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A rebel fighter walks carrying a bag at insurgent-held al-Rashideen in the province of Aleppo, Syria December 22, 2016. REUTERS/Ammar Abdullah

Die letzten Kämpfer und Zivilisten verlassen den Ostteil der vier Jahre lang umkämpften Stadt Aleppo.  Bild: AMMAR ABDULLAH/REUTERS

Syrische Armee kontrolliert wieder ganz Aleppo – Rebellen abgezogen



Die lange umkämpfte nordsyrische Grossstadt Aleppo steht das erste Mal seit mehr als vier Jahren wieder unter vollständiger Kontrolle von Regierungstruppen. Die letzten Kämpfer der Opposition und Zivilisten verliessen am Donnerstagabend die Rebellengebiete im Ostteil.

Das meldeten die staatliche Nachrichtenagentur SANA und die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

In der Live-Übetragung des regierungstreuen Fernsehsenders Al-Mayadeen waren Freudenschüsse von Anhängern der Regierung zu hören. Für Präsident Baschar al-Assad und seine Verbündeten bedeutet der Sieg in Aleppo einen wichtigen Erfolg in dem seit fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg. Sie kontrollieren nun wieder alle grossen Städte des Landes.

Die symbolisch und strategisch wichtige frühere Handelsmetropole Aleppo gehörte in dem Konflikt zu den am heftigsten umkämpften Gebieten.

Assad: Auch Sieg für Russland und den Iran

Die syrische Armee teilte mit, der Erfolg sei ein strategisch wichtiger Wendepunkt im «Krieg gegen den Terrorismus». Assad hatte zuvor erklärt, die Einnahme Aleppos sei auch ein Sieg der engen syrischen Verbündeten Russland und Iran. Sie unterstützen die syrische Regierung im Bürgerkrieg militärisch. Moskau fliegt Luftangriffe, Teheran fördert zahlreiche schiitische Milizen.

Nach UNO-Angaben verliessen seit dem Beginn der Evakuierung Ost-Aleppos vor einer Woche mindestens 35'000 Menschen Ost-Aleppo. Die gewöhnlich gut informierte Beobachtungsstelle berichtete dagegen von maximal 27'000 Menschen, darunter 7000 Kämpfer der Rebellen. Sie wurden in Gebiete unter Kontrolle von Rebellen südwestlich von Aleppo gebracht. Dort sind viele von ihnen zunächst in Zelten, Schulen oder Moscheen untergekommen.

Im Gegenzug für den Abzug aus Ost-Aleppo durften auch rund 1000 Zivilisten die von Rebellen belagerten Orte Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens verlassen, die vor allem von Schiiten bewohnt werden, die wohl dem alawitischen Regime in Damaskus näherstehen. Damit wurde eine Forderung der schiitischen Milizen erfüllt.

Aleppo ist ein Trümmerfeld 

Noch kein Gesamtsieg für das Regime

Trotz Assads Erfolg in Aleppo ist das Land aber weiterhin in Herrschaftsgebiete der Regierung, der Kurden, diverser Rebellen und der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») unterteilt. Türkische Truppen und verbündete Milizen rücken in blutigen Kämpfen gegen den «IS» und die Kurden vor. Ein US-geführtes Bündnis fliegt Angriffe gegen die Extremisten.

In den vergangenen Wochen hatten die syrische Armee und ihre Verbündeten den allergrössten Teil der von oppositionellen Milizen beherrschten Viertel Aleppos eingenommen. Regierung und Regimegegner einigten sich daraufhin auf den Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus den letzten Rebellengebieten - die Evakuierung wurde wegen Unstimmigkeiten jedoch mehrfach ausgesetzt.

Viele Menschen mussten tagelang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf den Transport warten. Einige sassen mehr als 36 Stunden in Bussen fest. Wegen einer monatelangen Blockade durch die Regierungstruppen war die humanitäre Lage in Ost-Aleppo laut Hilfsorganisationen ohnehin katastrophal. Grosse Teile des Gebietes sind durch jahrelange Luftangriffe und Gefechte völlig zerstört.

Zivilisten Opfer türkischer Luftangriffe

Bei türkischen Luftangriffen auf die von der «IS»-Terrormiliz gehaltene nordsyrische Stadt Al-Bab kamen unterdessen mindestens 47 Zivilisten ums Leben, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Zudem wurden nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan rund 200 «IS»-Kämpfer und 16 türkische Soldaten getötet. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, mehr als 30 türkische Soldaten seien verwundet worden. Das «IS»-Sprachrohr Amak meldete, der türkischen Armee seien hohe Verluste beigebracht worden.

Die Türkei hatte im August eine Bodenoffensive in Syrien begonnen, mit der sie Rebellen unterstützt. Seitdem sind 37 türkische Soldaten getötet worden. Den Verbündeten ist es mit der Operation «Schutzschild Euphrat» gelungen, den «IS» von der türkisch-syrischen Grenze zu verdrängen.

Das nächste Ziel ist es nach türkischen Regierungsangaben, Al-Bab einzunehmen. Die Türkei bekämpft in Nordsyrien zugleich die Kurdenmiliz YPG, die eng mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden ist.

Verfolgung von Kriegsverbrechen

Die UNO-Vollversammlung schuf unterdessen die Grundlage dafür, dass in Syrien verübte Kriegsverbrechen geahndet werden können. Mit 105 Stimmen bei 15 Nein-Stimmen und 52 Enthaltungen beschloss das Gremium in der Nacht zum Donnerstag, dass eine Arbeitsgruppe Beweismaterial sichern soll.

Der Resolutionsentwurf war von Liechtenstein eingebracht und von 58 weiteren Staaten unterstützt worden, darunter die USA, Frankreich, Grossbritannien und Deutschland. Gegen die Resolution stimmten unter anderen Russland, der Iran und China. Der UNO-Generalsekretär hat nun 20 Tage Zeit, um die Arbeitsgruppe aufzustellen. (sda/dpa/afp/reu)

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