Syrien: Erneut Gefechte zwischen Kurden und Regierungskräften
Südöstlich der syrischen Millionenstadt Aleppo ist es zu erneuten Gefechten zwischen kurdischen Milizen und Regierungstruppen gekommen. Die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) meldeten, dass es bei Dibsi Afnan zu Zusammenstössen gekommen sei. Sie warfen der Übergangsregierung einen «hinterhältigen Angriff» vor. Die syrische Armee ihrerseits erklärte, ihre Truppen in Dibsi Afnan seien angegriffen worden.
Gegenseitige Vorwürfe
Vorausgegangen war den erneuten Auseinandersetzungen eine Ankündigung der SDF, sich nach Tagen der Gefechte aus dem Gebiet zurückziehen. Die Vereinbarung dazu sah nach kurdischen Angaben eine Feuerpause von 48 Stunden vor. Die Übergangsregierung sei jedoch vor dem vollständigen Abzug mit Militärkonvois, schweren Waffen und Panzern angerückt. Die Regierungstruppen hätten SDF-Kämpfer angegriffen. Dabei sollen mehrere von ihnen getötet worden sein.
Die syrische Armee erklärte hingegen, Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hätte das Militär angegriffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Dabei wurden nach Armeeangaben zwei Soldaten getötet. Die Übergangsregierung wirft den SDF vor, Anhänger der gestürzten Assad-Regierung sowie PKK-Mitglieder zu dulden. Das Militär erklärte das Gebiet westlich des Flusses Euphrat zur militärischen Sperrzone. Zuvor hatte es bereits verkündet, die Kontrolle über wichtige Orte in der Gegend übernommen zu haben.
Al-Scharaa erkennt Kurden als «integralen Teil» Syriens an
Nach anhaltenden Spannungen zwischen Kurden und der Übergangsregierung hatte Interimspräsident Ahmed al-Scharaa am Freitagabend ein Dekret unterzeichnet, das die syrischen Kurden als integralen Teil des syrischen Volkes anerkennt. Das Gesetz garantiert deren kulturelle und sprachliche Identität, erlaubt den Unterricht der kurdischen Sprache in Schulen und hebt diskriminierende Massnahmen aus der Vergangenheit auf. Zudem wurde das Neujahrsfest Nowruz zum offiziellen Feiertag erklärt.
Die Kurden sind die grösste Minderheit in Syrien. Unter der jahrzehntelangen, Ende 2024 gestürzten Assad-Herrschaft waren sie weitläufigen Diskriminierungen ausgesetzt. Während des Bürgerkrieges haben sie sich im Nordosten des Landes eine Selbstverwaltung aufgebaut. Eigentlich sollten die zivilen und militärischen Institutionen nach einem im März geschlossenen Abkommen in die staatliche Ordnung eingegliedert werden. Dies ist aber bis heute nicht umgesetzt worden.
Beobachter befürchten, die anhaltenden Spannungen zwischen den kurdischen Kräften und der Regierung könnten zu einem grösseren Konflikt führen.
US-Gesandter trifft kurdische Vertreter
SDF-Chef Maslum Abdi wurde unterdessen am Nachmittag gemeinsam mit dem US-Gesandten Tom Barrack vom irakischen Kurdenführer Massud Barsani in Erbil im Irak empfangen. Bei den Gesprächen stand einer Erklärung von Barsanis Büro zufolge die Lage in Syrien im Fokus. Barrack soll am Abend auch den Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, Nechirvan Barsani, treffen. (sda/dpa)
