer – es stieg dicker, schwarzer Rauch auf. Brände gab es auch nahe des Plaça de Catalunya am Ende der Touristenmeile Las Ramblas, wo sich hunderte Demonstranten der Polizei entgegenstellten. Diese versuchte, die Demonstranten mit Wasserwerfern auseinanderzutreiben. «Antifaschistisches Katalonien», riefen die meist vermummten Demonstranten. «Die Strassen werden immer unsere sein!»

Zahlreiche Polizeifahrzeuge waren mit Sirenengeheul auf den Strassen unterwegs. Die Regionalpolizei warnte Menschen auf Englisch im Kurzbotschaftendienst Twitter, sich vom Stadtzentrum fernzuhalten.

Innenminister: Noch nie solche Gewalt erlebt

Der katalanische Innenminister Miquel Buch sagte dem TV-Sender La Sexta in der Nacht zum Samstag, «eine solche extreme Gewalt» habe es in Katalonien «noch nie gegeben». «Das sind natürlich keine Separatisten, das sind Gewalttätige», die es aber nicht schaffen würden, die Befürworter der Unabhängigkeit «zu besudeln», so der Vertreter der separatistischen Regionalregierung.

Protesters are dispersed by teargas thrown by national police officers, during clashes in Barcelona, Spain, Friday, Oct. 18, 2019.The Catalan regional capital is bracing for a fifth day of protests ov ...
Der katalanische Innenminister Miquel Buch sagte dem TV-Sender La Sexta in der Nacht zum Samstag, «eine solche extreme Gewalt» habe es in Katalonien «noch nie gegeben».Bild: AP

Mindestens 15 zum Teil minderjährige Aktivisten seien am Freitag allein in Barcelona festgenommen worden, teilten die regionalen Sicherheitsbehörden mit. In ganz Katalonien habe es insgesamt 31 Festnahmen gegeben. Unruhen gab es am Freitag auch in anderen katalanischen Städten wie Tarragona, Lleida und Girona. Mindestens 60 Menschen wurden den amtlichen Angaben nach in Barcelona verletzt, darunter drei Polizisten und zwei Journalisten.

Die Zahl der gewalttätigen Demonstranten wurde auf mehr als 4000 geschätzt Unter ihnen seien rund 400 organisierte Chaoten, wie Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte. Die Behörden vermuten, dass einige von ihnen aus anderen Regionen Spaniens und möglicherweise auch aus dem Ausland angereist sind. Grande-Marlaska warnte, man werde das Strafrecht gegen Gewalttätige «mit aller Härte anwenden». Haftstrafen von bis zu sechs Jahren seien möglich.

Eine halbe Million Demonstranten

Hunderttausende hatten zuvor am Freitag im Zentrum von Barcelona friedlich für die Freilassung der Verurteilten und für das Recht auf Selbstbestimmung der Katalanen demonstriert. Die Teilnehmer allen Alters sangen in ausgelassener Stimmung auch die katalanische Hymne. Die Stadtpolizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 525'000. Separatistische Gewerkschaften hatten zudem einen 24-stündigen Generalstreik veranstaltet, der von sehr Vielen befolgt wurde.

Es war bereits die fünfte Krawall-Nacht in Serie, nachdem das Oberste Gericht in Madrid am Montag sieben ehemalige Politiker der Konfliktregion und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Wegen ihrer Rolle bei dem als illegal eingestuften Abspaltungsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Separatisten.

Ein Ende der Proteste ist derweil nicht in Sicht. Die katalanische Tageszeitung «La Vanguardia» zitierte in der Samstagausgabe Sprecher der Regionalpolizei Mossos d'Esquadra, die sogar «eine Zunahme der Strassengewalt befürchten». Für das Wochenende waren aber vorerst keine neuen offiziellen Protestkundgebungen angesetzt. (sda/dpa/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ausschreitungen Barcelona
1 / 11
Ausschreitungen Barcelona
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Tausende protestieren gegen Festnahme Puigdemonts
Video: srf
Experte über Diesel-Deal: «Schändlicher Verrat an der Ukraine»
In Grossbritannien beschäftigt eine TV-Serie, die einen russischen Angriff auf die britische Halbinsel simuliert. Derweil beschädigen dubiose Figuren lettische Infrastruktur. Experte Ulrich Schmid erklärt, welche russischen Angriffsszenarien wahrscheinlich sind, und ordnet die Folgen von Trumps Diesel-Deal für die Ukraine ein.
Herr Schmid, von Belarus aus haben schwarz gekleidete Männer die Grenze zu Lettland überschritten und Verteilerkästen beschädigt. Sehen wir hier, wie Russland und das verbündete Belarus den Ukraine-Krieg in Minischritten ausweiten?
Ähnliche Provokationen gibt es an dieser Grenze immer wieder – die Belarussen versuchen oft, Migranten in die EU zu schleusen. Der Vorfall bestätigt damit nur die belarussische und russische Taktik, Aufregung auf lettischer Seite zu erzeugen. Dort liegen die Nerven sowieso blank. Daher würde ich den Vorfall nicht überbewerten.
Zur Story