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«Ich bin ein Kind im Krieg» – Lilly ist Thailands Antwort auf Greta Thunberg



Auf einem Paddelbrett gleitet Lilly durch einen verdreckten Kanal in Thailands Hauptstadt Bangkok und sammelt Müll ein. Wie so häufig lässt die Zwölfjährige an diesem Tag die Schule sausen - in ihrem selbst erklärten Krieg gegen den Plastikmüll.

Für ihr Alter hat Lilly, die mit vollem Namen Ralyn Satidtanasarn heisst, sich einiges vorgenommen in einem Land, in dem jeder Einwohner durchschnittlich acht Plastiktüten pro Tag verbraucht.

«Ich bin ein Kind im Krieg», sagt die temperamentvolle Zwölfjährige nach ihrer stundenlangen Müllsammel-Tour, bei der sie Getränkedosen, Tüten und Flaschen aufgefischt hat. «Ich versuche, optimistisch zu bleiben, aber ich bin auch wütend. Unsere Welt verschwindet», fügt sie hinzu.

3000 Plastiktüten pro Einwohner

Thailand steht in der Rangliste der Verursacher von Plastikmüll in den Ozeanen an sechster Stelle, Plastik ist in dem Land eine Plage. Ob als Verpackung für Garküchen-Essen, für den Kaffee zum Mitnehmen oder für die Einkäufe - jeder Thailänder verbraucht statistisch rund 3000 Einweg-Plastiktüten pro Jahr. Das ist zwölfmal so viel wie der durchschnittliche EU-Bürger.

epa07798693 Thai city workers gather garbage and plastic waste for collecting at Khlong Saen Saep canal in Bangkok, Thailand, 28 August 2019. Thailand generates nearly 30 million tons of garbage each year and more than two million tons are plastic waste.  EPA/RUNGROJ YONGRIT

Bild: EPA

Lilly begann schon im Alter von acht Jahren mit ihrem Einsatz gegen den Plastikmüll - Auslöser war ein Familienurlaub in Süd-Thailand, wo sie entsetzt war über den zugemüllten Strand. «Wir haben gemeinsam mit meinen Eltern Müll aufgesammelt, aber das hat nichts gebracht», erinnert sie sich. «Am nächsten Morgen hatte das Meer schon wieder neuen Abfall angeschwemmt.»

Ermutigt durch das Beispiel der Schwedin Greta Thunberg, die mit ihrem Schulstreik für das Klima weltweit Schlagzeilen macht, begann Lilly mit Sitzstreiks vor thailändischen Regierungsgebäuden. «Greta Thunberg hat mir Selbstvertrauen gegeben», sagt die Zwölfjährige. «Wenn die Erwachsenen nichts tun, dann ist es an uns Kindern, zu handeln.»

Erster Erfolg

Auch wenn Lilly für ihre Anti-Müll-Einsätze häufig die Schule schwänzt, wird sie nicht nach New York reisen, um am Freitag an der Seite von Greta Thunberg zu demonstrieren. «Mein Platz ist hier, der Kampf findet auch in Südostasien statt», sagt sie.

Im Juni konnte Lilly ihren ersten Erfolg verbuchen: eine grosse Bangkoker Supermarktkette verpflichtete sich, zumindest einmal wöchentlich keine Plastiktüten an ihre Kunden auszugeben. Und in diesem Monat kündigten einige der grössten Firmen, darunter der Betreiber der in Thailand allgegenwärtigen 7-Eleven-Märkte, an, ab Januar keine Einweg-Plastiktüten mehr bereitzustellen.

«Wenn die Regierung mir nicht zuhört, muss ich eben direkt mit denen reden, die Plastiktüten verteilen, und sie davon überzeugen aufzuhören», sagt die Müll-Bekämpferin. Allmählich scheint sich das Bewusstsein in Thailand zu verändern - nicht zuletzt auch wegen des Schicksals des Seekuh-Babys Mariam, das im August mit zahlreichen Plastikteilen im Bauch verendete.

Junge Aktivisten wie Lilly können Aufmerksamkeit auf das Müll-Problem lenken. «Es ist sehr schwer, ein Kind zu ignorieren wenn es fragt, warum wir den Planeten zumüllen, auf dem es leben muss», stellt Kakuko Nagatani-Yoshida vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen fest.

In ihrem Kampf kann Lilly jedenfalls auf ihre Eltern zählen. «Zuerst dachte ich, es ist nur eine kurzzeitige Marotte, aber Lilly ist bei der Stange geblieben, deshalb habe ich beschlossen, sie zu unterstützen», sagt ihre Mutter Sasie. (aeg/sda/afp)

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17
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schon gegangen 19.09.2019 04:11
    Highlight Highlight Ich bin momentan in Süditalien unterwegs und es ist erschreckend wieviel Müll man auf offener Strasse sieht, jeder Parkplatz ist eine Müllhalde, man wirft den Haushaltkericht einfach aus dem Autofenster. Natürlich sind nicht alle so, aber es ist erschreckend, dass auch im “aufgeklärten” Europa noch solche Zustände herrschen.
  • darkshadow 18.09.2019 22:28
    Highlight Highlight Schon traurig wenn Kinder vernüftiger sind als die Erwachsenen... und was sagt und das?
  • Schpudelchen 18.09.2019 21:02
    Highlight Highlight Diesen Samstag findet der World Cleanup Day auch in der Schweiz statt. Jeder kann ohne Anmeldung mitmachen, helfen Abfall zu sammeln und sich Gedanken machen wie er seinen eigenen Plastikverbrauch reduzieren kann.

    Also los, seid wie Lilly ;)
    • Lucida Sans 18.09.2019 22:21
      Highlight Highlight Sorry, der war bereits am 13./14.
    • Schpudelchen 19.09.2019 07:20
      Highlight Highlight Da war ein nationaler Cleanup Day von IGSU, der World Cleanup Day findet diesen Samstag statt.
  • fools garden 18.09.2019 21:00
    Highlight Highlight Lass Dich nicht unterkriegen, Lilly👍
  • DrFreeze 18.09.2019 19:20
    Highlight Highlight Was Lilly da macht, verdient allergrössten Respekt. Wieviele Plastik Tüten Greta wohl schon eingesammelt hat?
    • vita. 18.09.2019 22:12
      Highlight Highlight Was Lilly da macht, verdient allergrössten Respekt. Wie viele Plastiktüten der Verfasser des obigen Kommentares wohl schon eingesammelt hat?
      Es geht nicht darum wer schon am meisten Plastiktüten eingesmmelt hat. Die beiden haben verschiedene Wege sich für Klima- und Umweltschutz stark zu machen. Dies ist auch gut so. Welche Variante man besser findet ist einem selbst überlassen. Schlussendlich ist es aber nicht wichtig wie, sondern dass etwas getan wird und dass man sich einstetzt für unsere Erde. Anstatt mit den Fingern auf andere zu zeigen, könnte man doch selbst beginnen etwas zu tun.
    • DrFreeze 19.09.2019 07:47
      Highlight Highlight Dachte mir dass so ein Kommentar kommt. Wenn ich in unseren Seen tauche und Müll finde, nehme ich ihn mit. Wenn ich auf dem Rhein paddle und Plastik treibt daher, nehme ich ihn mit. Und du?
  • Sebanimon 18.09.2019 19:11
    Highlight Highlight Das ist toll, wenn sie weiterhin die Schule schwänzt darf sie bald ein Leben lang Müll sammeln. 😂
    sry
  • Gartehäx 18.09.2019 18:04
    Highlight Highlight Dieses Kind beeindruckt mich tief. Kenne die thailändische Mentalität aus beruflichen Gründen recht gut. Umso erstaunlicher finde ich das Engagement inkl. Unterstützung durch die Familie. Chappeau!
    • Gartehäx 18.09.2019 20:41
      Highlight Highlight Für die Blitzer und zur Erklärung: In thailändischen Schulen, zumindest in den staatlichen, die ich kenne, ist selber denken und Problemlösungskompetenz nicht gefragt. Uniformiertes Auswendiglernen ist die Devise... umso erstaunlicher ist dieses Engagement gegen den Mainstream.
  • Eric Lang 18.09.2019 17:41
    Highlight Highlight Statt Palavern und Palavern, glänzt Lilly mit Taten, lange bevor ein von Dritten inszeniertes Mädchen, begann mit ihren Aktivitäten in erster Linie Geld zu verdienen!
    Nehmt Euch ein Vorbild, statt am Freitag streiken zu gehen, geht "Fötzeln", wie wir dies früher schon Taten
  • Oigen 18.09.2019 17:33
    Highlight Highlight
    Merci chline ängel❤️
  • Cirrum 18.09.2019 17:31
    Highlight Highlight Finde ich super, danke für Alle, die aktiv etwas für unsere schöne Erde tun. Es soll sich doch auch lohnen hier zu sein. Im Zuhause fühlt man sich doch auch wohler, wenn es sauber ist, das Selbe sollte doch auch für das Draussen gelten..
  • Gipfeligeist 18.09.2019 17:20
    Highlight Highlight Es ist eigentlich ein trauriges Zeichen, wenn schon Kinder nicht mehr auf unsere Ignoranz gegenüber der Umwelt klarkommen. Umso ermutigender ist es, wenn diese Kinder trotzdem den Glauben und den Mut haben, daran etwas zu ändern!

    Davon darf sich jeder eine Scheibe abschneiden
  • Töröö! 18.09.2019 17:12
    Highlight Highlight Hut ab, Lilly!

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