Syrien verkündet Abzug aller US-Truppen
Syriens Regierung hat den vollständigen Abzug der im Land stationierten US-Truppen verkündet. Die «militärischen Einrichtungen, an denen Truppen der Vereinigten Staaten zuvor in Syrien anwesend waren», seien «komplett an die syrische Regierung übergeben» worden, teilte das Aussenministerium in Damaskus mit.
Von der US-Regierung in Washington oder dem US-Militär gab es zunächst keine Bestätigung. Der Schritt deutete sich aber seit Monaten an. Im Februar gab es Berichte über Abzugspläne innerhalb von 30, 60 oder 90 Tagen. US-Präsident Donald Trump hatte schon 2018 während seiner ersten Amtszeit verkündet, dass die US-Soldaten in Syrien vollständig abziehen sollten. Die Angaben zu ihrer Zahl schwankten zwischen 900 und 2000.
Zehntausende Luftangriffe mit Verbündeten
Das US-Militär kämpfte in Syrien an der Seite kurdisch angeführter Milizen lang gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die seit 2019 als militärisch besiegt gilt. Das US-Militär führte mit Verbündeten Zehntausende Luftangriffe durch, um das vom IS ausgerufene «Kalifat» zu zerstören und dessen Anführer zu töten. In den vergangenen Jahren griff das US-Militär weiterhin IS-Anführer sowie mit dem Iran verbündete Milizen an.
Der Abzug passe zur gemeinsamen Einschätzung der USA und Syriens, dass die Umstände für die US-Präsenz - nämlich der Aufstieg des IS - sich «grundlegend» geändert hätten, hiess es aus Damaskus. Der syrische Staat sei heute «vollständig fähig», den Kampf gegen Terrorismus mit Hilfe anderer Länder zu führen.
Abzug aus einem von Konflikten geplagtem Land
Mit dem Abzug endet eine rund zehn Jahre lange Militärpräsenz der USA in einem von Kriegen geplagten Land. Die US-Soldaten waren an mehreren Militärbasen und vielen kleineren Posten stationiert. Schon als Truppen der syrischen Regierung in den vergangenen Monaten gewaltsam die Kontrolle im kurdisch kontrollierten Nordosten übernahmen, zogen US-Truppen von dortigen Positionen ab.
Die Übergabe der Stützpunkte sei «sehr professionell und in vollständiger Absprache» beider Regierungen erfolgt, teilte das Aussenministerium in Damaskus mit. Trump hatte den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa vergangenen November im Weissen Haus empfangen. Es war der Höhepunkt einer diplomatischen Annäherung der USA und Syriens nach dem Sturz des früheren syrischen Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024.
US-Militärkonvoi wohl auf dem Weg zur jordanischen Grenze
Anwohner im Nordosten von Damaskus beobachteten am Donnerstag einen Konvoi mit US-Militärfahrzeugen. Diese fuhren demnach aus der Provinz Hassaka im Nordosten in Richtung Damaskus. Es wurde erwartet, dass sie von dort die Grenze nach Jordanien weiter südlich überqueren würden.
In Syrien sind die Folgen des Iran-Kriegs deutlich zu spüren, etwa durch wirtschaftlichen Druck und Knappheit bei Treibstoffimporten. Anders als im benachbarten Irak oder in der Golfregion gab es hier aber nur vereinzelte Angriffe. Trotz des kleinen, aber symbolisch wichtigen US-Abzugs aus Syrien haben die USA ihre Präsenz in der Region im Zuge des Kriegs deutlich verstärkt. Laut Berichten sind rund 50.000 Soldaten und andere US-Militärangehörige im Nahen Osten stationiert, viele davon auf Kriegsschiffen. (hkl/sda/dpa)
